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ZDF-History  "GSG 9 heute so nötig wie damals"

Interview mit Ulrich Wegener, dem Gründer und ersten Leiter der GSG 9

Er war der Held des "Deutschen Herbstes 1977": Ulrich K. Wegener, Gründer und erster Leiter der GSG 9, der Anti-Terror-Einheit des Bundesgrenzschutzes. Bei der Befreiung der entführten Lufthansa-Maschine Landshut in Mogadischu stürmte er als kommandierender Offizier vorneweg, zahlreichen anderen Ländern half er, eigene Anti-Terror-Einheiten aufzustellen. Bis heute ist Ulrich Wegener das Gesicht jener Einheit, die er "erfand" und aufbaute, einer Einheit, die auch 40 Jahre nach ihrer Gründung noch immer die Trumpfkarte des Innenministeriums ist. 

Ulrich Wegener 1977

Der Held von Mogadischu

Für die Erstürmung der von Terroristen entführten Lufthanse-Maschine "Landshut" und die Befreiung der Geiseln erhält Ulrich K. Wegener aus den Händen von Bundesinnenminister Werner Maihöfer das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

(21.09.2012 Quelle: Ulrich Wegener erhält Bundesverdientskreuz)

Von Stefan Lehmacher

ZDFonline: Am 26. September jährt sich die Gründung der GSG 9 zum 40. Mal. Ein Grund zum Feiern?

Ulrich Wegener: Keine Frage. Die GSG 9 hat sich hundertprozentig bewährt. Wir haben eine neue Linie in der Terrorismusbekämpfung gestartet. Das hat sich inzwischen als völlig richtig erwiesen. Diese Linie haben alle, die mir in der Führung der GSG 9 nachgefolgt sind, beibehalten.

ZDFonline: Ist die Polizeitruppe GSG 9 noch zeitgemäß?

Wegener: Sie ist zeitgemäßer denn je. Die ursprüngliche Idee der Unkonventionalität hat sich ja bewehrt.
Entführte Lufthansa-Maschine Landshut nach der Landung in Mogadischu
Entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" (Quelle: imago)

ZDFonline: Die GSG 9 wird aber immer häufiger gegen Schwerstkriminelle wie die Hells Angels eingesetzt. Ist da das Etikett Anti-Terror-Truppe noch gerechtfertigt?

Wegener: Es ist das Verdienst der GSG 9, dass in der Bundesrepublik bisher schwerste Terroranschläge nicht mehr vorgekommen sind. Was aber nicht heißt, dass sich das nicht ändern könnte. Zugleich ist es auch so, dass die Polizei gerade mit der schwersten Gewaltkriminalität nicht mehr fertig wird.

ZDFonline: Die GSG 9 hat inzwischen keinen Kombattantenstatus mehr und darf nicht mehr in militärischen Konflikten eingesetzt werden. Diese Aufgabe hat nun das KSK übernommen. Halten Sie das für richtig?

Wegener: Natürlich haben wir keinen Kombattantenstatus mehr in der Buchstabenform, aber was die Einsatzformen der GSG 9 betrifft, so hat sich nichts geändert.

Lebenslauf

Ulrich K. Wegener, geboren am 22. August 1929 in Jüterbog, wurde noch als 15-Jähriger kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zur Luftwaffe eingezogen. Nach kurzer Zeit in US-Kriegsgefangenschaft entlassen, geriet er Anfang der 1950er Jahre mit der Staatssicherheit  in Konflikt, nachdem er Flugblätter gegen die DDR verteilt hatte. Nach einem Jahr Haft in DDR-Gefängnissen flüchtete er über West-Berlin nach Westdeutschland. Wegener bewarb sich sowohl bei der Bundeswehr als auch bei der Bereitschaftspolizei und absolvierte beide Aufnahmeprüfungen.

Von der Bereitschaftspolizei wechselte er zum Bundesgrenzschutz und stieg in den Folgejahren zum Hundertschaftsführer auf. Nach einem kurzen Abstecher zur NATO war er BGS-Verbindungsoffizier im Innenministerium unter dem damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher. Von ihm wurde er 1972 unter dem Eindruck der gescheiterten Geiselbefreiung von München mit dem Aufbau und der Leitung der GSG 9 betraut, deren Kommandeur er bis 1979 blieb. Unter seiner Leitung fand die legendäre Aktion auf dem Flughafen von Mogadischu zur Befreiung der von palästinensischen Terroristen entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ statt.

Auch an der Befreiung von israelischen Geiseln auf dem ugandischen Flughafen Entebbe durch israelische Spezialkommandos war er beteiligt. Nach seiner Pensionierung war er Berater beim Aufbau zahlreicher Sondereinheiten anderer Länder, so zum Beispiel in Saudi-Arabien.


ZDFonline: Der Standort der GSG 9 ist immer noch in Hangelar bei Bonn. 1972 gewählt wegen der Nähe zum Regierungssitz, ist Hangelar nun weit weg. Ist daran gedacht, den Standort zu verlegen?

Wegener: Es wurde sehr viel in den Standort Hangelar investiert. Millionen sind in den Aufbau des Ausbildungszentrums gesteckt worden. Auch unsere Hubschrauber sind dort stationiert. Wir sind von dort in kürzester Zeit in jedem Ort Deutschlands. An eine Verlegung des Standorts ist auf keinen Fall gedacht.

ZDFonline: Es wird immer wieder kolportiert, dass der katastrophale Einsatz zur Befreiung der israelischen Geiseln in München 1972 Anlass für die Gründung der GSG 9 war. Stimmt das oder gab es schon vorher Pläne, eine dezidierte Anti-Terroreinheit aufzustellen?

Wegener: Nein, München war der Startschuss. Ich habe damals (Bundesinnen)minister Genscher überreden können, die GSG 9 als Spezialeinheit aufzustellen. Direkt nach den Ereignissen von Fürstenfeldbruck habe ich als sein Verbindungsoffizier zum Bundesgrenzschutz - wir hatten ein sehr enges Verhältnis - mit ihm gesprochen.
Ulrich Wegener
Ulrich Wegener 2012 (Quelle: imago)

ZDFonline: Es wurde auch berichtet, dass Sie an der "Operation Feuerzauber" zur Befreiung der Geiseln in Mogadischu persönlich teilgenommen haben. Trifft das zu? Was war Ihre Aufgabe?

Wegener: Natürlich stimmt das. Ich habe den Einsatz geleitet, ich habe "von vorne" geführt und "von vorne" bedeutet bei der GSG 9, das man mit vorne in einem der Sturmtrupps zu sein hat. Und ich war in einem der Sturmtrupps.

ZDFonline: Bei der missglückten Geiselbefreiung von Fürstenfeldbruck waren auch BGS-Truppen in Bereitschaft. Warum wurden sie nicht eingesetzt? Hätten diese die Operation besser durchgeführt?

Wegener: Die bayerische Landesregierung hatte darauf bestanden, das in erster Linie die bayerische Polizei zuständig war. Ob der BGS die Operation besser durchgeführt hätte, glaube ich nicht. Wir hatten damals noch keine Spezialeinheit, die mit solchen Terroristen hätte fertig werden können.

21.09.2012, Quelle: ZDF

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