Was heute in der Regenbogenpresse auf breites Interesse stößt, bestimmte einst das politische, soziale und kulturelle Geschehen im Land: der Adel. Wer in eine adelige Familie geboren wurde oder sich den Adel durch Besitz oder Verdienst erworben hatte, gehörte zur gesellschaftlichen Elite. Eine Elite, die ihre hervorragenden "edlen" Eigenschaften immer auch mit Führungsanspruch verband.
Privilegien besaß der Adel vielfältige: Ehrenvorrechte in Titel, Waffen, Kleidung, weshalb er über beste Karrieremöglichkeiten verfügte. Seine exponierte Sonderstellung nahm er juristisch durch besonderen Gerichtsstand ein, politisch durch seine Teilnahme an Landtagen und wirtschaftlich durch oftmals weitgehende Steuerfreiheit. Doch allmählich verlor der Adel seine Vormachtstellung. Die Weimarer Verfassung erklärte den Adel nach Ende des Ersten Weltkriegs für abgeschafft. Und setzte damit den bis dahin geltenden Privilegien ein Ende.
Dabei war der Adel nie eine homogene und in sich geschlossene gesellschaftliche Gruppe, sondern immer äußerst vielschichtig und unterschiedlich hinsichtlich Herkunft, Vermögen, politischer Partizipation und Lebensstil. Das einzig verbindende Element stellt nach wie vor das gemeinsame, auch identitätsstiftende Adelsethos dar.
Was bedeutet es, von Adel zu sein? Begreifen sich Adelsfamilien nach wie vor als Elite? Welche Rolle spielen dabei die "ererbten hervorragenden Eigenschaften"? Wie war es zu Zeiten des früheren Adels? Wie ist der Adel entstanden? Welche Rolle spielte die Kirche beim Machterhalt? Welchen Macht- und Bedeutungsverlust durchlief der Adel historisch? Welche Rolle spielen beim Adel heute Familie, Tradition und adelige Ehre? Was beinhaltet eine standesgemäße Lebensweise? Brauchen wir den Adel im 21. Jahrhundert noch?
Gäste: Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, Autor und Kolumnist Tatjana Gräfin Dönhoff, Journalistin und Großnichte von Marion Gräfin Dönhoff Eduard Prinz von Anhalt, Chef des Hauses Anhalt-Askanien Joseph Graf von Westphalen, Schriftsteller