Vom 4. Jahrhundert an sank der Stern des römischen Weltreichs. Italien wurde zum Spielball germanischer "Warlords". Im Jahr 410 rennt ein westgotisches Heer unter seinem Anführer Alarich gegen die Ewige Stadt an, sie fällt nach kurzer Belagerung. Von der vernichtenden Attacke der Germanen wird sich die antike Metropole nicht mehr erholen. Das Schlüsseldatum für den Niedergang des Imperiums.
Prokopios, einem Historiker aus dem sechsten Jahrhundert, verdankt die Nachwelt die Überlieferung der Tragödie. In seinem Werk "Die Gotenkriege" berichtet er, dass die Eroberer Berge von Gold aus Rom wegschleppten. Darunter das jüdische Tempelinventar. Der Chronist erwähnt auch die nächste Station auf dem berüchtigten Raubzug: Cosenza in Kalabrien.

Die Erinnerung an Alarich lebt in der Stadt am Flüsschen Busento bis heute. Im Alter von etwa 40 Jahren sei der Anführer der Westgoten in der Nähe des Ortes verstorben und mit dem Raubgut aus Rom bestattet worden, heißt es. Der deutsche Dichter August von Platen hat dem toten Krieger ein Denkmal gesetzt:
"Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder.
Aus den Wassern schallt es Antwort, in den Wirbeln klingt es wider.
Und den Fluss hinauf, hinunter zieh'n die Schatten tapf'rer Goten,
die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten."
Inspiriert fühlte sich der Deutsche vom Bericht des Jordanes aus dem 6. Jahrhundert. Die Krieger aus dem Osten leiteten den Busento um und versenkten die Leiche ihres geliebten Königs mitten im Flussbett, schreibt er. Dann lenkten sie die Wassermassen zurück und schufen so ein perfektes Versteck für ihren Herrscher samt der Beute. Seit dem 18. Jahrhundert haben Archäologen und Glücksritter immer wieder das Flussbett am Fuß der Altstadt durchsucht. Aber hätten die Goten das Grab direkt unter den Augen der Bewohner angelegt?
Um es dauerhaft vor Räubern zu schützen, müssen die Westgoten einen einsamen Platz gewählt haben. Davon sind zwei Schatzsucher aus Cosenza überzeugt. Sie glauben fest daran, die genaue Stelle des Alarichgrabes zu kennen.
Natale und Francesco Bosco durchstreifen seit Jahren die Schluchten am Oberlauf des Busento. In einem Berghang über dem Wasserlauf haben sie den Eingang zu einer Höhle entdeckt. Der alte Flurname des Areals lautet "Rigardi" - ein gotisches Wort. Es bedeutet: "Behandle diesen Ort mit Respekt". Ein verschlüsselter Hinweis, dass der Regent in der Grotte bestattetet liegt?
Die Höhlenwände weisen zumindest Spuren menschlicher Bearbeitung auf. Ebenso deutlich ist ein primitiver Altar erkennbar - eine Hinterlassenschaft der Westgoten? Natale Bosco ist noch auf andere Indizien für das verschollene Grab gestoßen.
"Die Westgoten haben meiner Meinung nach im Inneren der Höhle einen Schacht in die Tiefe getrieben, dort Alarich samt seiner Schätze bestattet und anschließend mit einer enormen Menge Geröll aus dem Busento bedeckt. Also nicht unter dem Fluss, wie der antike Chronist schreibt, sondern unter dem Geröll des Flusses ist Alarich bestattet worden. Der Höhlenboden besteht aus Kiesel und nicht aus erodiertem Stein, der ganz fein wäre. Die Kiesel wurden, wie ich glaube, von den Goten hier herauf geschafft."
Der Hobbyarchäologe will endlich bei den Behörden eine Grabungsgenehmigung durchsetzen. Hofft er, ähnliche Kostbarkeiten aus dem legendären Hort der Westgoten zu finden? Im heutigen Rumänien kamen einzigartige Objekte ans Tageslicht. Prachtvolles Geschmeide, mit dem die Germanen auch ihre Verstorbenen für die letzte Reise schmückten.