Dürfen Christen das Wort "Allah" für "Gott" verwenden? Über diese Frage ist im muslimischen Malaysia ein Streit zwischen Gerichten und Regierung entbrannt. Nach Brandanschlägen auf Kirchen fühlt sich die christliche Minderheit nun bedroht.

"Ich fürchte mich jetzt, vor allem wegen der Kinder. Aber wenn die ganze Familie betet, dann ist der Glaube doch stärker", sagt Andrew Richards. Er und seine Familie zählen zur christlichen Minderheit in Malaysia. Sie sind verunsichert, seit Anfang des Jahres auf mehrere Kirchen im ganzen Land Brandanschläge verübt worden waren.
Malaysia ist ein prosperierendes Land, in dem etwa 60 Prozent der Bevölkerung Muslime sind. Neben Hindus und Buddhisten gibt es etwa 6 Prozent Christen. Bislang lebten die Religionen hier vornehmlich friedlich zusammen. Ist dieser Frieden jetzt in Gefahr?
Auslöser für Ausschreitungen gegen Christen war ein Gerichtsurteil Ende Dezember, in dem der katholischen Wochenzeitung Herald erlaubt wurde, den Begriff "Allah" als Übersetzung für "Gott" zu verwenden. So wie dies Praxis ist in dem südostasiatischen Land, das in seiner Landessprache keine eigene Übersetzung für "Gott" hat. Seit der Missionierung beten Christen in Malaysia daher in Englisch zu "God" und wenn sie ihre Landessprache Bahasa verwenden zu "Allah".

"Es ist doch derselbe Gott, der Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs", sagt Pater Andrew Lawrence, der Herausgeber des Herald. Im vergangenen Jahr untersagte die Regierung der in vier Sprachen erscheinenden Zeitung die Verwendung des Wortes "Allah" in seiner malaysischen Ausgabe. Die Benutzung des Wortes sei Nicht-Muslimen in Malaysia verboten, so die Begründung. Mehrfach drohten die Behörden, die Drucklizenz zu entziehen. Der Herald zog schließlich gegen das Verbot vor Gericht.


Zur Gerichtsverhandlung brachte Pater Andrew Lawrence eine alte Bibel aus Ägypten mit, in der auch "Gott" mit "Allah" übersetzt wurde. Christen einiger muslimischer Länder wie etwa Indonesien verwenden solche Bibelübersetzungen. Mehr als 15.000 Bibeln, in denen das Wort "Allah" vorkam, beschlagnahmte im vergangenen Jahr der malaysische Zoll. Doch nun kippte das Oberste Gericht in Malaysia mit seinem Urteil das Verbot der Regierung. Angesichts der Wut der islamischen Gruppen setzte es sein Urteil allerdings vorerst aus, bis eine Grundsatzentscheidung eines Berufungsgerichts gefällt ist.
Was steht hinter diesem Konflikt? Der Vielvölkerstaat Malaysia gibt sich modern und aufgeschlossen. Zugleich betreibt die Regierungspartei Umno seit Jahrzehnten eine Politik, die die malaysische Mehrheit bevorzugen soll gegenüber Chinesen, die 25 Prozent der Bevölkerung ausmachen und Indern mit acht Prozent. So sahen konservative Politiker in dem Urteil vor allem einen Angriff gegen die Stellung der muslimischen Malaien.

Dieser ethnische Konflikt bedroht nun die religiöse Aufgeschlossenheit des Landes, meint Ooi Kee Beng vom Institut für Südostasienstudien in Singapur: "Islamisierung wurde zu lange politisch instrumentalisiert, um die Malaysisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Es ging nicht darum, den Islam weiterzubringen, sondern der malaysischen Mehrheit im Land einen Vorsprung zu verschaffen, vor Indern, Chinesen und anderen." Im Zuge dieser Politik ist die Glaubenspraxis zum Kern der Suche nach malaysischer Identität geworden. So konnte sich ein neuer Fundamentalismus eingeschleichen, der gerade bei den Jüngeren gut ankommt: "Der Name Gottes im Islam ist Allah. Wenn wir Christen den Gebrauch des Worts Allah erlauben und uns nur zurücklehnen, dann vernachlässigen wir unsere religiöse Pflicht", sagt etwa Yusri Mohamad, Präsident der muslimischen Jugendbewegung (Muslim Youth Movement).
Trotz solcher fundamentalistischer Anklänge einiger muslimischer Gruppen bleibt Malaysia ein Land, in dessen Verfassung die Religionsfreiheit festgeschrieben ist. Für ausländische Beobachter wie Andreas Fulda, Leiter der Koordinationsgruppe Malaysia von Amnesty International, kommt es nun darauf an, ob die Regierung entschieden gegen die Ausschreitungen vorgeht und die Gläubigen schützt. Doch Andreas Fulda ist zuversichtlich: "Es ist davon auszugehen, dass die Regierung die Religionsfreiheit sicherstellt, da sie gesehen hat, wie schädlich solche Ausschreitungen für das öffentliche Ansehen Malaysias sind."