Matthias Matussek. Quelle: ZDF
Matthias Matussek

Porträt

Matthias Matussek

Der intelligente Provokateur

Von Werner von Bergen/Thomas Schröder

Matthias Matussek, 1954 in Münster/Westfalen geboren, ist einer der auffälligsten Kulturjournalisten in Deutschland. Nach einem Studium der Amerikanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der FU Berlin und ersten journalistischen Tätigkeiten beim Berliner "Abend", dem Szenemagazin "Tip" und dem "Stern" ist er heute Ressortleiter Kultur beim Hamburger Wochenmagazin "Der Spiegel".

 
 
 

Vom Fall der Berliner Mauer bis zum Tag der deutschen Einheit berichtete er als Sonder-Korrespondent des "Spiegel" aus Ost-Berlin. Für seine überaus packenden Reportagen wurde er 1991 mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet.

Wende und Geschlechterkampf

Vor seiner Rückkehr in die "Spiegel"-Zentrale im Herbst 2005, mit der er die Leitung des Kulturressorts übernahm, war er Korrespondent des Nachrichtenmagazins in London und hatte zuvor die Büros der Zeitschrift in New York und Rio de Janeiro geleitet. In den Vereinigten Staaten wie in Brasilien hat Matussek eine Fülle großer Interviews und Geschichten über seine Begegnungen mit ungewöhnlichen, bedeutenden Zeitgenossen geschrieben. In dieser Zeit hielt er auch Gastvorträge an amerikanischen Universitäten und schrieb Kolumnen für US-Zeitungen.

Auch als Buchautor ist der Journalist prominent hervorgetreten. Vor allem hier und in zahlreichen Auftritten im deutschen Fernsehen hat er seine Lust an und sein Talent zu gesellschaftlicher Provokation entfaltet. Während sein Reportagenband "Palasthotel Zimmer 6101. Reporter im rasenden Deutschland" (1992), mit ungewöhnlichen Einblicken das turbulente Leben im Ost-Berlin der Wendezeit schildert, brachte er 1998 mit seiner Polemik "Die vaterlose Gesellschaft. Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf" die deutschen Feministinnen gegen sich auf, eine bis heute unversöhnte Beziehung.

Patriotischer Reisereporter

Aber auch sein 2006 publizierter Band "Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können", in dem er so vehement wie erfolgreich zu einem neuen selbstbewussten Patriotismus aufruft, führte sofort zu einer von allen Seiten polemisch und wütend geführten öffentlichen Auseinandersetzung.

Dass Matussek aber nicht nur die Kunst der intelligenten Provokation beherrscht, sondern auch ein präziser Beobachter und sensibler, einfühlender und sprachmächtiger Schilderer von Menschen und Landschaften ist, hat er in Reisereportagen wie "Im magischen Dickicht des Regenwaldes" (2005) gezeigt.