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Raumfahrt  Sendung vom 17.03.2014 [Archiv] Say Goodbye with a Smile

Abschied vom Space Shuttle

Als Space Shuttle Columbia im Frühjahr 1981 zu seinem Jungfernflug startete, war es der Inbegriff eines modernen, ja geradezu futuristischen Raumschiffs: das erste – und bis heute das einzige -  das wie eine Rakete starten und wie ein Flugzeug landen konnte. Nach dem Wettlauf zum Mond, den die USA für sich entschieden haben, schien es einmal mehr die Überlegenheit der amerikanischen Raumfahrt gegenüber der Kapseltechnologie der Sowjets zu beweisen – ein elegantes und komfortables Raumschiff, mit dem Flüge in die Erdumlaufbahn und zurück Routine werden sollten. 

Space Shuttle

Raumschiffe, die wie Raketen starten und wie Flugzeuge landen - wöchentlich sollten die so genannten Space Shuttles Astronauten und Fracht ins All bringen.Doch der Traum wird für alle zur Tragödie.

(19.07.2012)

Space Shuttle

Mit dem Ende des Kalten Krieges wird aus dem Space Shuttle ein Raumschiff in internationaler Mission. Die Ära dieser Raumschiffe endet im Juli 2011, mit dem letzten Flug des Space Shuttles "Atlantis".

(19.07.2012)
Space Shuttle angedockt an der ISS

Space Shuttle

Mit dem Ende des Kalten Krieges wird aus dem Space Shuttle ein Raumschiff in internationaler Mission. Die Shuttles bekommen eine neue Aufgabe: als Transportfahrzeug zur Internationalen Raumstation ISS. Aber es ist eine Zitterpartie, denn immer wieder Pannen und der Absturz des Space Shuttles "Columbia" verzögern den Ausbau der Station. Die Shuttles werden zum Milliardengrab. Die Ära dieser Raumschiffe endet im Juli 2011 - mit dem letzten Flug des Space Shuttles "Atlantis".

(19.07.2012)

von Hildegard Werth

Die Space Shuttles waren ein höchst ehrgeiziges Projekt: Sie sollten wieder verwendbar sein, ganze Gruppen von Menschen und grosse Nutzlasten ins All bringen und jeweils bis zu 100 Mal zum Einsatz kommen. Es war eine Kombination von Frachtraumschiff, Weltraum-Kleinbus und Forschungslabor, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte.

Bei der Entwicklung redeten viele mit, von der Wirtschaft bis zum Militär – zu viele. Das Shuttle wurde die komplexeste Maschine, die Menschen je gebaut haben, unglaublich vielseitig, aber auch hochsensibel, fehleranfällig und teuer. Die Kompromisse, die man aus Kostengründen bei der Entwicklung gemacht hatte, rächten sich in den Folgejahren mit steigendem Wartungsaufwand und kostspieligen Nachbesserungen. Zwei tragische Unglücke, bei denen 14 Astronauten ums Leben kamen, zeigten, wie schwer es war, Flüge mit dieser ‚Wundermaschine’ einigermaßen sicher zu machen. 

Das Ende der Shuttle-Ära - jetzt kann man nur noch so wie Hildegard Werth im Shuttle fliegen
Das Ender der Shuttle-Ära - Jetzt kann man nur noch so im Shuttle fliegen (Quelle: Hildegard Werth)

Faszination Raumfahrt

Dennoch gehörten die Space Shuttles der NASA bald zu Amerika wie die Freiheitsstatue und Coca Cola. Das Kennedy Space Center in Florida wurde zum Magneten für Raumfahrtfans. Bis zu zwei Millionen Besucher pilgerten jährlich nach Cape Canaveral, um einen Shuttle-Start zu sehen und die Ikonen der Raumfahrt aus der Nähe zu bestaunen. Doch wer einen Start sehen wollte, musste viel Zeit mitbringen.

