Ambulanz auf dem Camino

15.08.2007 16:20
Ambulanz bei Moimentos
Ambulanz bei Moimentos
Auch das gibt es auf dem Camino: Bei Moimentos vor Portomarin, kurz hinter dem 100-km-Stein, ist ein Radfahrer zusammengebrochen. Der junge Spanier aus Katalonien hatte den Jakobsweg mit seinen Freunden in Pamplona begonnen. Jetzt, nach neun Tagen, hat der Kreislauf nicht mehr mitgemacht.

Ein Krankenwagen bringt ihn ins Hospital. Über eine Stunde hat es gedauert, bis die Sanitäter da waren - sie waren zunächst zum falschen Ort gefahren. "Buen Camino", sagen die Radfahrer in den roten Capes noch traurig zu mir, bevor sie dem Krankenwagen hinterherradeln. Sie kümmern sich jetzt erst mal um ihren Freund.
Ulrich Hansen am 15.08.2007 .
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Point of No Return

15.08.2007 15:13
Die Blog-Autoren am 100-Kilometer-Stein
Die Blog-Autoren am 100-Kilometer-Stein
Wir sind am 100-Kilometer-Stein. Wer ab hier nicht den Rest der Strecke zu Fuß wandert, bekommt nicht die "Compostela" - die Urkunde, die bezeugt, dass man ein Pilger ist. Die Leute, die hier vorbeikommen, sind zuversichtlich: Klar schaffen wir das, sagen drei Mädchen aus Polen. "This is the magic number", sagt eine Frau aus Chicago und ihr Mann ergänzt: "100 kilometer - the point of no return". So bleiben wir noch eine Weile hier an diesem Punkt, von dem an es kein Zurück mehr gibt, befragen die Pilger nach dieser "magischen Zahl" und schießen als Gegenleistung Gruppenfotos der Vorübergehenden mit dem Kilometerstein. "Wir sind vom Zweiten Deutschen Fernsehen", erklären wir dazu - schließlich soll niemand glauben, wir wollten dafür Geld.
Ulrich Hansen am 15.08.2007 .
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Lost and Found, Teil 2

15.08.2007 11:01
Hauswand bei Sarria
Hauswand bei Sarria
"Grietye from Belgium, Thanks for bein' my camino! I love you" (etwa: Grietje aus Belgien, danke, dass Du auf meinem Weg, meinem Camino warst! Ich liebe Dich), schreibt ein Mexikaner auf eine Hauswand hinter Sarria.
Ulrich Hansen am 15.08.2007 .
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Tiere auf dem Jakobsweg

15.08.2007 03:37
Ein Hund in Ermita de San Jose
Ein Hund in Ermita de San Jose

Julia Essers hat in ihrem Kommentar zu diesem Blog auf die Tiere entlang des Jakobsweges aufmerksam gemacht. Das nehme ich mal zum Anlass, ein paar Tiere zu zeigen, die mir begegnet sind (abgesehen von den Schmetterlingen, die sich irgendwie schwer fotografieren lassen).

Das Titelfoto zeigt einen Hund in Ermita de San Jose, kurz hinter Rabanal. Nein, er ist nicht tot. Er schläft nur.

 

IsisEin weiterer Hund. Isis heißt sie und gehört zu den Aussteigern in der Schutzhütte von Manjarin. Hape Kerkeling hatte die Hippies hier kritisiert für die Art, wie sie ihren Hund behandelt hatten. Diese Hündin scheint ganz gut ernährt - trotzdem frisst sie den Keks, den Jan ihr anbietet. Verdächtig.

 

 

 

 

Esel

Zu dem Esel in La Faba gehört eigentlich noch ein Pferd. Aber das ging nicht mehr drauf, sonst hätte ich dem Esel die Ohren abschneiden müssen (nur bei der Wahl des Bildausschnitts natürlich).

 

 

 

 

 

PferdDieses Pferd steht angebunden vor dem Ortsausgang von Triacastela an der Straße nach Samos.

 

 

 

 

 

StoercheUnd diese Störche standen auf einem Feld bei Lastres (ebenfalls auf dem Weg nach Samos). Ähnlich wie die Schmetterlinge lassen sich auch Störche schwer fotografieren. Nein, sie fliegen nicht auf, aber mir ging es mit meinem professionellen Handy-Fotoapparat so: Ich pirsche mich nach Tierfilmer-Art vorsichtig heran. Sie pirschen sich vorsichtig zurück. Und da capo. Also sind sie auf dem Foto nur als kleine schwarzweiße Flecken auf einer grünen Wiese erkennbar (sie wollten es halt nicht anders).

