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11. Februar 2012
 

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Rückblick: nachtstudio vom 01.02.2009 Nachtprogramm
Volker Panzer

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Was wäre wenn? - Die Rolle des Zufalls in unserer Geschichte

In diesen Tagen beschäftigen sich Medien und Öffentlichkeit - angeregt durch die ZDF-Dokumentation "Stauffenberg - Die wahre Geschichte" von Guido Knopp und den amerikanischen Spielfilm "Valkyrie" mit Tom Cruise - intensiv mit den Geschehnissen des 20. Juli 1944. Etliche Zufälle unmittelbar vor dem Attentat - aus Zeitnot konnte nur eine Bombe scharf gemacht werden, die Aktentasche mit dem Sprengstoff wurde versehentlich verschoben - verhinderten seinen Erfolg. Was wäre geschehen, wenn der Anschlag wie geplant verlaufen wäre? Viele Städte wären unzerstört, viele Millionen Menschen am Leben geblieben.

2009 können wir auf auffällig viele und besonders schicksalshafte "Jubiläumsdaten" der deutschen Geschichte zurückblicken : Im Jahr 1919 wird der Friede von Versailles geschlossen und die Weimarer Republik begründet, 1929 bricht die Weltwirtschaftskrise aus, 1939 beginnt der 2. Weltkrieg, 1949 werden BRD, DDR und NATO gegründet, 1989 fällt die Berliner Mauer. Und vor 2.000 Jahren, im Jahr 9 nach Chr. werden römische Legionen von Germanen besiegt. Lenkten auch hier Zufälle den Lauf der Geschichte?

Was wäre geschehen, wenn ich damals dieses getan, jenes unterlassen hätte? Jeder von uns hat sich schon einmal mit den verflossenen Möglichkeiten in seinem Leben beschäftigt und sich die Frage gestellt, ob es ihm - bei anderer Entscheidung - heute anders und eventuell besser ginge.

Aber nicht nur den Einzelnen treiben solche Überlegungen um, auch Wissenschaftler finden diese Frage spannend; in grösserem Zusammenhang selbstverständlich: Was wäre geschehen, wenn die Römer die Schlacht im Teutoburger Wald gewonnen hätten? Was wäre geschehen, wenn am 09. November 1989 Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz nicht das sofortige Inkrafttreten der Reisefreiheit für DDR-Bürger verkündet hätte?

Die Geschichtsforschung hält sich üblicherweise an Fakten, beschäftigt sich mit dem tatsächlich Geschehenen. Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb: "Geschichte lässt sich nicht konstruieren; es gilt vielmehr zu ermitteln, wie es denn eigentlich gewesen sei". Die vorherrschende Meinung der Historiker lautet : "Die Geschichte kennt kein Wenn." Ist das Gedankenspiel mit den Möglichkeiten der Geschichte also unzulässig?

Die kontrafaktische Alternativ- oder Eventualgeschichte kehrt zurück in die Gegenwart der Vergangenheit, zu den Entscheidungssituationen der Historie. "Alle geschichtliche Vergangenheit war einmal menschliche Zukunft." sagt Prof. Alexander Demandt, der bedeutendste deutsche Vertreter dieser Forschungsrichtung.

"Um die Geschichte aus der Sicht der Handelnden zu verstehen, müssen wir die einzelnen Fakten auch im ungeborenen Zustand betrachten, als bloßen Plan, als pure Möglichkeit. Kein Anfang ist ein Anfang von Anfang an." Das Erwägen potentieller Alternativen in wesentlichen Augenblicken der Zeitgeschichte führt zu einem tieferen Verstehen geschehener Geschichte.

Alexander Demandt, Althistoriker und Kulturwissenschaftler
Christian von Ditfurth, Schriftsteller und Historiker
Cora Stephan, Publizistin und Krimiautorin
Kerstin Decker, Schriftstellerin und Journalistin
 
 

Sendungsinformationen

Moderation: Volker Panzer

 

Sendungsinformationen

Sonntag, 01.02.2009 00:25 - 01:25 Uhr Nachtprogramm

VPS 02.02.2009 00:25

Länge: 60 min

Gesprächsreihe, Deutschland, 2009

  • 16 zu 9
 

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