So gut wie nie flogen die Raumfähren pünktlich. Und viele, die das Glück hatten, einen Countdown vor Ort zu erleben, waren einerseits begeistert und andererseits enttäuscht: denn unfassbar schnell ist das Shuttle auf und davon. Schon weniger als eine Minute nach dem Abheben ist es außer Sichtweite. Was bleibt ist der gewaltige Schweif aus Wasserdampf und Triebwerkabgasen, der oft noch stundenlang am Himmel über Florida zu sehen ist. Wer die Bilder vom Start im Fernsehen sieht, hat mehr davon – wären da nicht die feierlichen Minuten, wenn die Nationalhymne gesungen wird, wenn beim Countdown die Spannung ins schier Unerträgliche steigt, wenn die Triebwerke mit einem gleißenden Lichtblitz zünden und die Zuschauertribüne von tosendem Donner überrollt wird. Allein der Kontrast zwischen der urwüchsigen Natur auf Merritt Island mit Alligatoren, Gürteltieren und Seeadlern und dem High Tech Ambiente des Weltraumzentrums ist sehenswert.

Astronauten berichten

Piers Sellers über den Start im Space Shuttle

Piers Sellers, NASA-Astronaut, über den Start im Space Shuttle:

Der Start im Shuttle ist ganz schön aufregend. Es vibriert wie verrückt, man wird in den Sitzen durchgerüttelt und in den Gurten hin- und hergeschüttelt. In den ersten zwei Minuten ist alles im Cockpit in Bewegung. Wenn die Feststoffraketen weg sind, wird der Flug gleichmässiger und man wird schneller und immer schneller. Man wird wirklich fest in die Sitze gepresst und gerade wenn Du denkst, Du kriegst keine Luft mehr, dann hört die Beschleunigung ganz plötzlich auf und man beginnt zu schweben. Das ist ein wunderbares Gefühl.

Dr. Thomas Reiters erste Minuten im All

Dr. Thomas Reiter, ESA-Astronaut, über die ersten Minuten auf dem Weg ins All:

Solange die Feststoffraketen, die sogenannten Booster, abbrennen, ruckelt das im Shuttle, als würde man mit dem Bus über eine schlecht ausgebaute Strasse fahren. Und dann, nach knapp zwei Minuten, wenn die Booster abgesprengt werden, geht es ruhig nach oben. Man ist nach 8 Minuten 30 Sekunden in einer etwas niedrigeren elliptischen Umlaufbahn und muss dann nach einem halben Orbit noch mal die Haupttriebwerke des Shuttles zünden, um die Flugbahn kreisförmig um die Erdatmosphäre herumzulegen. Und dann beginnt im Shuttle sofort die Arbeit. Man schnallt sich ab, man muss gleich auf dem Middeck die Stühle abbauen, die Raumanzüge ablegen, die Arbeit vorbereiten.

Dr. Hans Schlegel über die Schwerelosigkeit

Dr. Hans Schlegel, ESA-Astronaut,  über die Schwerelosigkeit:

Es gibt kein ‚oben’ und ‚unten’, es gibt folglich auch kein ‚rechts’ und ‚links’ und kein ‚vorwärts’ und ‚rückwärts’, es ist alles gleich. Allein wie sie es sich denken, so ist das Koordinatensystem dort oben. Es ist, als ob man neu lernt zu leben. Es ist eine ganz andere Empfindung, ganz andere Körper-Reize, denen man unterliegt. Das Innenohr funktioniert nicht mehr, nur die Augen funktionieren. Die Muskelrezeptoren in den Beinen, die brauchen keinen Dienst mehr zu tun. Wir haben keinen Widerstand mehr, wir bewegen uns von einer Stelle zur anderen, indem wir uns mit einem Finger abstoßen und irgendwo wieder auffangen – hoffentlich an der richtigen Stelle. Das muss gelernt werden. Wir müssen alles, was wir fühlen - körperlich, gedanklich - neu zu verarbeiten lernen. Ich gucke aus dem Fenster und sehe die Erde unter mir. Nein: stimmt ja gar nicht: ich liege auf dem Rücken und sehe die Erde über mir. Das ist das Gleiche. Es findet nur in meinem  Kopf statt.

