Den Bewohnern war in der Vergangenheit nicht bewusst, welche Folgen ihr Handeln für die Umwelt haben würde. Taugt Ihre Geschichte als Parabel für ein Globales Desaster? Für das Schicksal eines isolierten Planeten, von dem niemand entkommen kann - und auf dem Menschen erst umdachten, als es beinahe zu spät war? Vielleicht ist das die heimliche Botschaft Rapa Nuis, der Osterinsel.
400 - 900 nach Christus: Die ersten Siedler sind vermutlich Polynesier. Wenige Menschen, die auf einem oder mehreren großen Segelkanus zufällig die abgelegene Insel erreichen. Der Legende nach führt Hotu Matu eine ausgewählte Schar von Handwerkern, Bauern und Fischern mit ihren jungen Frauen an. Mit an Bord: Nutzpflanzen und Haustiere, doch vielleicht unbeabsichtigt auch Schädlinge wie Ratten. Hotu Matu wird der erste König von Rapa Nui. Die Menschen nennen sich wie ihr Land: Sie sind die "Rapa Nui"
1000: Um die Jahrtausendwende beginnen die Rapa Nui bis zu 10 Meter hohe Standbilder aus Vulkangestein zu errichten. Die "Moai" dienen wahrscheinlich dem Ahnenkult. Sie werden an der Küste, bei den Siedlungen auf "Ahu" genannten Plattformen aufgestellt. Ihr Rücken ist dem Meer, ihr Gesicht dem Land zugewandt.

13. Jahrhundert: Ab Mitte des Jahrhunderts beginnt eine massive Abholzung der Palmenwälder, die bis dahin die Insel bedeckten. Anschließend folgt Brandrodung. Dem tief greifenden Einschnitt in das Ökologische System der Insel fallen in den kommenden 400 Jahren mehr als 16 Millionen Palmen zum Opfer. Das Schwinden der Palmenwälder führt zu Umbruch, nicht zum Zusammenbruch, der gesamten Kultur auf der Osterinsel. Die Rapa Nui passen sich dem von ihnen verursachten Wandel an: Beginn der "Steingarten Kultur", Anlage geschützter Gärten zum Schutz vor Bodenerosion.

Um 1470: Verbürgte Expedition des Inka-Prinzen Tupac Yupanqui. Seine Flotte besteht aus Balsaholz- Flößen. Monate lang ist sie von der Küste Chiles aus unterwegs. Möglich, dass sie auch Rapa Nui erreichte. Einige Nutzpflanzenarten sowie Werkzeugfunde könnten auf die Anwesenheit der Inkas zurückgehen. Expeditionsberichte von 40 Zeitzeugen werden durch den spanischen Mönch Pedro Sarmiento de Gamboa aufgezeichet und erregen in Europa Aufsehen.

Um 1600 nach Christus: Die letzten Palmen werden gefällt. Vermutlich kommt zeitgleich Ende der Moai-Kultur. Die Steinbilder werden gestürzt. Beginn kriegerischer Auseinandersetzung zwischen den Clans. Felsbilder stehen für Beginn einer neuen Ära. Auftreten des Vogelmann - Kultes. Möglich auch: Eine zweite Besiedlung der Insel durch Menschen, die andere, neue Erfahrungen, Fertigkeiten und Methoden der Landnutzung mitbringen.
Ab 1600: Das Zeremonial - Dorf Orongo im Süd-Westen der Insel wird Schauplatz des Vogelmann-Kultes: Als die Palmenwälder beinahe vernichtet sind, liefern sich junge Männer verschiedener Clans hier alljährlich im August einen gnadenlosen Wettkampf. Der Sieger wird für ein Jahr neuer Vogelmann und zugleich oberster Priester.
1722: Am Ostersonntag entdeckt der holländische Seefahrer Jacob Roggeveen Rapa Nui und gibt der Insel den Namen Osterinsel.
1770: Am 15. November landen Spanier auf der Insel. Sie nennen die Insel: San Carlos, hinterlassen den vielleicht 3000 Einwohnern von Rapa Nui eine Fahne und segeln weiter.
1774: Der englische Entdecker Captain James Cook erreicht auf seiner zweiten Südseereise die Osterinsel. Er bleibt nur vier Tage. Weitere Forschungsreisende und Entdecker folgen.
1786: Franzosen auf Rapa Nui.
1804: Russen auf Rapa Nui.
1805 und 1811: Amerikanische Walfänger verschleppen Männer, vergewaltigen Frauen auf ihren Schiffen und werfen sie anschließend ins Meer.

