Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Oder alles neu macht der Mai. Schon immer wurde der Frühling besungen. Als Wiederbeleber der Natur und Wiedererwecker der Sinne. Besonders die Romantiker, allen voran Josef von Eichendorf feierten den Frühling als die Liebesjahreszeit schlechthin, Sein Taugenichts bricht aus seines Vaters Mühle auf in die Welt und findet am Ende Erfüllung in der wahren Liebe.
Aber nicht nur die Romantiker auch Naturwissenschaftler sind stolz darauf, nachweisen zu können, dass unser Liebeshormonhaushalt sich den steigenden Tagestemperaturen anpasst. Im Frühling wird statistisch signifikant häufiger geheiratet. Sind wir Menschen im 21. Jahrhundert nach der gänzlichen Entzauberung der Welt und der Gefühle in Liebesdingen doch noch so wetterfühlig wie unsere Verwandten aus dem Tierreich.
Die Liebe zwischen Mann und Frau gehört zu den letzten Rätseln der Evolutionsgeschichte. Und Rätsel sind interessant. Vielleicht ist Richard David Prechts Buch: "Liebe. Ein unordentliches Gefühl", gerade deshalb ein Bestseller geworden, weil er zumindest Teillösungen verspricht: Liebe lässt sich nicht auf eine rein biochemische Formel bringen, wie das die evolutionären Psychologen behaupten. Liebe ist der Blick auf sich selbst im Anderen.
Gefühle an sich sind ein weitgehend unerforschtes weites Feld, zumindest in den Geisteswissenschaften. Das meint die Philosophin Sabine Döring. Sie fordert eine neue Theorie der Gefühle und stellt fest, dass trotz Rationalismus und "Coolness" eine Renaissance, der Gefühle zu erwarten ist. Aber stimmt das? Die Schauspieleragentin Heike Melba Fendel behauptet das Gegenteil. In ihrem Buch. "Nur die - Ein Leben in 99 Geschichten" erzählt sie von "gefühlsentsättigten" Zeiten und durch Medienzynismus "konfektionierten" Gefühlen. Die gefühlige Liebe ist für sie nur noch "Zugzwang".
Liebe gehört zum Sex nicht unbedingt notwenig dazu, das sagt der Sexual- und Paartherapeut Ulrich Clement. Und das gilt für beide Geschlechter. Mann und Frau. Da hat sich Grundlegendes verändert. In einer funktionierenden Partnerschaft, sollten nämlich beide Verständnis für den Seitensprung des jeweils anderen aufbringen. Da pflichtet ihm der Evoutionsbiologe und Anthropologe Volker Sommer zu, der so wie so davon ausgeht, das die Liebe ein Relikt aus uralten triebgesteuerten Strategien unserer frühmenschlichen Entwicklung ist. Welch rätselhaftes Spiel also ist die Liebe?
Gäste: Richard David Precht, Publizist Sabine Döring, Philosophin Heike Melba-Fendel, Filmjournalistin Ulrich Clement, Sexual- und Paartherapeut Volker Sommer, Evolutionsbiologe und Anthropologe