Carol Mae Jemison: Der erste Blick auf die Erde

Carol Mae Jemison, erste afroamerikanische Astronautin, über ihren ersten Blick auf die Erde:

Ich bin ich Chicago aufgewachsen. Schon als kleines Mädchen habe ich die Gemini- und Apollo-Missionen verfolgt und immer gedacht, dass ich auch einmal in den Weltraum fliegen würde. Als es dann so weit war, war das erste, was ich aus der Erdumlaufbahn sah, meine Heimatstadt Chicago! Ich saß im Middeck und mein Kommandant Hoot Gibson rief: Komm mal die Treppe rauf, Mae! Und so schwebte ich hinauf ins Cockpit und schaute aus dem Fenster – und da war Chicago! Es ist wirklich wahr: als erstes sah ich Chicago! Es war einer dieser Kreise, die sich im Leben schließen, so unglaublich es auch ist.

Thomas Reitert über den Blick auf die Erde

Dr. Thomas Reiter, ESA-Astronaut über den Blick auf die Erde:

Wir wissen, die Atmosphäre ist ungefähr 100 Kilometer hoch, und wenn man hier auf der Erdoberfläche steht, kommt einem das unendlich viel vor. Wenn man allerdings von oben runterschaut, ist das eine ganz zarte blaue Schicht, die sehr zerbrechlich erscheint dadurch, dass man in dieser Schicht auch noch Schalen mit verschiedener Blaufärbung erkennen kann. Das verstärkt noch den Eindruck der Zerbrechlichkeit. Man sieht von dort oben Abrodungen von  Wäldern, Waldbrände, Erosionen, man sieht die Schönheit von Wüsten, von Flusslandschaften, den Himalaya, im Südpazifik wunderschöne Korallenatolle, man kann vor der Küste Südamerikas Planktonschwärme erkennen, es ist eine solche Vielfalt von Eindrücken, die man von dort oben gewinnt von unserem Planeten, dass es eine ganze Zeit dauert, bis man das alles verarbeitet hat.

 

Chris Hadfield erster Flug in der Atlantis

Chris Hadfield, Kanadischer Astronaut, über seinen ersten Flug im Space Shuttle Atlantis:

Als ich das erste Mal in den Weltraum flog, da ging ich hinaus zur Startrampe und kroch auf Händen und Knieen in das Space Shuttle – es war die ‘Atlantis’. Es war klasse, wie sie uns nach oben brachte zum Rendezvous mit der russischen Raumstation Mir. Die Russen hatten ein grossartiges Docking-System. Da mussten wir gar nichts ändern. Wir kauften es und montierten es ans Space Shuttle. (...) Es war, als ob man einen Besenstiel auf der Hand balanciert und versucht, damit eine Steckdose oben an der Decke zu treffen. Es war sehr kompliziert und vollkommen neu und nie zuvor hatte man so etwas versucht. Aber es klappte. Die Atlantis brachte mich und meine Gitarre dort hoch, und wir spielten und sangen mit Thomas Reiter und seinen Kameraden auf der Mir. Auf der ganzen Mission ging überhaupt nichts schief. Eine Glühbirne brannte durch, das war alles.

Dr. Hans Schlegel über den Blick auf die Erde

Dr. Hans Schlegel, deutscher ESA-Astronaut über den Blick auf die Erde:

Nach drei Tagen, nach vier Tagen, sehen wir Astronauten die Erde nicht mehr als irgendeinen Planeten an, wir schauen nicht mehr auf Länder, sondern wir sehen nur noch das eine große Mutterraumschiff Erde, auf dem sieben Milliarden Menschen mittlerweile leben – alles Astronauten, die da gut daran tun, ihr Raumschiff in Ordnung zu halten, ihr Raumschiff sorgfältig und effektiv zu nutzen.

Koichi Wakata über den Abschied vom Space Shuttle

Koichi Wakata, japanischer Astronaut, über den Abschied vom Space Shuttle:

Es war wirklich ein ‘Traumschiff’ - so vielseitig und flexibel. Man konnte damit Satelliten aussetzen und wieder einfangen, man konnte das Hubble-Weltraumteleskop in der Erdumlaufbahn reparieren, man konnte im europäischen Space Lab forschen, das in der Ladebucht mitflog, man konnte jede Menge Experimente in der Schwerelosigkeit machen und auch beim Bau der Internationalen Raumstation spielte es die Schlüsselrolle. Für mich ist es irgendwie traurig, zum letzten Mal einen Shuttle-Start zusehen. Und ich hoffe sehr, dass es bald ein neues Raumfahrzeug gibt, das von Florida aus Menschen in den Weltraum bringt.

