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aspekte  | 17.08.2012  Pussy Riot - Ikone einer erwachenden Protestgeneration

Emanzipation auf Russisch

Ein Moskauer Gericht hat die angeklagten Musikerinnen der Punk-Band Pussy Riot schuldig gesprochen. Die Punkrockerinnen wurden zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt - unter Anrechnung ihrer Untersuchungshaft seit März. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert. Spätestens heute, am Tag des lang erwarteten Urteils gegen die drei kreml- und putinkritischen Aktivistinnen, wird eines deutlich: Die Mädchen mit den Häkelmasken sind kein anarchisches Einzelphänomen, die Band ist mittlerweile die Spitze eines Eisbergs in Moskau. 

Das „Punk-Gebet“ der "Pussy Riot" gegen Ministerpräsident Wladimir Putin und die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche im Februar 2011.

Es drohen mehrere Jahre Haft

Vor der Präsidentschaftswahl hatten mehrere vermummte Mitglieder der Band Pussy Riot den Altarraum der Moskauer Christus-Erlöser-Kirche gestürmt. Sie sangen vor dem Altar ein "Punk-Gebet" gegen Ministerpräsident Wladimir Putin und die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche.

(17.08.2012 Quelle: ap)

Gemäß ihrer Forderung und ihres Mottos "Wir sind alle Pussy Riot" haben sich Hunderte Oppositionelle mit ebensolchen Masken vor dem russischen Gericht eingefunden. Hier wird eine junge Generation sensibler, kämpferischer Russen sichtbar, die es bisher so nicht gegeben hat.

Die politische Öffentlichkeit in Russland erwacht

Für Piotr Wersilow, Ehemann der angeklagten Nadescha Tolokonnikova und Mitglied der Künstlergruppe „Woina“, erwacht in diesen Tagen zum ersten Mal die politische Öffentlichkeit in Russland. Auch Michael Schindhelm, internationaler Kulturberater, beobachtet die Entwicklung einer urbanen Subkultur, deren Anhänger sich von Putin nichts mehr verbieten lassen. Besonders im Internet werden nach seiner Meinung viele Diskussionen geführt, die im realen öffentlichen Raum nicht möglich sind und einen immensen Einfluss auf das soziale Klima haben.

Pussy Riot-Anhänger protestieren vor der russischen Botschaft in London gegen die Inhaftierung der Punkrockerinnen.
Weltweit protestieren Pussy Riot-Anhänger - hier in London (Quelle: dpa)

Am besten auf den Punkt gebracht hat es sicherlich eine der Aktivistinnen selbst. Nadescha Tolokonnikowa schrieb aus der Untersuchungshaft an ihre Unterstützer: "Wir sind glücklich, dass wir unabsichtlich das Epizentrum eines großen politischen Geschehens geworden sind, das so viele verschiedene Gruppen einbezieht … Ganz egal, wie das Urteil lautet: Wir und ihr gewinnen sowieso. Wir und ihr gestalten derzeit eine große und wichtige politische Bewegung, und Putins System kann immer schwieriger damit umgehen."

17.08.2012

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