Zum 150. Todestag Humboldts im Jahre 2009 ist in München eine Ausstellung geplant. Es wird die teuerste Ausstellung, die je im Deutschen Museum gezeigt wurde. Das Budget beträgt über eine Million Euro. Historiker Frank Holl sucht weltweit nach 500 Ausstellungsstücken.
Im Museum selbst wird Holl bei Christian Sichau, dem Experten für Historische Instrumente, fündig. Mehr als zwei Dutzend Instrumente, wie sie Humboldt auf seinen Expeditionen dabei hatte, tragen die beiden Experten zusammen. Vor seiner Abreise in die Tropen konsultierte Humboldt die besten Instrumentenbauer Europas. Seine Vermessungs-Wut ist längst Legende und Romanvorlage.
"Die großen Expeditionen von James Cook oder von Bugainville, die eine komplette Mannschaft und ein eigenes Schiff hatten, hatten nicht so viele und so gute Instrumente dabei. Humboldt hatte die besten und teuersten Instrumente seiner Zeit. Er konnte mit ihnen auch besonders gut umgehen."
Im Berliner Schloss Tegel, an Humboldts Geburtsort, inspiziert Frank Holl die Tagebücher der legendären Amerika-Reise. Er zögert noch, ob er die Originale nach München holen soll. Die neun Bände werden von Versicherungen auf einen Millionenwert taxiert. Es sind jene Originalhefte, in denen Baron von Humboldt seine "Flucht aus Berlin" festgehalten hat: Vom "öden Preußen" in den prallen tropischen Regenwald. Vom Salon in den Dschungel. Humboldt selbst nannte den Ort seiner Jugend "Schloss Langweil".

Im Münchner Völkerkundemuseum sucht Frank Holl nach einem tödlichen Exponat für seine Ausstellung: nach Curare, dem Pfeilgift der Indianer. Humboldt hatte es am Orinoco von einem Medizinmann erworben und wäre dem Gift beinahe selbst zum Opfer gefallen, als einer der Behälter zu Bruch ging. Dem Indianer, notierte Humboldt, habe er im Tausch die Rezeptur für Seife gegeben.
"Humboldt war der erste, der einen wissenschaftlich brauchbaren Bericht über das Curare abgeliefert hat. Ein Beispiel, dass er sich selber für die Wissenschaft einer halbwegs kalkulierbaren Gefahr ausgesetzt hat, war, dass er das Gift getrunken hat. Er sagt, solange man das nur trinkt oder einnimmt, passiert überhaupt nichts. Nur, wenn man irgendwo eine Wunde im Magen hätte oder im Hals, dann würde das Gift in die Blutbahn kommen und dann würde man sterben."

Einem von innen projizierbaren Globus wird Frank Holl einen Ehrenplatz in der Humboldt-Ausstellung geben. Mit Hilfe einer speziellen Software werden globale Wetterdaten auf die Oberfläche gebracht. Für Holl das ideale Objekt, um seine These zu illustrieren, dass Humboldt so etwas wie der Urvater der Ökologie war.
"Am Valencia-See, den Alexander von Humboldt 1800 besucht hat, ist zum ersten Mal eine Idee des Klimas und des Klimawandels bei ihm entstanden. Die Bewohner des Valencia-Sees haben ihn gefragt: Wieso verliert dieser See an Wasseroberfläche? Hat er ein Loch? Und Humboldt sagte: Nein, er hat kein Loch. Aber ihr habt ringsherum die Wälder abgeholzt und habt damit auch das Klima beeinflusst."
Auch im Botanischen Museum in Berlin-Dahlem wird Holl fündig. Hier lagern über drei Millionen konservierte Pflanzenexemplare aus aller Welt. Darunter einige der Original-Herbarbögen, die Humboldt und Bonpland am Orinoco präpariert haben. Die Paranuss etwa wurde erstmals von ihnen beschrieben. Die entsprechenden Bögen schickten sie nach Paris - und an den Berliner Botaniker Carl Willdenow.

"Im Musée National d'Histoire Naturel in Paris befindet sich ein botanisches Tagebuch. In einem Manuskript gibt es eine Feldbeschreibung. Der Text zur Paranuss stammt von Bonpland, das sieht man an der Handschrift und die Anmerkungen und Ergänzungen sind von Humboldt. Er schreibt in einer Mischung aus französisch und latein, während Bonpland durchgehend französisch schreibt."
Am Orinoco hat Humboldt mit Cariben-Fischen, besser bekannt als Piranhas, experimentiert. Im Münchner Tierpark Hellabrunn ist Frank Holl deshalb auf der Suche nach Exponaten. Auch mit Zitteraalen unternahm Humboldt in Südamerika einen Versuch, dem mehrere Pferde zum Opfer fielen, die der Forscher in einen Tümpel treiben ließ. Als die Zitteraale sich an den Pferden verausgabt hatten, zogen Bonpland und Humboldt die Aale ans Ufer - für Selbstversuche. Nach vier Stunden notierte Humboldt beinahe euphorisch: Muskelschwäche, Gelenkschmerz und Übelkeit bis zum nächsten Morgen. Frank Holl möchte für die Ausstellung eventuell auch einen von den Zitteraalen im Deutschen Museum zeigen.

Humboldt und Bonpland sollten in ihrem Dschungellaboratorium nach Veröffentlichung des Reiseberichts die Phantasie europäischer Maler beflügeln. Das vielleicht bekannteste Humboldtgemälde stammt von dem Maler Eduard Ender. Er gab ihm den Titel: "Urwaldlaboratorium am Orinoco". Es gehört heute zur Sammlung der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft.
"An dem Bild ist vieles falsch. Humboldt mochte es deshalb nicht. Den Theodolith im Zentrum des Bildes hatte er nicht in Amerika dabei. Er hat lieber mit dem Sextanten gearbeitet, der ist im Bild zwar authentisch, aber viel zu klein. Chronometer und Kompass hätte er nie in den Urwaldboden geworfen.
Das Lustigste ist das Mikroskop, mit dem angeblich Bonpland gearbeitet haben soll: Es ist ein so genanntes Nürnberger Papp-Mikroskop, was auf Jahrmärkten verkauft wurde, also ein Spielzeug. Falsch ist auch, dass Alexander von Humboldt auf dem Bild kein Halstuch hat. Auf allen Portraits, die es gibt, ist Alexander von Humboldt mit einem weißen Halstuch abgebildet."