zurück Startseite

auslandsjournal  |  25.07.2012 

Das Geschäft mit der Verzweiflung

Babyhandel in Bulgarien

Hoffnungslose Armut auf der einen, unerfüllter Kinderwunsch auf der anderen Seite. An der Grenze zwischen Griechenland und Bulgarien blüht ein schmutziges Geschäft: Babyhandel.  

Eine Mutter steht hält ihr Kind auf dem Arm / Quelle: ZDF

Das Geschäft mit der Verzweiflung

(24.07.2012 Quelle: ZDF)

Es ist eine dunkle Ein-Zimmer Behausung. Kabel hängen von der Decke und die Wand besteht aus schmutzigen Ziegeln. Die 22-jährige Donka Trojanowa wiegt eines ihrer fünf Kinder auf dem Schoß. „Alle aus dem Viertel verkaufen“, sagt sie. „Wenn ich gewollt hätte, hätte ich den hier verkaufen können. Dann hätte ich das Haus streichen können.“ Aber sie wollte ihren Sohn nicht verkaufen, auch heute nicht. Dennoch blüht in Burgas, einer bulgarischen Hafenstadt am Schwarzen Meer, der Handel mit Neugeborenen, die über die Grenze nach Griechenland an kinderlose Paare verkauft werden. Jede zweite Mutter soll hier, so schätzen die Hilfsorganisationen, schon ein Kind abgegeben haben.

„Baby-Mafia“ lockt die Ärmsten
Zwei kleine Kinder gucken ängstlich in die Kamera / Quelle: ZDF
Viele Roma leben in bitterer Armut (Quelle: ZDF)
Es sind vor allem die an den Rand der Gesellschaft gedrängten Minderheiten, die sich in ihrer Verzweiflung nicht anders zu helfen wissen, als die eigenen Kinder zu verkaufen. Bittere Armut, Druck von der Familie und fehlende staatliche Unterstützung treiben die Frauen in die Arme der „Baby-Mafia“. „Wir verkaufen, weil wir kein Geld haben“, sagt eine Frau auf der Straße. „Bulgaren müssen ihre Kinder nicht verkaufen. Aber wir Roma haben keine Häuser und kein Geld, nur deshalb verkaufen wir.“

Doch von dem versprochenen Geld bleibt ihnen oft nur ein Bruchteil. Der Großteil des Geldes fließt in die Taschen der Mittelsmänner. Sie sind es, die in den Armenvierteln umherziehen und die Frauen belagern, sobald ihnen eine Schwangerschaft anzusehen ist. Im achten Monat bringen sie die Schwangeren dann nach Griechenland, wo die Frauen die Kinder oft ohne ärztliche Betreuung zur Welt bringen. Sie geben das Neugeborene ab, bekommen das Geld und fahren mit dem Bus zurück in die Heimat – ohne die Menschen, bei denen ihr Kind aufwachsen wird, jemals getroffen zu haben.

Private Adoptionen sind erlaubt
Dass griechische Paare bereit sind, bis zu 30.000 Euro für ein Baby zu zahlen, liegt auch am griechischen Adoptionssystem. Kinderlose haben zwei Möglichkeiten, sich ihren Traum von der Familie zu erfüllen: entweder über eine staatliche Vermittlungsstelle oder aber auf privatem Wege. Allein im Waisenhaus von Athen reihen sich rund 200 adoptionswillige Paare in die Liste derer ein, die sich ein Kind herbe
Ein Baby liegt im Kinderbett und schaut auf ein Mobilé / Quelle: ZDF
In den griechischen Waisenhäusern gibt es nur wenige Babys. (Quelle: ZDF)
isehnen. Sie müssen mit einer Wartezeit von mindestens vier bis fünf Jahren rechnen. „Natürlich kommen dann einige Paare mit Vermittlern in Kontakt und bekommen ihr Kind gegen Geld, das gibt es sicher“, sagt der Leiter des Waisenhauses in Athen, Dimitris Vezirakis. Durch ein griechisches Gesetz seien diese Privatadoptionen sogar grundsätzlich erst mal erlaubt. „Alle Experten sind sich deshalb einig, dass die private Adoption bei uns abgeschafft werden sollte“, fügt er hinzu. Außerdem hätten viele kein schlechtes Gewissen dabei, ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen zu adoptieren und ihm ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen.

Aufgedeckt wird der Kinderhandel nur selten. „Die Leute, die den Babyhandel organisieren, die lernen doch auch dazu.“, meint Eleni Della, die in einem griechischen Krankenhaus arbeitet. „Sie wissen, dass ein öffentliches Krankenhaus wie wir inzwischen die Polizei ruft. Ich bin mir sicher, dass die, die Kinder verkaufen wollen, inzwischen ganz ungestört in Privatkliniken gehen.“ Selbst wenn die Polizei mal einen „Baby-Deal“ aufdecken kann, kommen Paar und Händler mit Geld- und Bewährungsstrafen davon. Und so geht der Kinderhandel weiter. Denn abschrecken werden die verhältnismäßig geringen Strafen die Beteiligten wohl kaum – dafür sind Verzweiflung über einen unerfüllten Kinderwunsch und Lukrativität des Geschäfts zu hoch.

25.07.2012, Quelle: ZDF

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.



 
* Pflichtfelder  
Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen