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Mehr Licht! - Die Elektrifizierung der Welt
1,6 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu Elektrizität. Nur die Nordhalbkugel des Globus, besonders Europa, Japan und Amerikas Küsten, sind nachts von einem glitzernden Lichtband bedeckt. Licht bedeutet Sicherheit und symbolisiert Reichtum. Doch die Elektrifizierung der Welt hat auch Schattenseiten: Durch zu viel Licht ist unser ökologisches Gleichgewicht empfindlich gestört worden. Ist neben dem Planeten auch unsere Gesundheit von zu viel oder falschem Licht bedroht? Mediziner warnen: unruhiger Schlaf, veränderte Hormonhaushalte und sogar ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken, seien Konsequenzen des Lichtsmogs. Kann uns Licht vergiften? Ist die Erhellung der Welt, einst Symbol für Aufklärung und Fortschritt, letztlich ein "kultureller Verlust"?
Die "Diktatur des Immerhellen" bedeute den "Tod der Nacht", textet der Spiegel. Kampf dem Kunstlicht!, schreiben sich Naturschützer und Schlafmediziner gleichermaßen auf die Fahnen. Seit der Einführung der Glühfadenlampe durch Thomas Edison im Jahr 1879 ist die Illuminierung der Welt nicht zu stoppen. Pro Stunde verbrennen etwa tausend Insekten an einem Skybeamer. Unser Himmel wird immer heller: Lichtverschmutzung wächst in Deutschland jährlich um 6%, weltweit um 21%. Die Milchstraße ist aus den heimischen Gärten schon lange nicht mehr zu erkennen. Müssen wir "Himmelsschutzgebiete" einrichten, wie es ökologische Interessenverbände fordern?
Die Glühbirne, technisches Monument und Welt-Kulturgut, wird in Deutschland bis 2012 abgeschafft. Die Alternativen sind unbeliebt: gegen 280 Millionen verkaufte Glühbirnen stehen 20 Millionen verkaufte Energiesparlampen. Dass sich Beleuchtungsgewohnheiten nicht per Gesetz ändern lassen, ist historisch betrachtet nichts Neues, denn auch 1880 hieß es: "Was modern ist, ist noch lange nicht gut". Welche Assoziationen weckte die neue Beleuchtungsart? Und sind die Bedenken von vor 130 Jahren den unsrigen heutigen nicht eigentlich sehr ähnlich?
Über Vor- und Nachteile, Geschichte und Zukunft der Elektrifizierung diskutiert Volker Panzer mit seinen Gästen in der Sendung "Mehr Licht! Die Elektrifizierung der Welt". Zu Gast sind die Kulturanthropologin Beate Binder, Autorin der Monographie "Elektrifizierung als Vision", Ralf Bönt, Physiker und Autor des Romans "Die Entdeckung des Lichts", Klement Tockner, Leiter des interdisziplinären Projektes "Der Verlust der Nacht" und Alexander Wunsch, Humanmediziner und Lichttherapeut, am 6. Dezember 2009 um 0:15 Uhr im ZDF-nachtstudio.
Gäste:
Beate Binder, Kulturanthropologin und Elektrifizierungs-Expertin
Ralf Bönt, Autor und Physiker
Klement Tockner, Biologe und Leiter des Projekts "Verlust der Nacht"
Alexander Wunsch, Humanmediziner und Lichtbiologe