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09. Februar 2012
 

Der letzte Zeuge

 
freitags, 22.30 Uhr
Der letzte Zeuge: Kinder des Zorns. Quelle: ZDF/Daniela Incoronato
Starkes Team: Dr. Robert Kolmaar, Etzel Hanisch, Dr. Judith Sommer und Joe Hoffer

Der letzte Zeuge

"Die Serie ist ein Glücksfall"

Interview mit Autor Gregor Edelmann

Er ist der Mann, der sich die Geschichten und Fälle rund um "den letzten Zeugen" ausdenkt und umsetzt, der mehrfach ausgezeichnete Autor Gregor Edelmann. Im Interview spricht er über seine Arbeit mit Ulrich Mühe und die Vorbereitungen zu jeder Folge.

 
 
 
 

ZDF: Sie haben 1999 den deutschen Fernsehpreis und 2005 den Bayerischen Fernsehpreis für "Der letzte Zeuge" bekommen. Was bedeuten diese Auszeichnungen für Sie?

Zitat

„(...) dass Ulrich Mühe und ich zusammen den Bayerischen Fernsehpreis bekommen haben, (...) das war sehr schön für mich. Ein Lebenshöhepunkt.“

Gregor Edelmann

Gregor Edelmann: Über beide habe ich mich sehr gefreut! Gut fürs Ego und hebt auch den Marktwert! Andererseits bekommen auch Filme, die ich fürchterlich finde, einen Preis und andere, die ich mag und liebe, gehen leer aus. Von daher relativiert sich das dann auch wieder. Aber dass Ulrich Mühe und ich zusammen den Bayerischen Fernsehpreis bekommen haben, Drehbuchautor und Serienheld, der aus dem Dunkel und der im Licht - das war sehr schön für mich. Ein Lebenshöhepunkt.

 

Gleichzeitig hatte ich aber auch ein schlechtes Gewissen dabei. Denn eigentlich hätte der wunderbare Schauspieler Jörg Gudzuhn neben Ulrich Mühe auf der Bühne stehen müssen. Die zwei machen die Stimmung der Filme aus, die besondere Tonlage, den Rhythmus und spielen sich gegenseitig in Höchstform. Ich hoffe sehr, bald kommt jemand auf die für mich so nahe liegende Idee, den beiden zusammen einen Preis zu geben. Das wär's.

 

ZDF: Inzwischen haben Sie rund 60 Folgen für "Der letzte Zeuge" geschrieben. Wird das nicht langweilig?

Zitat

„Die Serie ist ein absoluter Glücksfall, da macht die Quälerei Spaß, auch wenn ich beim Schreiben mindestens einen Nervenzusammen-bruch pro Drehbuch habe.“

Gregor Edelmann

Edelmann: Nein. Die Serie ist ein absoluter Glücksfall, da macht die Quälerei Spaß, auch wenn ich beim Schreiben mindestens einen Nervenzusammenbruch pro Drehbuch habe. Und es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass man bei so langer Laufzeit das Niveau halten kann, wie es uns, so hoffe ich jedenfalls, gelungen ist. Normalerweise lässt man gern die Zügel sinken, wenn der Erfolg kommt: Man genießt mehr und arbeitet weniger. Und plötzlich ist man auf einem ganz anderen Niveau. Dass das beim "Zeugen" nicht passiert ist, haben wir besonders dem Regisseur Bernhard Stephan zu verdanken, der alle antreibt, fordert und zusammenhält. Und natürlich der ZDF-Redaktion, die uns den Rücken stärkt, wenn der Druck entsteht, Qualität durch Quantität zu ersetzen.

 

ZDF: Woher nehmen Sie das medizinische Wissen für Ihre Fälle?

 

Edelmann: Fachwissen lese ich mir an. Und beraten werde ich von Anfang an und ganz hervorragend von Prof. Rothschild, der inzwischen Leiter des Instituts für Rechtsmedizin in Köln ist. Mit ihm und Dr. Walter Katzung, einem glänzenden Toxikologen und Chemiker, der gleichzeitig mein geduldigster Lehrer ist, arbeite ich an den "Fällen". Die zwei helfen mir auch, den Mörder zu überführen, was oft gar nicht so einfach ist, weil ich ja versuche, meine ganze Intelligenz in die Ausführung der Tat zu legen. Und inzwischen habe ich da auch schon ein bisschen was gelernt.

 

ZDF: Sie schreiben über unglaublich gewiefte Mordmethoden, die nahezu unnachweisbar erscheinen, der perfekte Mord eben. Haben Sie keine Angst vor Nachahmern?

Zitat

„Sicher, alle Morde sind wie beschrieben durchführbar oder haben so stattgefunden ...“

Gregor Edelmann

Edelmann: Sicher, alle Morde sind wie beschrieben durchführbar oder haben so stattgefunden. Andererseits haben wir immer einen wichtigen Schritt verheimlicht oder eine notwendige Substanz nicht genannt oder umbenannt: Damit verhindern wir Nachahmungstäter. Außerdem wird jedes Drehbuch vom Lutz Wieczorek, dem Leiter der 4. Mordkommission in Berlin, gegengelesen. Und der passt verdammt gut auf, dass alles stimmt und gleichzeitig nicht alles bis ins Letzte verraten wird. Übrigens, in der Realität gibt es Fälle, die ebenso raffiniert sind; aber die gehen dann wohl eher in die Dunkelziffer ein.

 

ZDF: Was hebt den "Letzten Zeugen" von anderen Krimiserien ab

Edelmann: Die interessanten Fälle. Die sympathischen Figuren. Und hoffentlich auch die Dialoge, die ja eine artifizielle Ebene haben, also noch Wirklichkeitssprache sind, aber auch schon Kunstleistung: Daher kommt ihr Witz, ihre Schnelligkeit und ihre Dichte. Aber als Autor kann man letztlich nur Vorlagen liefern: Entscheidend für die Filmqualität sind die, die auf dem Set arbeiten - vor, hinter und neben der Kamera. Also hauptsächlich der Regisseur und die großartigen Schauspieler. Das sind die, die so eine Serie zu etwas Besonderem machen.

 

ZDF: Sie haben Theater-Drehbücher geschrieben, und auch Regie geführt. "Der letzte Zeuge" ist Ihre erste Arbeit für ein Fernsehformat.

 

Edelmann: Ich habe in den Jahren auch andere Ideen gehabt. Klar, die fallen einfach an. Aber die habe ich immer fein säuberlich zur Seite gelegt. Für den Tag X. Denn: So ein Team wie beim "Zeugen" ist ein Glücksfall. Und Glücksfälle haben es ja bekanntlich an sich, dass es von ihnen nicht allzu viele gibt im Leben.

 
 
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