Die Irin Tara Shine erforscht in Mauretanien die wenigen Wasserreserven der Sahara. Dabei ist sie auf geheimnisvolle Spuren von Krokodilen im Sand gestoßen. Frühe Forscher hielten sie für Fährten von Waranen, die es hier häufig gibt. Doch Tara hat Zweifel und will es genauer wissen.
Sie stattet Einheimischen im südlichen Zipfel der Sahara einen Besuch ab und befragt sie nach den Reptilienspuren. Sie bestätigen, dass sie von Krokodilen stammen, die es zu Hunderten in ihrer Gegend, besonders zahlreich bei Murthako, gibt. Und sie sind sich völlig sicher, dass es keine Warane sind.

Tara nimmt sich vor, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Aber anfangs ist auch sie skeptisch. In einer Gegend, die acht Monate lang ohne Regen auskommt, sucht sie nach einem Tier, dessen Lebensraum das Wasser ist. Doch auch in der Sahara gibt es noch einige "grüne Inseln", die nach der kurzen Regenzeit wieder zum Leben erwachen. Dann bilden sich kleine Flachwasserseen. Zu einer solchen Wasserstelle inmitten der Wüste führen die Nomaden die neugierige Forscherin.
Dort erlebt Tara eine wahre Sensation: Mit ihren eigenen Augen kann sie sich davon überzeugen, dass es die Krokodile, die in Mauretanien seit 70 Jahren als ausgestorben gelten, immer noch gibt. Mit einer maximalen Länge von zweieinhalb Metern sind sie kleiner als ihre Vettern in Ostafrika. Ihre an Fluss- und Seeufern lebenden Verwandten erreichen das Dreifache. Trotzdem geht es den Wüstenkrokodilen in der mauretanischen Wüste prächtig. Ihnen scheint es an nichts zu fehlen.
Doch wie sind sie hierher gekommen? Können sie die Nachkommen der mächtigen Nilkrokodile sein, einst die Herrscher der Flüsse Nordafrikas? Vor Tausenden von Jahren, als die Sahara noch grün und fruchtbar war, lebten im Nil und anderen Flüssen gewaltige Nilkrokodile. Für die Pharaonen der Ägypter waren die Tiere heilig. Einer ihrer Götter, Sobek, trug den Kopf eines Krokodils. Er war der Gott des Wassers und man sprach ihm Kräfte zu, die ihren Ursprung im Anbeginn der Welt haben sollen.
Die Herrschaft der Pharaonen hatte ein Ende und mit ihr auch der gottgleiche Mythos der Krokodile. Sie wurden aus den Flüssen verjagt. Und die immer größer werdende Wüste ließ den heiligen Riesenechsen nur noch wenig Lebensraum in Nordafrika. Auch Sobek, der Gott des Wassers, hatte seine Macht verloren. Es hörte auf zu regnen und es entstand die Sahara, wie wir sie heute kennen. Aufzeichnungen bestätigen, dass die Zahl der Krokodile seitdem in Nordafrika rückläufig ist. Die Urzeitreptilien können ohne Wasser weder jagen noch Junge aufziehen.
Ist die Geschichte der heiligen Krokodile der Pharaonen vielleicht doch noch nicht zu Ende? Sind die Wüstenkrokodile ihre Nachfahren? Für Tara gibt es noch einige Rätsel zu lösen.