nachtstudio
Vorwärts in die Welt - Die Erfindung des Fortschritts im 19. Jahrhundert
Alles beginnt mit einer Revolution! Und da die große Französische Revolution schon im Jahr 1789 stattfand, sprechen Historiker von dem "langen" 19. Jahrhundert und verlängern es ins 20. Jahrhundert hinein bis ins Jahr 1914, dem Beginn des ersten Weltkrieges. Seit Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" ist dieses Jahrhundert wieder in Mode gekommen.
Das monumentale Werk des Konstanzer Historikers Jürgen Osterhammel zeigt wie alle Debatten unserer Tage: Globalisierung, Klimawandel, Ressourcenknappheit, soziale Gerechtigkeit, Kriege, schon im 19. Jahrhundert ihren Ursprung haben. Im 19. Jahrhundert wird der Fortschritt erfunden, oder besser: entdeckt. In diesem langen Jahrhundert liegen die Wurzeln von Fluch und Segen der Moderne.
Mit der Revolution in Frankreich kommt eine Umwälzung in Gang, über die der Sozialhistoriker Hans-Ulrich Wehler sagt: "Die gesamte Gesellschaft befand sich unwiderruflich in einem universalhistorisch einmaligen Transformationsprozess."
In der ersten Sendung im Jahr 2010, am Ende der "Nullerjahre", blickt das ZDF-nachtstudio nach vorne, indem es zurückblickt, auf ein Jahrhundert, das uns mehr geprägt hat, als alle anderen zuvor. Hier liegen die Grundsteine für das 20. und das 21. Jahrhundert.
Ein Merkmal dieser Epoche war es, dass die Umwälzungen gigantisch und überall spürbar waren und das Leben der Menschen radikal veränderten. Es ist das Zeitalter der industriellen Revolution, der neuen politischen Ideen, getragen von Liberalismus und Nationalismus bis hin zum Weltentwurf des Kommunismus, von bahnbrechenden Erfindungen und Entdeckungen, eine Geschichte des Aufbruchs ins Ungewisse.
Zwei Persönlichkeiten, die sich kannten und schätzten, stehen quasi stellvertretend für diesen Aufbruch mit ihren Theorien: Charles Darwin und Karl Marx. 1859 erscheint Darwins Werk "Die Entstehung der Arten", worin er die Evolutionstheorie begründet, im selben Jahre wie Karl Marx Schrift zur "Kritik der politischen Ökonomie", in der er seine revolutionären Grundgedanken systematisiert.
Volker Panzer begibt sich mit seinen Gästen auf die Spuren von Humboldt und Darwin, von Revolutionären und Realpolitikern, von bürgerlichen Frauenbildern und mutigen Heldinnen und Helden.
Gäste:
Ute Frevert, Historikerin
Heinrich August Winkler, Historiker
Manfred Geier, Literaturwissenschaftler
Ernst Peter Fischer, Wissenschaftshistoriker