Für Kinder ist Afrika ein Synonym für alles Faszinierende, Fremde, Ersehnte, eine Projektionsfläche für Alb- und Wunschträume fast jeder Art. Auch Christoph Schlingensief war schon als Kind mit Afrika-Spardosen und Patenschaften am missionarischen Engagement der katholischen Kirche beteiligt.
Vierzig Jahre später steht er kurz vor der Verwirklichung seiner eigenen erwachsenen Vision, die er auf vielen Afrikareisen überprüft hat und die nun in Burkina Faso konkrete Gestalt annimmt: Ein Festspielhaus auf dem afrikanischen Kontinent. Ein Projekt, das - so Schlingensief - nicht moralisch und erst recht nicht missionarisch motiviert ist, eher einen künstlerischen Hintergrund hat.
Gemeinsam mit dem aus Burkina Faso stammenden Architekten Francis Kéré plant er nun ein Festspielhaus, das angelegt ist als ein ganzes Operndorf, eine Begegnungs- und Produktionsstätte für afrikanische und europäische Künstler, offen für alle Bevölkerungsgruppen und allein gewidmet dem ästhetischen Bildungstrieb, grenzenlos und frei.
Kein Bayreuth soll es sein, aber ein Geamtkunstwerk, kein reines Opernhaus aber ein Ort der Transzendenz im Alltag, mit Bühne, Probebühnen und einer Schule, die neben dem normalen Unterricht wanglos und spielerisch Musik und Videofilme anbietet. Krankenstation, Hotel, Kirche und Großküche sollen folgen. Einem Kunstprojekt, durchaus im Sinne des erweiterten Kunstbegriffs von Joseph Beuys, der Projekte dieser Art "Soziale Plastik" nannte.
Über Lebensträume, das Projekt "Festspielhaus Afrika", den Sehnsuchtsort Burkina Faso und die Rolle von Kunst im Leben der Afrikaner diskutiert Volker Panzer mit Christoph Schlingensief und internationalen Gästen im ZDF-nachtstudio am Sonntag, den 20. Dezember 2009 um 0.35 Uhr.
Literaturtipps:
"Wir wissen noch nicht, warum wir das hier machen, aber in der Zukunft werden wir das verstehen." (Joseph Beuys)
Das nächste ZDF-nachtstudio kommt am 17. Januar 2010. Zum Thema "Vorwärts in die Welt - Die Erfindung des Fortschritt im 19. Jahrhundert" diskutiert Volker Panzer mit der Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin Ute Frevert, dem Diplomphysiker, Biologen und Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Konstanz Ernst Peter Fischer, dem Sprach- und Literaturwissenschaftler Manfred Geier sowie dem bis 2007 an der Humboldt-Universität tätigen Professor für Neueste Geschichte Heinrich August Winkler.