Nach fast 60 Jahren Einigung ist Europa in der Krise: wirtschaftlich, politisch und kulturell. Aber allen Krisen zum Trotz ist die Idee eines Gesamteuropas mit den Staaten aus den ehemaligen Ostblockländern ein weitgehend verbindliches Konzept. Dabei kann das Modell Europas nicht das der Vereinheitlichung sein. Europa heißt vielmehr das Andere und Fremde einbeziehen. Die Pluralität muss ausgehalten und nicht nivelliert werden.
Neben diesen integrativen Aspekten wächst gerade in einigen Beitrittsländern aus dem Osten ein neuer Nationalismus, genährt von antieuropäischem Populismus. Woher kommt er und welche politisch-historische Dimension hat er?
Alle Diskussionen um Beitrittsländer und Verantwortlichkeiten gegenüber anderen Europäern werden immer mit großem Engagement geführt - Europa ist kein erledigter Fall. Es geht um Vieles, aber kulturell auch um die eigene Identität, die Aufarbeitung der Vergangenheit und die Positionierung in der Gegenwart. Es geht um das Ausbalancieren von Souveränität und Abhängigkeit.
Die 90er Jahre sind geprägt von entsetzlichen Kriegen, die sich auch auf europäischem Boden abgespielt haben und die das Verhältnis zu Europa erheblich mitbestimmen. Osteuropa ist auch dadurch anders geworden. Für Schriftsteller und Autoren spielen, die neuen Identitäten der einzelnen Staaten, die zum Teil erst noch gefunden werden müssen, eine entscheidende Rolle.
Brauchen wir einen neuen Europabegriff und welche Rolle spielen die Intellektuellen dabei? Was beschäftigt Schriftsteller heute an der europäischen Frage?
Gäste: Artur Becker, Schriftsteller György Dalos, Schriftsteller und Historiker Martin Pollack, Journalist und Autor Katharina Raabe, Übersetzerin und Lektorin