Abdul-Ahmad, Kamran und ihr "Hadsch-Friseur"
Nachdem wir diese Pilgerriten hinter uns gebracht haben, sind wir nun halbe Hadschis. Jetzt müssen wir noch unser Tieropfer bringen und die Kaaba in Mekka wieder sieben mal umrunden. Die Pilgerkleidung, den weissen Ihram, dürfen wir aber jetzt ablegen und wieder normale Kleidung anziehen.
Die Steinigung des Teufels war ein beeindruckendes Erlebnis: schon am frühen Morgen strömten die Menschen zu dem Ort, an dem einst dem Propheten Ibrahim (deutsch: Abraham) der Teufel erschienen ist. Die Steinigung ist ein fester Bestandteil der Pilgerriten und wird von vielen Pilgern mit großer Inbrunst ausgeführt.
Das durften Kamran und ich gestern selber am eigenen Leib erleben, als wir vor der größten Säule standen und eine große Gruppe von Muslimen südostasiatischer Herkunft auf uns mit wild entschlossenem Blick zurannte und anfing, den Teufel zu steinigen. Ein Regen von Kieselsteinen prasselte auf uns nieder; einer davon traf mich am Kopf. Es gelang uns gerade noch, uns zu retten.
An dieser Stelle, wo die Säulen für die symbolische Steinigung stehen, kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Massenpaniken mit Todesfällen. Daher hat die saudische Regierung für dieses Jahr die bisher einzige bestehende Brücke zu diesen Säulen auf drei Stockwerke ausgebaut; ein viertes Stockwerk ist im Bau befindlich. Dadurch wurde die Zeremonie entzerrt und gestaltete sich friedlich.
Beim anschliessenden Haareschneiden entschieden wir uns für die mildeste Variante: wir liessen uns die Haare nur ein wenig kürzen; die meisten anderen entschieden sich für die radikale Variante und ließen sich gleich das ganze Haupthaar scheren. Alle waren sehr neugierig, als sie unsere Kamera sahen und wollten wissen, was wir machen. Als sie hörten, dass wir als Muslime über die Hadsch berichten, kam große Begeisterung auf.
Zum Opferfest möchten wir allen Musliminnen und Muslimen die besten Glückwuensche aus Mekka schicken. Kullu am wa antum bi kheir, aid mubarrak und bayram sherif mubarrak olsun!
Text: Abdul-Ahmad Rashid
Hier im Film Abdul und ich beim Steinigen des Teufels in Mina. Während ich drehe werden wir zwei mal festgehalten. Einmal checkt die Polizei unsere Presseausweise, beim zweiten Mal dauert es länger. An so heiligen Orten dreht man ja auch nicht aber...
Kamran Safiarian