Gestern morgen um drei Uhr ist es endlich soweit: Zusammen mit einem Teil unserer Hamburger Gruppe erreichen wir über einen Autotunnel, in dem das schiere Chaos herrscht, den heiligen Bezirk von Mekka. Kurz darauf betreten wir die von allen Seiten beleuchtete "Große Moschee", die die Kaaba umgibt. Über Rolltreppen geht es hinauf in das oberste, nicht überdachte Stockwerk, wo sich zunächst ein atemberaubender Blick auf den Nachthimmel eröffnet, in den die vier hell erleuchteten, doppelten Minarette ragen. Langsam schreiten wir über die hellen Marmorkacheln bis hin zum Geländer. Dort tut sich dann der Blick auf das Geschehen unter uns auf, und wir sehen zum ersten Mal mit eigenen Augen das größte Heiligtum der islamischen Welt: die ehrwürdige Kaaba, das Haus Gottes.
Sie ist bedeckt mit dem schwarzen Tuch, der Kiswa, und ruht majestätisch vor uns, während tausende von Menschen sie umwogen und dabei mit lauter Stimme Gott preisen. Die Atmosphäre ist unbeschreiblich, und es gelingt mir gerade noch, die Tränen zu unterdrücken, die mich bei diesem Anblick überkommen wollen. Denn noch nie in meinem Leben habe ich eine solche friedliche und heilige Stimmung erlebt.
Nachdem wir die Kaaba sieben Mal entgegen den Uhrzeigersinn umrundet haben, wie es die Pilgerriten verlangen, ist es auch schon Zeit für das Morgengebet. Das Gebäude hat sich mittlerweile vollständig gefüllt, und so stehen wir zusammen mit hundertausend anderen Gläubigen vor der Kaaba und verrichten das obligatorische Gebet.