 

 

 

Die Behandlung von Tieren in Spanien im Allgemeinen und auf dem Jakobsweg im Besonderen wäre sicher ein eigenes Thema für eine Reportagereise. Und ich glaube, wir wären alle nur zu gerne bereit dazu. Allerdings sind wir im Moment mit Pilgern beschäftigt und mit unseren Füßen (zumindest meine schmerzen allmählich). Dabei fällt mir ein: Liebe Tier- und Jakobsfreunde - aus was besteht eigentlich Hirschtalg?


Ulrich Hansen am 15.08.2007 .
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Mehr zum Thema Ausstrahlung

15.08.2007 01:34
Mit Hans auf dem Cebreiro
Mit Hans auf dem Cebreiro

Heute morgen beim Aufstieg auf den Cebreiro habe ich Hans (65) aus Landshut wiedergetroffen und wir sind den ganzen Tag zusammen unterwegs gewesen. Wir haben noch einmal über die Erdstrahlengeschichte gesprochen. Ein Pilger hatte ihm davon erzählt und Hans meinte, er würde gerne mehr darüber erfahren. Natürlich ist er nicht wegen der vermeintlichen Erdstrahlen-Konzentration hergekommen.

Der Jakobsweg war für ihn der "Ausweg" aus dem beruflichen Stress und privaten Schwierigkeiten. Anzug und Krawatte hat er gegen Wanderklamotten getauscht:  "Die Lösung für meine Probleme beginnt bei mir selbst", hatte er festgestellt, sich auf den Weg gewagt und nach mittlerweile rund 600 Kilometern eine Art Wandlung durchgemacht: "Irgendwann hat es mich gepackt, da hab ich aus heiterem Himmel angefangen zu weinen. Das war eine Art befreiendes Weinen. Den ganzen Stress und die ganze Situation mit Familie und Umfeld und Freundeskreis, das fiel auf einmal ab. Man sah Lösungen und Möglichkeiten, wie man in Zukunft anders agieren konnte - und da hab ich dann auf einmal fürchterlich geheult."

Wir erreichen O Cebreiro und hier oben, wo nicht nur die nächste große Straße, sondern irgendwie auch die ganze hektisch-hysterische Zivilisation unendlich weit weg sind, ist die besondere Atmosphäre des Camino fast (be)greifbar. Die physische Anstrengung bringt auch die Seele in Bewegung und macht den Kopf frei, aber da ist noch was. Und was das ist, erklärt uns Marcelo aus Brasilien, als wir den Abstieg beginnen.

MarceloMarcelo (42) aus Rio fällt mir auf, weil er zwei bleistiftdicke Metalldräte am Rucksack trägt. Wie sich herausstellt, haben wir einen Experten gefunden. Zufällig?! Mit den Metallstäben lässt sich die Strahlung auf dem Camino messen, was Marcelo uns auch gleich demonstriert. "Lange vor der Entdeckung des Apostelgrabes, gab es schon eine Wallfahrt auf dem Camino", erklärt er. "Es ist der Weg, der parallel zur Milchstraße und an zentralen Energiepunkten verläuft. Wenn man diesen Weg geht, dann fördert diese besondere Konzentration von Erdstrahlung den inneren Weg, also die Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis."

Marcelo ist Architekt und forscht in Santiago über heilige Geometrie: "Gott ist der große Architekt des Alls, wir Architekten sind nur Diener. Wir bauen Häuser, Städte und wir versuchen immer, die beste aller Möglichkeiten zu finden. Aber Harmonie ist kein Zufall, sondern hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem eben von der Erdstrahlung, die mit dem Erdmagnetfeld zusammen hängt. Die Baumeister von Kathedralen und anderen Kultstätten wussten das. Ich versuche, dieses alte Wissen wieder zu entdecken."

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als staunend weiterzugehen und wir einigen uns darauf, dass der Camino in jedem Fall eine besondere Ausstrahlung hat. Ob sie nun messbar ist oder nicht.

 


Jan Frerichs am 15.08.2007 .
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