1862: Am Weihnachtstag verschleppen Sklavenhändler beinahe ein Drittel der Inselbewohner, mehr als 1000 Männer, Frauen und Kinder. Es kommt zu heftigen Kämpfen. Die Insel verliert beinahe die gesamte Führungsschicht. Damit geht zugleich das traditionelle Wissen verloren. Besonders über die einzigartige, rätselhafte "Rongo Rongo" Schrift, die bis heute nicht vollständig entziffert werden konnte. Die Menschenjäger verkaufen ihren Fang an Guano Fabriken auf den chilenischen Chincha-Inseln. Jahre später kehren - nach internationalen Protesten - 15 der Verschleppten zurück. Mit ihnen kommen die Pocken nach Rapa Nui.
1864: Am 3. Januar kommt der erste Missionar, ein französischer Jesuit nach Rapa Nui. Er beendet den Vogelmann-Kult und tauft am 14 August 1868 mehr als 800 Rapa Nui.
1868:
1888: Am 9.September überlässt König Tekena von Rapa Nui dem chilenischen Korvettenkapitän Toro die Nutzung des Landes, symbolisiert durch ein Büschel Gras. Der König gibt nicht das Land selbst, Dafür hätte er - nach Ansicht der Rapa Nui - eine Hand voll Erde nehmen müssen. Chilenen feiern dennoch den 9.September als Tag des Anschluss der Insel an Chile.
1899: Chile verpachtet das Land an Spekulanten. Engländer gründen eine Handelsgesellschaft zur Ausbeutung der Osterinsel. Sie betreiben Schafzucht in großem Ausmaß. Gegen Viehdiebstahl durch die Rapa Nui schützen sich die Engländer, indem sie die Eingeborenen in eingezäunte Dörfer verbannen, die sie nur zur Arbeit verlassen dürfen. Durch Zuwanderung chilenischer Arbeiter steigt die Zahl der Einwohner.
1914: Vergeblicher Aufstand der Rapa Nui. Eine Untersuchung durch die chilenische Marine erkennt zwar die Missstände auf der Insel, doch ändert sich zunächst nichts. Nach Auslaufen der Pachtverträge kehrt die Insel in den Besitz der chilenischen Marine zurück. Ein Mal im Jahr läuft ein Versorgungsschiff die Insel an.
1962: Amerikaner legen einen Flugplatz an.

1964: Die Rapa Nui schreiben an den chilenischen Präsidenten Eduardo Frei einen viel beachteten Brief. Per Gesetz vom 1. März 1966 werden die bis dahin rechtlosen Rapa Nui chilenischen Staatsbürgern gleichgestellt. Das "Ghetto" hört nach 78 Jahren auf zu bestehen.
2009: Die Insel besitzt 4900 Einwohner. Mehr als 10 Prozent von ihnen finden Arbeit in der staatlichen Verwaltung. Der Rest lebt vom Tourismus. Hauptort ist Hanga Roa. Hier leben beinahe alle Einwohner der Insel. Fünf Stunden benötigt ein Flugzeug zur chilenischen Küste, sechs sind es bis nach Tahiti. Mehr als 2000 Kilometer offener Südpazifik trennen die Osterinsel von ihren nächsten Nachbarn: Den 40 Einwohnern der polynesischen Insel Pitcairn.