zurück Startseite

planet e  |  03.06.2012 

Räuber der Meere

Wie unsere Ozeane geplündert werden

Die Meere in der Küstennähe Westafrikas sind leer gefischt. Nachdem die Gewässer vor ihren heimischen Küsten nichts mehr her geben, haben die Fischflotten der Industrienationen die Fanggründe vor Afrika entdeckt und fischen dort im großen Stil. Dabei werden sie sogar massiv von der EU unterstützt. Die Menschen Westafrikas kämpfen derweil um ihre Existenz, denn ohne Fische haben sie kein Einkommen. 

Räuber der Meere

Als die heimischen Meere leer gefischt waren, haben sich Fischereiflotten der Industrieländer neue Fanggründe gesucht: Sie plündern die Ozeane Afrikas und treiben so einheimische Fischer in den Ruin.

(03.06.2012)
Kayar, Fischerdorf im Senegal / Quelle: ZDF/Frank Debo

Fischer in Westafrika

Es sind ihre Fanggründe, doch den Profit machen andere. Fischfangflotten der Industriestaaten plündern die Meere vor Westafrika, und die einheimischen Fischer gehen leer aus.

(31.05.2012)

Kurzversion der Dokumentation

ZDF-Reporter Winfried Schnurbus berichtet, wie Europäer und Asiaten den afrikanischen Fischern die Beute stehlen – auf legale und illegale Weise.

(30.05.2012)
Fische hängen im Netz / Quelle: dapd

Übervolles Netz eines Fischtrawlers

Experten schätzen, dass rund 30 Prozent der Fische illegal gefangen werden.

(31.05.2012 Quelle: dapd)

von Winfried Schnurbus

Ein dunkler, mächtiger Schatten schiebt sich aus dem dicken abendlichen Nebel über dem Atlantik. "Helen Mary" prangt in fetten weißen Lettern auf dem Bug, die Flagge am Heck ist schwarz-rot-gold. 300 Meter lang ist das Netz, das der Megatrawler wenig später gemächlich an Bord zieht. Prall gefüllt mit silbrig glänzendem Fisch droht es unter der Last zu bersten. Solche Beutezüge will Iris Menn von Greenpeace verhindern. "Ich bin hier, um die Ozeane zu schützen", sagt sie. "planet e." begleitet die Meeresbiologin in die fischreichen Gründe vor Mauretanien und dem Senegal.

Sendezeit

planet e.: Räuber der Meere

Sonntag, 3.6.2012 um 13.30 Uhr

Iris Menn jagt die maroden aber effektiven Fangflotten aus Asien, Russland und dem Baltikum genauso wie die hochmodernen Fischtrawler aus Europa. Mehr als 200 Tonnen Makrelen ziehen Fischfänger wie die "Helen Mary" an einem Tag aus dem Meer und verarbeiten sie noch an Bord zu verzehrfertigen Filets. Beutezüge, die die Ozeane nicht verkraften können, und auch nicht die Menschen an Afrikas Küsten. Millionen Menschen leben dort vom Fischfang, doch immer häufiger bleiben ihre Netze leer.

Afrikanische Fischer mit leerem Netz / Quelle: zdf
Die Netze der einfachen Fischer bleiben leer. (Quelle: zdf)
Iris Menn und das planet e.-Team begleiten die Einheimischen in ihren Pirogen aufs Meer. Der Ertrag der kleinen Fischer deckt nicht einmal mehr deren Kosten. Und nicht nur die Fischer kämpfen um ihre Existenz. Träger, Fischverkäufer, Bootsbauer - ohne Fischfang fehlt auch ihnen die Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren. Hilfe vom Staat erhalten sie nicht.

Die Europäische Union dagegen unterstützt ihre Fischer. Sie hat einigen westafrikanischen Ländern das Recht abgekauft, in deren Gewässern zu fischen. Mauretanien etwa bekommt jährlich 140 Millionen Euro. Ein gutes Geschäft für die europäischen Fischer: Im Gegenzug holen sie sich dort das zehnfache aus dem Wasser - Fisch für mehr als eine Milliarde Euro.

Maria Damanaki, EU Fischerei-Kommissarin

  • "Ich gebe zu, wir sind nach Afrika gegangen, haben deren Fisch genommen, und jetzt gibt es dort für die Einheimischen keinen Fisch mehr. Nun müssen wir  - wie soll ich sagen - den dort angerichteten Schaden heilen, die Lage verbessern."

  • "Unsere Fangregeln sind nicht die besten, aber die illegalen Fischer haben gar keine Regeln. Das illegale Fischen ist unser Hauptproblem. Dreißig, ja fünfzig Prozent des Fischs, der auf unsere Tische kommt, sind illegal gefangen. Das müssen wir angehen."

  • "Illegales Fischen zeigt, dass die Fischerei kaum zu kontrollieren ist. Manchmal hat man zum Beispiel ein koreanisches Schiff mit einem spanischen Kapitän und einer Mannschaft von den Philippinen. Die fischen im indischen Ozean und bringen den Fang dann auf die Kanaren. Das gibt eine kleine Vorstellung, wie schwierig es ist. Dann wird der Fisch vielleicht noch in Spanien verarbeitet und in Deutschland verkauft."

Die Umweltschützerin stellt Europas Fangflotten auf den Prüfstand. Die Verantwortlichen geben sich machtlos: Alle Versuche, die Plünderung der Weltmeere zu stoppen, sind gescheitert. 75 Prozent der Gewässer weltweit sind bereits überfischt. Dennoch rauben die Fangflotten, unterstützt durch gigantische Subventionen aus Steuergeldern, die Ozeane weit weg von zuhause immer effektiver aus. "planet e." geht der Frage nach, ob die Apokalypse für Afrikas Fischer und die Meere überhaupt noch aufzuhalten ist.

Die Räuber der Meere

Ein Film von Winfried Schnurbus
Kamera: Andreas Buhrow
Schnitt: Barbara Bialas
Redaktion: Andreas Ewels
Leitung: Volker Angres

03.06.2012

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.



 
* Pflichtfelder  
Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen