Soviel Hitler war nie. Die mediale Präsenz des "Mannes mit dem kleinen Bart" ist ungebrochen, das Interesse an seiner Person war selten so groß wie in den letzten Jahren. Das beweisen auch die 200.000 Besucher der Ausstellung "Hitler und die Deutschen - Volksgemeinschaft und Verbrechen" im Deutschen Historischen Museum in Berlin.
Dabei ist der Umgang mit dem "Führer" heikel: Darf man den größten Verbrecher aller Zeiten überhaupt im Mittelpunkt einer Ausstellung präsentieren? Wo liegen die Tabus im Umgang mit der NS-Vergangenheit und wie hat sich die Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Vergangenheit verändert?
Eine Vielzahl von Publikationen und Dokumentationen von Hitlers willigen Helfern über Hitlers Frauen haben unser Hitlerbild erweitert. Und die Parodien von Harald Schmidt, Walter Moers oder Dani Levy zeigen, auch komische und ironische Darstellungen des "größten Führers aller Zeiten" sind heute möglich.
Es bleibt die Frage, warum begegnet uns die Figur Hitler immer noch überall? Worin liegt das Faszinosum Hitler? Haben wir es schon mit der Popikone "Adolf" zu tun? 78 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 befragt Volker Panzer seine Gäste im ZDF-nachtstudio nach dem "Zeitgenossen Hitler".
Der Publizist und ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye beschreibt in seinem Bestseller "Vom Glück nur ein Schatten" - der Vorlage war für den Fernsehfilm "Schicksalsjahre", den das ZDF am 13. und 14. Februar zeigt - die Geschichte seiner Familie während der NS-Zeit. Mit seinem Verein "Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland" bekämpft er die Neo-Nazis von heute. Er sagt: "Es ist wichtig zu zeigen, kein Nazi ist vom Himmel gefallen."
Der Journalist Daniel Erk sammelt auf seinem Hitler-Blog auf der taz-Website die kuriosesten Beispiele für den Umgang mit der Figur Hitler heute. "Hier finden sich gute Argumente gegen rechts - nämlich lustige", so Erk.
Die Historikerin Simone Erpel, Kuratorin der Ausstellung "Hitler und die Deutschen", will mit ihrer Arbeit die vielfachen Wechselbeziehungen zwischen dem Diktator und seinem Volk verdeutlichen. "Erstmals", so Erpel, ¿befasst sich eine Ausstellung mit der Fragestellung, worauf die Faszination Hitlers in der Bevölkerung zurückzuführen ist."
Norbert Frei, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena, hat die Wandlungen des Hitler-Bildes der Deutschen seit 1945 untersucht. Er konstatiert: "Der Nationalsozialismus verabschiedet sich aus dem uns gegenwärtigen Vorrat an persönlicher Geschichtserfahrung." Dies bestärkt den Wandel des Umgangs mit Hitler - und die Pietät nimmt ab.