Die Kaaba
Die Kaaba

Sie ist eines der berühmtesten Gebäude der Welt: die Kaaba in Mekka. Man kennt sie von Fotos oder von Bildern aus dem Fernsehen, zum Beginn und zum Ende der muslimischen Pilgerfahrt. Der Berliner Islamwissenschaftler Peter Heine erklärt die Bedeutung der Kaaba im Islam: "Die Kaaba ist zunächst einmal nichts anderes als ein Bauwerk. Und zwar ein quaderförmig gebautes, schon sehr altes Bauwerk, das in Mekka steht, in dessen eine Seitenwand ein schwarzer Stein eingemauert ist. Für die Muslime jedoch ist sie das Zentrum der Welt." Bereits in vorislamischer Zeit hatte dieses Gebäude für die Araber eine wichtige Funktion. Denn schon damals galt Mekka im damaligen Arabien als Wallfahrtsort. Es war zudem eine bedeutende Handelsstadt. In der Mitte der drei großen Weltreiche Byzanz, Persien und Ägypten gelegen, stellte es einen wichtigen Umschlagplatz für Waren dar. Und so wurden Handel und Ritus miteinander verknüpft. Im Zentrum der Verehrung stand die Kaaba.

Peter Heine: "Die Kaaba war der Ort, an dem die vorislamischen Mekkaner, und überhaupt die Bewohner der arabischen Halbinsel ihren Hochgott, al-ilah, also ‚den Gott‘ verehrten. Das hatte auch wieder eine ganze Reihe von anderen Konsequenzen. Es bedeutete zum Beispiel, dass während der Feste, der Messen, die zu Ehren dieses Gottes durchgeführt wurden, in Mekka und Umgebung keine Gewalttaten verübt werden durften, so dass bei diesen Gelegenheiten wirklich in aller Ruhe Handel und Wandel betrieben werden konnte. Wenn man so will, ist die Kaaba eine der Gründe dafür, dass Mekka überhaupt zu einem solchen zentralen Ort auf der arabischen Halbinsel und zu einem solchen wichtigen Platz für die Handelswege auf der arabischen Halbinsel geworden ist."

Die polytheistischen Mekkaner benutzten die Kaaba, um darin ihre Götzen aufzubewahren. Als der Prophet Muhammad im Jahre 630 aus seinem Exil in Medina im Triumph in seine Heimatstadt einzog, zerstörte er diese. Der Islam übernahm die Bedeutung der Kaaba als Zentrum des religiösen Kultes, gab ihr aber einen neuen Sinn: "Die Kaaba ist, wenn man so will, der erste Platz auf der Welt, jedenfalls aus der Sicht der Muslime, an dem Gott als der einzige Gott verehrt worden ist. Er ist von Ibrahim, sagen die Muslime, wir sagen Abraham, dort errichtet worden, als Kultstätte für diesen einen Gott. Daraus entwickelt sich dann natürlich die Vorstellung, dass alle Muslime in der Welt in diese Richtung beten, das heißt, sie finden heute überall in der islamischen Welt, zum Beispiel in Hotels oder sonst wo einen entsprechenden Richtungshinweis, so dass ihnen klar wird, in diese Richtung muss man beten. Es gibt heutzutage Gebetsteppiche mit eingebauten Kompassnadeln, die einem die Gebetsrichtung anzeigen. Wenn man nicht in diese Gebetsrichtung betet, dann ist das Gebet nicht gültig. Es ist insofern auch von einem außerordentlich großen rituellen Charakter."

Eine wichtige Bedeutung kommt der Kaaba innerhalb der muslimischen Wallfahrt zu. Die Pilger suchen die Kaaba auf und vollziehen dort den Ritus des "tawaf", des siebenmaligen Umkreisens des Gebäudes. Schließlich gelangen sie dadurch zu dem in der Kaaba eingelassenen schwarzen Stein und küssen ihn: "Der schwarze Stein ist ein Meteorit, der nach der Tradition früher weiß war, und durch den Kontakt mit den Pilgern schwarz geworden ist, denn es herrscht unter den Muslimen die Vorstellung, dass durch diesen Kontakt der Stein die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat und dadurch schwarz geworden ist, und die Menschen selber eben von der Sünde befreit worden sind." Als der schwarze Stein im Jahre 929 von einer schiitischen Gruppe entführt wurde, konnte für viele Jahre keine richtige Wallfahrt durchgeführt werden, bis er 950 zurückgebracht wurde.

Doch nicht nur der schwarze Stein gilt als besonders heilig, sondern auch andere Teile der Kaaba sollen eine besondere Segenskraft haben. So auch der schwarze, mit koranischen Inschriften verzierte Umhang, der die Kaaba bedeckt, "kiswa" genannt. Der Islamwissenschaftler Peter Heine: "In früheren Zeiten war es sozusagen das Recht der Ägypter, jedes Jahr zur Pilgerfahrt einen solchen neuen Umhang nach Mekka zu bringen und ihn dann gegen den alten auszutauschen, und der alte wurde dann in kleine Stücke zerschnitten und dann als glückbringendes Zeichen verteilt."