Zu Beginn des 20. Jahrhunderts eroberte der deutsche Wein die Tafeln der Welt. Von St. Petersburg über Berlin, London, Paris und Wien feierte er seinen glorreichen Siegeszug. Deutscher Riesling genoss höchste Anerkennung an europäischen Königshäusern, auf Weltausstellungen und den Spitzenrestaurants der Welt. - Kein großes Menü ohne erlesene Spät- und Auslesen vom Rhein oder der Mosel.
Doch schon zu dieser Zeit drängten Kunst- und Industrieweine, "verbessert" durch Zuckerwasser oder als Verschnitt auf den Markt. "So nicht!" sagten sich ein paar renommierte Winzer und gründeten am 26. November 1910 den Bundesverband der Naturweinversteigerer, dessen Mitglieder nach Reinheit und Originalität im Weinbau strebten.
Doch auch diese Initiative zur Selbstverpflichtung konnte nicht verhindern, dass vor allem bei den Massenweinen nicht immer "reiner Wein" eingeschenkt wurde. Der Glykolskandal 1985 markierte schließlich den absoluten Tiefpunkt in der deutschen Weinbaugeschichte: Guter deutscher Wein gepanscht mit einer süßen, aber auch sehr giftigen Chemikalie. Ironie der Geschichte: Der schlechte Geschmack der Deutschen und dem Verlangen nach billigem lieblichem Wein führte schließlich zum Super-Gau und ebnete von nun an dem Qualitätswein und vor allem den großen Gewächsen den Weg.
Dass der deutsche Wein heute wieder so angesehen ist wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist dabei untrennbar verbunden mit der Geschichte des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter, so nannten sich die idealistischen Naturweinversteigerer seit 1972. Neben Imagepflege und Qualitätsstreben wurden die Mitglieder unter dem damaligen Präsidenten Michael Prinz zu Salm-Salm auf naturnahen Weinbau, nach strengsten Regeln und in Handarbeit, eingeschworen.
Was macht deutschen Wein so einzigartig? Ist er ein Kulturgut? Was bedeuten die unterschiedlichen Klassifikationen? Wer sagt uns, was guter Wein ist? Und sind Winzerinnen vielleicht die besseren Winzer?
Zum 100-jährigen Jubiläum der Vereinigung Deutscher Prädikatsweingüter diskutiert Volker Panzer mit seinen Gästen im ZDF-nachtstudio am Sonntag, den 12. September 2010, um 00:25 Uhr.
Gäste: Michael Prinz zu Salm-Salm, VDP-Ehrenpräsident Eva Vollmer, Winzerin, Entdeckung des Jahres (Gault Millau) Daniel Deckers, Journalist und Weinhistoriker Stuart Pigott, Weinkritiker und Neu-Winzer