Bilder leicht bekleideter Traumfrauen hingen an Wänden und in den Schränken amerikanischer GIs im Zweiten Weltkrieg. So erhielten die mal provokant, mal betont unschuldig posierenden Damen Anfang der 1940er Jahre ihren Namen: Pin up.
Die Bilder stammten aus Kalendern oder "Girly Magazines". Durch ihren von der Truppenführung unterstützten Fronteinsatz wurden sie zu einer patriotischen Angelegenheit. Sie sollten die Soldaten daran erinnern, wofür sie kämpften. Ja, es wurden sogar Kampfflugzeuge mit Pin ups bemalt und nach ihnen benannt.

Filmstar Betty Grabble von hinten im sittsamen Badeanzug soll das erfolgreichste Pin up der GIs gewesen sein. Ein braves "Mädchen von nebenan" im Vergleich zu den frivolen Bildern, die es in den 20er und 30er Jahren schon gab. Aber so besonders sexy haben die Mädchen zur Kriegszeit gar nicht sein sollen, meint Dian Hanson in ihrem Buch über Girly Magazines, in dem sie die Geschichte des Pin ups erzählt. Laszivität wäre eine zu gefährliche Botschaft für die Männer an der Front gewesen. Die kleinen humorigen Stories, in die die Magazine die Bilder einbetteten, erzählten während des Krieges lieber von den vielen Ungeschicklichkeiten, die den Frauen daheim unterliefen. Ein tropfender Wasserhahn, den sie nicht allein reparieren kann, schien dem Patriotismus eher förderlich als der Sex Appeal der Daheimgebliebenen.
Pin Ups formten das Frauenideal ihrer Zeit mindestens so sehr, wie sie es reflektierten. Anhand der Maße der abgebildeten Damen lassen sich Jahrzehnt um Jahrzehnt die weiblichen Idealmaße berechnen. Pin ups zeigen aber nicht nur, wo Männer gern hinschauten, sondern vor allem auch, wo sie (nicht) hinschauen durften. Die ganze Geschichte des Pin ups ist begrenzt durch das Maß, in dem die Frauen sich auszogen. Sie entstanden in Frankreich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Erfindung der Lithografie. Damals trugen Frauen eindeutig zu viel Unterwäsche.
So begann das Spiel um die Sichtbarkeit gewisser Körperpartien, wenn denn überhaupt Korsett und alle Unterröcke vor Männeraugen je abgelegt wurden. Der private Striptease im bürgerlichen Schlafzimmer und im Bordell kam als Cancan auf die Cabaret-Bühnen, die in Zeitschriften und auf Plakaten mit den Frauen "in Unterwäsche" warben und ihre Geschichten erzählten.
Eine Goldgrube für alle, die mehr wissen wollen, sind Spezial-Antiquariate wie das "Ars Amandi" in Berlin-Tempelhof. Pin ups, aber auch erotische Literatur quer durch die Jahrhunderte sowie kleinere und größere Kostbarkeiten warten dort auf Liebhaber.
Von Anfang an waren die Magazine in einem ebenso glamourös wie schlüpfrig präsentierten Theatermilieu zuhause, das später durch Hollywood und andere Filmwelten abgelöst wurde. Besonders in ihrer Hochzeit in den 30er und 50er Jahren kam kein Filmstar an den Magazinen vorbei. Mit einem damals eigentlich schon alten Foto, dem wahrscheinlich berühmtesten Pin up der Welt, Marylin Monroe auf rotem Laken als Centerfold, brachte Hugh Hefner 1955 den Playboy in seiner ersten Ausgabe auf Erfolgskurs.

Das Ende der Pin ups kam mit den nackten Tatsachen, als die Damen Ende der 60er nicht nur jegliche Wäsche abgelegt hatten, sondern mit den gespreizten Beinen auch alle Körperhaare. Männermagazine existierten zwar weiter, entwickelten sich aber nicht mehr und wurden immer mehr von Videos abgelöst.
Hansons Buch hält viele Kuriositäten des "Genres Pin up" bereit.
Die Geschichte des Pin up ist auf der einen Seite die eines Niedergangs vom künstlerisch gestalteten Magazin für den Herrn zur Massenware. Bis in die 50er Jahre gab es Pin up-Künstler, die die Bilder malten. Auf der anderen Seite ist es die Geschichte zunehmender Liberalisierung. Die für uns heute völlig unschuldigen Bildchen wurden immer wieder Opfer der Zensur.
Und nichts zeigt besser als die Bedenken, die die Hüter der bürgerlichen Moral um 1900 hatten - wozu die Bilder offenbar schon immer dienten. Sie befürchteten, die freizügigen Damen provozieren dazu, wertvolle Manneskraft sinnlos zu verschwenden statt sie für die Fortpflanzung zu nutzen.
von Dian Hanson
Taschen Verlag
ISBN: 3822828424
Preis: 19,99 Euro