Michel Tognini über die Zukunft danach

Michel Tognini, ESA-Astronaut über die Zukunft nach dem Space Shuttle:

Das Gute am Space Shuttle war, dass es zur Erde zurückgleiten konnte wie ein Segelflugzeug. Es war also eine Art Flugzeug und gleichzeitig eine Raumstation. Es sah majestätisch aus beim Start und äußerst elegant bei der Landung, und als Pilot kann ich nur sagen: ich werde es vermissen. Aber wenn wir aus der Erdumlaufbahn heraus wollen, dann brauchen wir eine andere Art Raumfahrzeug. Und der Verzicht auf das Space Shuttle macht den Weg frei, um leichter zum Mond und zum Mars zu kommen. Das sehe ich als etwas Positives.

Hans Schlegel über Unglücke

Hans Schlegel, ESA-Astronaut, über Unglücke, bei dene Astronauten starben:

Im Vordergrund steht der persönliche Verlust von Freunden, mit denen man so eng verbunden war wie in einer Familie. Es ist jedes Mal ein tragischer Fall. Und man braucht Zeit, um zu realisieren, was eigentlich passiert ist. Man empfindet persönliche Trauer, man empfindet natürlich auch persönliche Enttäuschung, dass das Programm unterbrochen wird. Und dann positioniert man sich neu und überlegt, wie geht es weiter? Und die Reaktion war eindeutig in den USA, bei der NASA, aber auch bei ESA: das ist eine wirklich schreckliche Unterbrechung, aber der Sinn unseres Unternehmens bleibt bestehen und wir machen weiter. Nicht zuletzt, damit dieser Verlust nicht umsonst gewesen.

Chris Hadfield über seinen Weltraum’Spaziergang’

Chris Hadfield, Kanadischer Astronaut, über seinen Weltraum’Spaziergang’:

Mein absolut aufregendster Moment an Bord des Space Shuttles war der, als ich ausstieg zu meinem ersten Weltraumspaziergang. Es gibt nichts, aber auch gar nichts,  was man mit diesem unglaublich existentiellen Erlebnis vergleichen kann: sich an einem Raumschiff festzuhalten und zu schweben, zwischen dem Erdball, der vorüberzieht und der endlosen samtenen Schwärze des Universums. Ganz alleine zu sein, seinen Atem zu hören und zu fühlen: hier bin ich - allein im Universum.

Carol Mae Jemison über die Zukunft im All

Carol Mae Jemison, erste afroamerikanische Astronautin, Über die Zukunft im All:

In 100 Jahren werden Menschen auf einem anderen Planeten sitzen, auf dem Weg in ein anderes Sonnensystem und denken: Hey, weißt Du noch, als es  diese alten Raumschiffe gab, die nur in die Erdumlaufbahn fliegen konnten, die waren cool. Aber wir, wir machen jetzt richtige Raumfahrt!

Dem All ein Stückchen Näher

Bei mehr als einem Dutzend Reisen nach Cape Canaveral ist es mir immerhin gelungen, drei Shuttle-Starts live zu erleben, sogar besonders schöne: den Flug STS-122 im Februar 2008, der das europäische Columbus-Labor zur Internationalen Raumstation brachte - bei strahlender Sonne zwischen spektakulären Wolkentürmen. Zwei Jahre später dann einen atemberaubenden Nachtstart der Endeavour und zu guter Letzt STS-135, den Abschiedsflug der Atlantis, mit dem nach 30 Jahren das Zeitalter der Shuttles zu Ende ging. Dazu kamen die Reisen nach Houston/Texas.

