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12. Februar 2012
 

Terra X

 
Heinrich Schuder beim Bearbeiten einer Karte. Quelle: ZDF
Arzt, Gelehrter und Kartograph: Heinrich Schuder

Europa im Mittelalter: Von Städten und Kathedralen

Reise nach Venedig

Die Geschichte des Kartographen Heinrich Schuder (1)

Heinrich Schuders Leidenschaft ist die Erkundung und Beschreibung der Welt. Er ist Karthograph, unterwegs in geheimen, mitunter gefährlichen Missionen: Zunächst soll er in Venedig für die Stadt Nürnberg Seekarten kopieren, denn der Rat will zusammen mit den Portugiesen in den Indienhandel einsteigen.

 
 
 
 

"Im Jahre des Herrn 1492 verschlug es mich nach Venedig: Ich sollte Informationen und neuestes Kartenmaterial über Handelswege nach Indien für den Rat meiner Heimatstadt Nürnberg beschaffen. Es waren noch Rechnungen zu begleichen."

 

Neues auf dem Rialto

"Schon oft war ich Bote und Kundschafter mit riskanten Aufträgen gewesen. Aber selten ließ ich mich aus der Ruhe bringen. Ich gebe mich einfach als Reisender. Aber es war auch mein Interesse, die Welt zu erkunden. Daher wollte ich sehen, was es Neues gab, auf dem Rialto."

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Innovationen im Geldverkehr

Venedig war die Drehscheibe des Welthandels, der Rialto die Wall Street des Mittelalters. Am Rialto wurden Millionengeschäfte getätigt. Dabei wechselte nicht immer Bargeld den Besitzer. Wer eine Zahlung zu leisten hatte, ließ vom Banchiere den Geldbetrag von seinem Konto abbuchen und dem Konto des Empfängers gutschreiben. Mit wenigen Federstrichen zirkulierte so das Geld im Kreis, italienisch Giro. Der bargeldlose Zahlungsverkehr war erfunden. In Venedig entstand aus dieser Praxis die erste staatliche Girobank der Welt, die Banco del Giro von 1619.

 

"Doch nicht nur Fortschritt gab es zu berichten. Viele Menschen in Venedig waren dem Tode nie so nah wie in diesen Tagen. Es war am Tag der Santa Marta. Leichenträger waren ein alltägliches Bild in Venedig. Aber irgendetwas ließ mich stutzen. Aus allen Häusern holten sie Tote. Der schwarze Tod ging um. Häuser wurden versiegelt, die Pest war wieder einmal ausgebrochen. Ich hatte in Padua Medizin studiert, aber Pestkranke hatte ich noch nie gesehen. Schlimmes hatte ich gehört. Es war das Grauen."

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Erste Pestepidemie

Die erste Pestepidemie erreichte die Hafenstadt in der Lagune im Jahre 1348. Ein Drittel der Bevölkerung wurde regelrecht dahingerafft; keine Familie, ob arm oder reich, blieb vom "Schwarzen Tod" verschont. Es herrschte ein so großer Gestank, dass der Rat anordnete, dass niemand mehr innerhalb der Stadt beerdigt werden durfte. Die Gesundheitsbehörden ließen "Briefkästen" für anonyme Anzeigen anbringen. Pestkranke mussten gemeldet werden. Wer es unterließ, dem drohte die Todesstrafe. Deshalb wurden seit 1423 alle Pestkranken auf eine Insel gebracht, um die Verbreitung der Seuche einzudämmen. Das Lazaretto vecchio war das erste Pestkrankenhaus Europas.

 

Zeichen des Todes

"Die Pest verbreitete sich in Windeseile. Nur wenige Ärzte hielten sich an den Eid des Hippokrates und waren bereit, zu helfen. Viele waren vor der Pest geflohen. Ich hatte mein Mundtuch in Rosenwasser getränkt. Es soll vor dem verpesteten Atem der Kranken schützen. Die Pestdoktoren reinigen die Beulen der Ärmsten mit Essigtüchern und lassen sie zur Ader. Aber wer die Pest hat, ist dem Tode geweiht. Ein Lufthauch genügt, um sich anzustecken. Bei mir auch? Angst ergriff mich. Es dauert einige Tage, bis die Zeichen des Todes erscheinen."

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Ursachen für die Pest

Man glaubte im Mittelalter zwar, fauliges Wasser und schlechte Winde würden die Pest verursachen. In Venedig verließ man sich aber auch auf eigene Erfahrungen: Es musste einen Zusammenhang mit dem Schiffsverkehr geben. Die Venezianer lagen nicht falsch mit ihrer Vermutung. Die Pest kam tatsächlich mit den Schiffen. Nur eines wusste man damals noch nicht: Mit den Ratten auf den Schiffen kamen auch die Flöhe. Sie übertragen die Pestbazillen auf die Menschen. Erst 1894 gelang der Nachweis des Erregers, mit den Antibiotika schließlich der Sieg über die Seuche. Im Mittelalter wurden, ausgehend von italienischen Hafenstädten, zeitweilig ganze Landstriche Europas von der Pest nahezu entvölkert.

 

"Ich packte meine sieben Sachen und verließ Venedig, denn ich hatte genug von dem Elend. Die Gefahr war zu groß. Mein Auftrag längst erfüllt. Es war Zeit. In Nürnberg wartete man schon auf die Karten. Die ganze Stadt war vom Pesthauch durchzogen. Viele waren rechtzeitig geflohen. Wer jetzt noch die Stadt verließ, dem drohte die Todesstrafe. Aber ich musste es wagen."

 
Venedig. Quelle: ZDF
ZDF
Ein Vermögen für eine Flucht mit der Gondel aus dem verpesteten Venedig
 

Flucht über die Alpen

"Doch am Stadttor blieb ich hängen, es wurde vor meiner Nase verschlossen. Ich saß in der Falle. Es sollte mit dem Teufel zugehen. Ich bot einem Gondoliere viel Geld. Für das Risiko war es ihm zu wenig. Ich gab ihm alles geben, was ich hatte. Bei Sonnenaufgang entkam ich und nahm den Weg über die Alpen. Ich reiste allein, denn wenn man erfuhr, dass ich aus dem verpesteten Venedig kam, war ich meines Lebens nicht sicher. Am Arlbergpass konnte ich endlich aufatmen. Ich dachte an die Worte Petrarcas: 'Und es gehen die Menschen, zu bestaunen die Gipfel der Berge.* Dort ist das Ende aller Dinge und des Weges Ziel.' "

 
 
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