Alle reden über Schule und beschwören die Bildungsrepublik Deutschland. Wie gerecht aber geht es zu in unserem Bildungssystem? Wie sehr sind Bildungschancen von Elternhaus und sozialem Umfeld abhängig? Die Reportage zeigt ganz unterschiedliche Szenarien in der Bildungsrepublik Deutschland.
Sehen Sie die Dokumentation am Sonntag, 13. Juni 2010, um 22.15 Uhr in ZDFneo.
"Wir sammeln die armen Kerle ein, die den Hauptschulabschluss nicht geschafft haben", sagt Lehrer Holger R. auf dem Weg zu seiner neuen Klasse. Von 18 Schülern auf seiner Liste sind acht erst gar nicht zum Unterricht erschienen. Den Lehrer wundert das nicht. In seiner Berufsvorbereitungsklasse landen so genannte Schulversager, etwa zehn Prozent sind das deutschlandweit. Lehrer R. meint, "dass sie eher für das Versagen von Schule stehen".
In einem Jahr sollen sie nun den Hauptschulabschluss schaffen, dazu Arbeitstugenden und ein paar Manieren lernen. Die letzte Chance der Jungs. Max aus Stuttgart bleibt das erspart. Zwar weiß auch er, wie es ist, in der Schule zu versagen. Jahrelanger Schulstress an einem staatlichen Gymnasium haben Max und seine Eltern zermürbt. Für Max war klar: "Nach der Ehrenrunde in der 9. Klasse bleibt mir nur noch der Hauptschulabschluss und dann vielleicht eine Lehre."
Aber die Eltern von Max wollten sich damit nicht abfinden. Als letzten Ausweg vor dem Absturz meldeten sie ihren Sohn auf einem privaten Internat in Baden-Württemberg an. Denn dort finden die Schüler, was an Staatsschulen oft fehlt: individuelle Förderung, kleine Klassen, motivierte Lehrer und Ganztagsangebote. So wie Max verlassen immer mehr Kinder das staatliche Schulsystem, wenn die Eltern sich das leisten können.
Heidemarie Z., 60-jährige Frührentnerin aus Berlin, versucht, mit ehrenamtlichem Engagement zu helfen: "Es macht mich traurig, wenn Kinder so wenig Interesse für Bücher haben." Deshalb geht sie seit fast einem Jahr jede Woche in eine Berliner Grundschule, um "ihren Kindern" vorzulesen. "Bücher und Bildung gehören doch zusammen. Und ohne Bildung keine Zukunft", findet sie. Die Mädchen und Jungen zu begeistern, ist nicht leicht für Heidemarie Z. Viele hampeln herum, können sich nicht konzentrieren.
Doch Heidemarie Z. bleibt dran, und nach kurzer Zeit freuen sich die Schüler, wenn sie kommt. "Es ist schön zu sehen, wenn die Kleinen Fortschritte machen. Aber ich weiß auch, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist."