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23. Februar 2012
 

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immer sonntags
Rückblick: nachtstudio vom 22.01.2012 Nachtprogramm
Statue von Friedrich II. Quelle: dpa
Friedrich II. - ein Ausnahmepolitiker und Schöngeist

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Jeder nach seiner Fasson

Der Alte Fritz und die Folgen

Der König ist wieder überall! Mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen, Ausstellungen und Festakten wird in diesen Tagen des 300. Geburtstages Friedrich des Großen (geboren am 24.01.1712) gedacht.

 
 
 

Als die schillerndste Figur der deutschen Geschichte erregt der Preußenkönig noch immer die Gemüter. Mit vier Gästen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln diesen vielschichtigen Menschen und Ausnahmepolitiker neu interpretiert haben, diskutiert Volker Panzer in seiner Runde.

Eine feste Größe der Erinnerung

Jens Bisky, Publizist und Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, hat seinem aktuellen Buch über Friedrich II. den Titel "Unser König" gegeben. Er stellt fest: "Wenn die Deutschen über ihr Selbstverständnis nachgedacht haben, spielte auch Friedrich II. von Preußen eine Rolle. Kein anderer König ist ihnen als Person so nahe gerückt wie dieser." Die "Geschichtspolitik", die sich mit dem Monarchen verbindet, beschäftigt auch den Historiker Tillmann Bendikowski in seiner gerade erschienenen Friedrich-Biographie: "Der Preußenkönig ist seit seinem Tod 1786 eine feste Größe der deutschen Erinnerung. Kein Geschichtsentwurf verzichtet auf ihn, fast alle Ideologien vereinnahmten ihn für ihre Zwecke." Dabei ist für ihn auch die Frage "War Friedrich schwul?" nicht ganz unbedeutend.

 

Ute Frevert, Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, zeigt, wie eine besondere "Gefühlspolitik" aus Friedrich II. einen Monarchen neuen Typs macht: "Er präsentierte sich den Untertanen als Landesvater, der sich um ihr Wohl und Wehe sorgte. Dafür wollte er geliebt werden", so die Historikerin, aber "diese Liebe gab es nicht umsonst. Der König musste sie sich durch gute Politik erst verdienen." Hier zeige sich "der Keim eines bürgerlichen Selbstbewusstseins, das legitime Herrschaft als freie Zustimmung der Beherrschten band und diese Zustimmung an Bedingungen knüpfte".

 

Freies kosmopolitisches Denken

Sage mir, mit wem du parlierst, und ich sage dir, wer du bist: So könnte man den Ansatz beschreiben, mit dem die Schweizer Philosophieprofessorin Ursula Pia Jauch dem französisch sprechenden "philosophe" Friedrich nachspürt. Sie richtet ihr Augenmerk auf die "Asylanten, Querdenker und Avantgardisten", die an seiner Tafelrunde Platz genommen haben. "Rheinsberg" und "Sanssouci" seien als deutsche Ausnahme "hoffnungsvolle Knotenpunkte eines freien kosmopolitischen Denkens gewesen", sagt die Philosophin und schwärmt weiter: "In Potsdam hat das avantgardistische Europa ein temporäres Heimatrecht gehabt."

 

Das ZDF-nachtstudio, am Sonntag, 22. Januar 2012, wie immer nach der Spätausgabe der "heute"-Nachrichten.

 
 
 

Literaturtipps:

  • Tom Goeller: Der Alte Fritz. Mensch, Monarch, Mythos. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
  • Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit. Sonderausgabe Verlag C.H. Beck, München 2011
  • Jürgen Luh: Der Große. Friedrich II. von Preußen. Siedler Verlag, München 2011
  • Norbert Leithold: Friedrich II. von Preußen. Ein kulturgeschichtliches und bebildertes Panorama von A-Z. Eichborn Verlag, Frankfurt 2011
  • Johannes Unger: Friedrich. Ein deutscher König. Propyläen Verlag, Berlin 2011
  • Uwe Klußmann, Norbert F. Pötzl (Hg.): Die Hohenzollern. Preußische Könige, deutsche Kaiser. Deutsche-Verlagsanstalt, München 2011
  • Wolfgang Rödel: Dass ein Mann, der so vielen Geist hat, so voll Bosheit sein kann. Feature mit Christian Brückner, Sylvester Groth. Der Audio Verlag, Berlin 2011
 
 

Infobox

Sebastian Haffner. Quelle: dpa
dpa

Das letzte Wort:

"Ohne die Spekulation, was hätte geschehen können, wirft das tatsächlich Geschehene keine Schatten."
(Sebastian Haffner)

 
 

Hinweise zur nächsten Sendung:

Das nächste ZDF-nachtstudio kommt am 29. Januar 2012. Zum Thema "Kapitalismus reloaded - neue Regeln für die Weltwirtschaft" diskutiert Volker Panzer mit dem als "Mr. Dax" bekannt gewordenen Börsenmakler Dirk Müller, mit der "Junge Unternehmer"-Bundesvorsitzenden Marie-Christine Ostermann, mit dem Professor für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg Niko Paech sowie mit dem österreichischen Autor Gerald Hörhan.

 
 

Sendungsinformationen

Sonntag, 22.01.2012 00:30 - 01:30 Uhr Nachtprogramm

VPS 23.01.2012 00:30

Länge: 60 min

Gesprächsreihe, Deutschland, 2012

  • 16 zu 9
 

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