Die Asche der Lieben mit nach Hause nehmen oder in der Natur verstreuen - in Deutschland ist das verboten. Es herrscht sogenannter Friedhofszwang. Um den zu umgehen, nehmen einige Hinterbliebene den Umweg über das Ausland in Kauf. Eine legale alternative Bestattung bieten die Friedwälder.
13 Prozent aller Deutschen wollen laut einer aktuellen Umfrage jenseits konventioneller Friedhöfe ihre letzte Ruhe finden. Der Baum gilt gemeinhin als Symbol für Erneuerung und Unsterblichkeit. Gerade deshalb wird er als naturnahe Stätte für die letzte Ruhe immer beliebter.

In sogenannten Friedwäldern wird die Urne des Verstorbenen an den Wurzeln eines Baums in die Erde gelegt. Ein Namensschild am Stamm erinnert an den Verstorbenen. Grabschmuck ist zwar während der Zeremonie erlaubt, muss danach aber wieder mitgenommen werden, denn wie ein Friedhof soll der Wald nicht aussehen. Darum wird die Grabpflege auch ganz der Natur überlassen. Der Gedenkort wird für ein Jahrhundert gepachtet und im Grundbuch eingetragen.
"Die Wälder sind den Friedhöfen gleichgestellt", erklärt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas. Auch Friedhöfe bieten mittlerweile Baumbestattungen auf ihrem Gelände an. Bundesweit gebe es über 200 Möglichkeiten, eine Baumbestattung durchzuführen, weiß der Experte. Ins Ausland fahren muss man deshalb also nicht, obwohl vor allem die Schweiz eine Art Boom in dieser Hinsicht erlebt. Helbach: "Naturbegräbnisse werden immer beliebter und dem gegenüber ist die Schweiz sehr liberal eingestellt. Das ist ein richtiger Geschäftszweig geworden, denn die Hinterbliebenen besuchen die Gräber dort auch und bleiben dann ein paar Tage."

Bei der sogenannten anonymen Bestattung wird die Urne auf der Friedhofswiese beigesetzt - ohne Denkmal oder Blumenschmuck. Diese Alternative bietet sich vor allem aus Kostengründen an, weil die langjährige Grabpflege hier wegfällt. Außerdem gibt es keinen Grabstein. Hierbei lässt sich sogar im Vergleich zu einer einfachen Bestattung im Urnengrab noch einiges sparen. Generell gehe der Trend hin zur Einäscherung und Urnenbestattung, so Helbach - mit Folgen für das gesamte Preisgefüge: "Das führt dazu, dass Urnengräber auf Friedhöfen stärker nachgefragt werden als die teureren konventionellen Gräber. Die Einbußen an Einnahmen müssen wiederum auf die wenigen Kunden umgelegt werden, was in der Folge die Gebühren verteuert. Das ist ein Teufelskreis", erklärt er.
Die Asche der Lieben im eigenen Garten zu vergraben, ist verboten. Einige Angehörige, die den Friedhofszwang umgehen möchten, lassen die Urnen daher in Holland oder in der Schweiz formal beisetzen, obwohl sie die Asche mit nach Hause nehmen. Strenggenommen handelt es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit. Wer sich erwischen lässt, muss die Urnen herausgeben und beisetzen.
Auch die Zahl der Seebestattungen hat in den letzten Jahren zugenommen. Da in Deutschland Friedhofszwang herrscht, benötigt man dafür aber eine Ausnahmegenehmigung. In einigen Bundesländern muss zudem eine besondere Verbundenheit zum Meer belegt werden.