Das mörderischste Land der Welt
von Josef Wolfsgruber
Alle 74 Minuten wird in Honduras ein Mensch ermordet, statistisch gesehen. Etwa 7000 Morde gab es allein im vergangenen Jahr. Die Polizei hat der Kriminalität im Land mit der höchsten Mordrate der Welt schon lange nichts mehr entgegen zu setzen.Armut, Drogen und Gewalt
Die Zahl der Todesopfer hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Vor allem seit dem Militärputsch 2009 nimmt die Gewalt rapide zu. Das schlechte Beispiel der neuen Regierung hat Schule gemacht. Die Gewalt grassiert längst nicht mehr nur unter rivalisierenden Drogenkartellen und Jugendgangs, sondern trifft Unschuldige, sogar Kinder. Selbst die Polizei ist in dem Geflecht von Drogen und Gewalt verstrickt. Mit der steigenden Korruption sinkt die Aufklärungsrate der Verbrechen.Die wenigen Reichen verschanzen sich hinter hohen Mauern. Die Armen müssen in Vierteln hausen, in die sich die Polizei oft gar nicht mehr hineintraut. Verzweiflung und Armut treiben die Menschen dort in die Arme der Kartelle, Gangs und Dealer. Eine kriminelle Karriere ist oft die einzige Überlebensperspektive.Die Ohnmacht des Staates
Dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten vermag der Staat weder mit Polizei noch Militär. Auch die Justiz ist gleichermaßen überfordert, demotiviert und verängstigt. Wer mordet, kommt in Honduras fast immer davon. Über die Hälfte der Inhaftierten ist nicht rechtskräftig verurteilt, viele sind in Präventivhaft. Dafür wiederum reicht bereits eine verdächtige Tätowierung.Diese Ohnmacht des Staates überträgt sich auch auf seine Einwohner. Die stetig präsente Gewalt schürt ein Klima der Angst. „Es ist besser zu schweigen“, sagt ein Augenzeuge kurz nach einem Mord. „Hier wird keiner etwas sagen. Wir haben zu viel Angst.“ Denn diejenigen, die etwas sagen, begeben sich in Lebensgefahr. Seit dem Militärputsch vor drei Jahren sind nach Schätzungen bereits 30 Journalisten ermordet worden.Was bleibt, sind Unsicherheit und Angst
Die Menschen in Honduras sehen sich vom Staat allein gelassen und die Situation verbessert sind nicht. „So fühlt man sich hier in diesem Land, komplett schutzlos vor all diesen Verbrechen“, erzählt Marlene Alvarado, die Mutter der beiden erschossenen Mädchen. „Und keinen interessiert es, keiner forscht nach.“

