nachtstudio
Grenzen des Wachstums - Was lehrt uns der Sommer der Katastrophen?
Ölpest im Golf von Mexiko, Fluten in Pakistan, Waldbrände in Russland, Schlammlawinen in China und Überflutungen an Neiße und Spree. Mit aller Wucht suchen uns die Naturkatastrophen in diesem Sommer heim und lassen uns fassungslos zurück. Unweigerlich stellt sich die Frage: Ist das Katastrophenwachstum eine Konsequenzen der Globalisierung, eine Folge des Klimawandels und der Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen? Führt der unverantwortlicher Umgang mit der Umwelt, unser Wirtschaftssystem, das nur auf kurzfristigen Profit setzt und nicht auf Nachhaltigkeit, bald zu einem Ende der Welt, so wir sie kennen?
Vier Jahrzehnte nachdem der Club of Rome seine Studie über die Grenzen des Wachstums veröffentlichte, scheinen sich die Prognosen zu bewahrheiten. Der Zweifel an unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem ist spätestens nach der jüngsten Wirtschaftskrise endgültig in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid sind 88 Prozent der Deutschen der Meinung, dass jetzige System berücksichtige weder den "Schutz der Umwelt" noch den "sorgsamen Umgang mit Ressourcen" oder den "sozialen Ausgleich in der Gesellschaft".
Drei ausgewiesene Experten diskutieren im ZDF-nachtstudio über die Chancen einer neuen, besseren Weltordnung. Seit Jahrzehnten mischen sie sich ein in die Debatten, leisten harte Aufbauarbeit für eine gerechtere Gesellschaft und bringen mit neuen Ideen alte Ordnungen ins Wanken. Jean Ziegler, Soziologe, Mitglied des UNO-Menschenrechtsrates und Autor des Buches "Der Hass auf den Westen" klagt an: "Der Westen postuliert die Existenz 'unwandelbarer', 'wissenschaftlicher' Marktgesetze, ähnlich den Naturgesetzen. Wenn sich also die nicht-westlichen Völker entwickeln wollen, haben sie keine andere Möglichkeit, als sich diesen Gesetzen zu unterwerfen. Dieser Anspruch schürt den Hass."
Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, prominenter Querdenker der CDU, ist überzeugt: "Das Wachstum ist zum Fetisch geworden, mit all den irrationalen Konsequenzen, die wir heute als Ausbeutung der Umwelt, Zerstörung des Klimas und Belastung nachfolgender Generationen erleben."
Klaus Töpfer, Bundesminister a. D. und Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit (IASS) hält nichts von den immer wieder beschworenen Wachstumsrezepten: "Wenn wir ein Problem haben, ist die Lösung immer das Wachstum. Das kann nicht funktionieren. Wir können nicht alte Instrumente benutzen für die Bewältigung neuer Probleme."
Gäste:
Kurt Biedenkopf, Ministerpräsident a.D. des Freistaates Sachsen
Jean Ziegler, UN-Menschenrechtsrat und Autor "Der Hass auf den Westen"
Klaus Töpfer, Bundesminister a.D. und Direktor Institut für Klimawandel (IASS)