Im Hangar konnte ich ein Shuttle hautnah erleben - vom Probesitzen im Cockpit bis zum Besuch im Mid deck oder in der Ladebucht. Natürlich war das keine echte Raumfähre, sondern ein Trainingsmodell, in dem Astronauten sich auf den Flug vorbereiten. Am eindrucksvollsten aber fand ich, in Cape Canaveral direkt unter dem vielfach geflickten Hitzeschild einer Raumfähre zu stehen, die in wenigen Woche wieder starten wird. Das ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.

Eine Ära geht zu Ende

Raumfahrt ohne die Space Shuttles der NASA? Immer wieder ernte ich ungläubiges Staunen, wenn ich von den Dreharbeiten beim letzten Shuttle-Flug im Juli 2011 erzähle. Es fällt vielen schwer zu glauben, dass die Raumfahrer aller Länder in Zukunft nach ihren Missionen wieder in winzigen Kapseln zur Erde zurückplumpsen werden wie in der Pionierzeit. Mit einem harten Aufprall in der kasachischen Steppe, sofern sie mit russischen Sojus-Kapseln fliegen. Und mit einem gewaltigen Platsch in den Ozean wenn sie in einigen Jahren mit den neuen Orion-Kapseln der NASA aus dem Weltraum zurückkehren. Vielleicht sind irgendwann auch Passagiere privater Unternehmen wie SpaceX oder Orbital Sciences dabei. Aber auch die kommerziellen Firmen, die mit der NASA im Geschäft sind, setzen auf die altbewährte Kapsel-Technologie – ein unbequemer, aber seit mehr als 50 Jahren konkurrenzlos sicherer Weg ins All und zurück.

Die Flotte der Space Shuttles

Enterprise

Enterprise 1974Space-Shuttle Enterprise auf dem Rücken einer Boening 747

Die Enterprise war der Prototyp für die wieder verwendbaren Raumfähren der NASA, mit dem in den 70-er Jahren die Flugtauglichkeit der Space Shuttles geprüft wurde. Sie war nicht geeignet für Einsätze im Weltraum, sondern lediglich für Testflüge in der Atmosphäre. Insbesondere wurden damit die Gleitflugeigenschaften und die Landung auf einem ausgetrockneten See auf dem Gelände der Edwards Airforce Base in Kalifornien geprobt. Da die Enterprise keine Triebwerke hatte wurde sie huckepack auf dem Rücken eines umgebauten Jumbojets - des Shuttle Carrier Aircraft - auf die notwenige Flughöhe von 16.000 bis 30.000 Fuß gebracht.

Columbia / 28 Einsätze

Start der Raumfähre Columbia

Sie war das erste weltraumtaugliche Space Shuttle der NASA – Jungfernflug 12. April 1981. Auf dem Flug STS-9 kam zum ersten Mal das europäische Weltraumlabor Space Lab zum Einsatz. Als erster ausländischer Astronaut im Rahmen des Shuttle-Programms war der Deutsche Ulf Merbold an Bord dieses Fluges. Columbia brachte bei den folgenden Missionen zahlreiche kommerzielle Satelliten und das Weltraumteleskop ‚Chandra’ ins All. 1992 flogen mit Ulrich Walter und Hans Schlegel erneut zwei deutsche Astronauten in der Columbia. Es war die erste Raumfähre, die von einer Kommandantin geflogen wurde ( Eileen Collins STS-93). Columbia verglühte bei der Rückkehr von ihrem 28. Einsatz am 01. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Alle sieben Besatzungsmitglieder starben.

Challenger / 10 Einsätze

Raumfähre Challenger

War die zweite weltraumtaugliche Raumfähre der NASA. Sie absolvierte ihren Jungfernflug  am 04. April 1983. Bei ihrem zweiten Einsatz brachte sie die erste Amerikanerin ins All, die Wissenschaftlerin Sally Ride. Aus der Ladebucht der Challenger unternahmen Astronauten spektakuläre Ausflüge in den Weltraum – Bruce McCandless war der erste, der sich mit seinem Raketenrucksack ‚völlig losgelöst’ mehr als 100 Meter vom Space Shuttle entfernte. Im Oktober 1985 flogen drei Europäer mit: die deutschen Astronauten Ernst Messerschmidt und Reinhard Furrer und der Niederländer Wubbo Ockels. Beim darauffolgenden Start im Januar 1986 explodierte die Challenger wegen eines spröde gewordenen Dichtungsrings. All sieben Astronauten kamen ums Leben.

