nachtstudio
Drama in Darfur - Ein Völkermord ohne Beweise?
Alles was wir von Afrika wissen, wissen wir aus den Massenmedien. Und das ist nichts Gutes: Kindersoldaten im Kongo, Seuchen und Hungersnot in Simbabwe, Bürgerkrieg und Chaos in Kenia. Selbst im relativ stabilen Südafrika steigen die Chancen für Demokratie und Menschenrechte nicht unbedingt in der Vorschau auf die Fußballweltmeisterschaft 2010. Seit 2003 hält aber eine Region Afrikas den ersten Platz in der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Darfur, der nordwestliche Teil des Sudans.
Wir haben in den Zeitungen gelesen, dass es sich um einen Völkermord geradezu historischen Ausmaßes handelte und handelt. Geschätzte 200.000 bis 400.000 Ermordete sind zu beklagen. Wir haben die Bilder im Fernsehen gesehen: Von den überfüllten Flüchtlingslagern, den hungernden Kindern, und wir hörten die Augenzeugenberichte der Vertreibung und Vergewaltigung in den Camps der globalen Hilfsorganisationen. Und dennoch: Der Darfur-Genozid blieb uns seltsam fremd, weil es keine Bilder gab und gibt - bis heute nicht. Keine Massengräber und Schädelstätten wie in Ruanda, keine traumatisierten Kindersoldaten und verstümmelten Opfer wie im Kongo und keine Luftaufnahmen von zerbombten Dörfern, wie wir sie aus dem Vietnamkrieg kennen.
Alles was wir über Darfur wissen, wissen wir von Gewährsleuten. Zum Beispiel dem Chefankläger des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, der den internationalen Haftbefehl gegen den Putschpräsidenten Omar Al-Baschir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchgesetzt hat. Oder von den Sprecherinnen der internationalen Hilfsorganisationen, die - Völkermord hin, Völkermord her - mehr finanzielle Unterstützung für die Hilfesuchenden in den Flüchtlingscamps in Darfur und im angrenzenden Tschad fordern.
Oder: Von einem Kritiker der Völkermordanklage, dem Geoarchäologen Stefan Kröpelin, der seit 25 Jahren die prähistorische Besiedlung der südlichen Sahara erforscht und behauptet, dass der Darfur-Konflikt zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern in dieser Region schon seit Jahrtausenden besteht und erst durch politische Interessenpolitik eskaliert sei. Die Global Players heizen den Konflikt an, weil es ihnen nur um eins geht: Ausbeutung der Rohstoffe.
Darüber diskutieren: Volker Panzer und seine Gäste im ZDF-nachtstudio, wie immer im Anschluss an die Spätausgabe der "heute"-Nachrichten.
Gäste:
Marianne Heuwagen, Direktorin Human Rights Watch Deutschland
Juliane Friedrich, World Vision - Projektleiterin in Darfur
Stefan Kröpelin, Geoarchäologe, arbeitet seit Jahren im Sudan
Thilo Thielke, Journalist, ehemaliger Spiegel-Korrespondent in Afrika
Hans Christoph Buch, Schriftsteller