 

Atlantis / 33 Einsätze

Raumfähre Atlantis

Hatte ihren Jungfernflug im Oktober 1985. Atlantis flog zunächst mehrere geheime Missionen für das US-Verteidigungsministerium und brachte außerdem eine Reihe von wissenschaftlichen Raumsonden ins All, darunter die Sonde Magellan, die zur Venus flog und Galileo, der den Planeten Jupiter und sein Umfeld erkundete, sowie das Compton-Gammastrahlenobservatorium. Später wurde Atlantis für Dockings mit der russischen Raumstation Mir umgerüstet. 1995 bis 1997 flog sie sieben Mal zur Mir und spielte später eine wichtige Rolle beim Aufbau der Internationalen Raumstation.

Discovery / 39 Einsätze

Raumfähre Discovery

Discovery brachte das Hubble-Weltraumteleskop ins All, sie wurde als erste Raumfähre von einer Frau geflogen ( Eileen Collins auf STS-63) und brachte später den ältesten Astronauten John Glenn im Alter von 76 Jahren zu seinem zweiten Aufenthalt in die Erdumlaufbahn. Mit der Discovery wurde auch der erste gemeinsame amerikanisch-russische Flug im Shuttle-Programm durchgeführt. Die Discovery wurde immer dann eingesetzt, wenn nach einem Unglück die Flugtauglichkeit der Space Shuttles bewiesen werden musste – so mit STS-26, zwei Jahre nach der Explosion der Challenger und – fünfzehn Jahre später - mit STS-107, dem ersten Flug nach dem Verlust der Raumfähre Columbia. Mit der Discovery startete und landete auch der deutsche Astronaut Thomas Reiter 2006 bei seinem Langzeitaufenthalt auf der Internationalen Raumstation. Die Discovery ist mit 230 Millionen Kilometern die am weitesten gereiste Raumfähre der NASA.

Endeavour / 25 Einsätze

Der letzte Start der Enedeavour 2011

Wurde im Mai 1992 als Ersatz für die verunglückte Challenger in Dienst gestellt. Mit der Endeavour flogen der erste Japaner, die erste afroamerikanische Astronautin und das erste Astronautenehepaar ins All. Die Raumfähre bewährte sich beim ersten Wartungsflug zum Hubble-Teleskop, bei dem das fehlsichtige Gerät im Rahmen mehrerer waghalsiger Aussenbordaktionen eine ‚Brille’ bekam. Ein Höhepunkt in der Geschichte der Raumfahrt war die Mission STS-88, bei der die ersten Module der Internationalen Raumstation in der Erdumlaufbahn verkoppelt wurden. Am ersten Shuttle-Flug im neuen Jahrtausend, der Mission STS-99 nahm der deutsche Astronaut Gerhard Thiele teil. Bei dieser Mission wurde die Erde umfassend in 3-D vermessen.

Letzer Halt "Museum"

Die Kombination von Personen- und Lastentransport wie im Space Shuttle ist nicht zukunftsfähig – sie ist teuer und birgt zu viele Risiken für die Besatzung. Trotzdem haben die Shuttles Großartiges geleistet. Jahrhundertprojekte wie das Hubble-Weltraumteleskop oder der Bau der Internationalen Raumstation wären ohne die Raumfähren der NASA nicht möglich gewesen. Die Space Shuttles, die 30 Jahre lang die Vorstellung der Öffentlichkeit vom Flug ins All geprägt haben,  sind nun Museumsstücke – Ikonen einer Ära, in der die Erschließung des erdnahen Weltraums Routine wurde und der Wettlauf der Supermächte im All in eine Epoche der friedlichen Zusammenarbeit überging. Trotz aller Kinderkrankheiten, die sie nie loswurden – für mich sind die Space Shuttles der Spitzenreiter bei den  ‚Weltwundern’ des 20 Jahrhunderts.

 

17.03.2014

ZDFmediathek: ZDFinfo

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