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20. März 2010
 

History

 
Rückblick: History vom 18.10.2009
Ende der Freiheit: Andreas Mäder (Peter Fabers, M.) wird von DDR-Grenzsoldaten abgeführt (Spielszene). Quelle: Ulrich Stoll
Ende der Freiheit: Andreas Mäder wird von DDR-Grenzsoldaten abgeführt (Spielszene).

Dokumenation

Einmal Freiheit und zurück

Die Geschichte der DDR-Rückkehrer

von Bettina Renner und Ulrich Stoll

Über drei Millionen DDR-Bürger flohen während der deutschen Teilung in den Westen. Doch rund 500.000 von ihnen kehrten hinter Mauer und Stacheldraht zurück - aus Heimweh oder weil der SED-Staat sie und ihre Familien erpresste.

 
 
 
 

einmeinAm 15. August 1988 umstellen DDR-Grenzsoldaten mit gezogenen Waffen das Auto von Alwin Ziel Der Jurist kehrt an diesem Tag nach vier Monaten Aufenthalt in der Bundesrepublik zurück in die DDR, aber nicht freiwillig. Nach seiner Flucht in den Westen sind alle Versuche gescheitert, Frau und Kinder nachzuholen. Seine Frau wird zum Verhör in ein Frauengefängnis gebracht. Ihr wird angedroht, dass ihre Kinder in ein Heim kämen. Sie bricht zusammen.

 
DDR-Rückkehrer Alwin Ziel am Grenzübergang Zarrentin (Spielszene).
DDR-Rückkehrer Alwin Ziel (Christian Ebert) am Grenzübergang Zarrentin (Spielszene).
 

Alwin Ziel erfährt von den Drohungen und entscheidet sich, seine Familie zu schützen. Er kehrt zurück in die DDR. Doch er darf nicht zur Familie fahren. Wie alle Rückkehrer muss er einen wochenlangen Zwangsaufenthalt im "Zentralen Aufnahmeheim" Röntgental durchstehen. Im Mittelpunkt der Dokumentation "Einmal Freiheit und zurück" stehen die Lebensumstände der Rückkehrer im Aufnahmeheim, einem Ort, dessen Existenz die DDR-Führung verschweigt. Zeitzeugen berichten, wie sie durch wochenlange Vernehmungen zermürbt wurden.

 

"Quarantänegebäude"

Alwin Ziel muss die erste Nacht in Isolationshaft im so genannten "Quarantänegebäude" verbringen. Es folgen tagelange Verhöre. "Die ganze Mühle, die da existierte, die war so aufgebaut, dass sie klein gemacht werden sollten", berichtet Alwin Ziel. "Sie sollten ihr Selbstbewusstsein verlieren, sie sollten auch vorbereitet werden auf das Leben in der DDR."

 
ZAH, Hochhaus. Quelle: ZDF
ZDF
Von diesem Gebäude stürzte sich 1988 ein DDR-Rückkehrer in den Tod.
 

Die Staatssicherheit verbreitet unter den Rückkehrern Angst und Misstrauen. Im Heim platziert sie Spitzel, die sich als Rückkehrer oder Übersiedler ausgeben und Berichte verfassen. Die Lagerinsassen werden gefügig gemacht. Sie sollen sich bereit erklären, ausreisewillige DDR-Bürger von den Vorzügen des Lebens in der DDR zu überzeugen. Sogar in Propagandafilmen müssen sie auftreten und den Westen in den schwärzesten Farben malen.

 

Selbstmord aus Verzweiflung

Die Rückkehrer werden systematisch gebrochen. Alwin Ziel wird Zeuge, wie ein Mann sich in Röntgental aus dem Fenster stürzt, als ihm klar wird, dass die DDR-Behörden nicht daran denken, seinen Sohn weiter studieren zu lassen. Mit diesem Versprechen hatte ihn die Staatssicherheit in die DDR zurückgelockt. "Ich bin der Meinung, diesen Mann hat dieses System dort in Röntgental auf dem Gewissen", sagt Alwin Ziel heute.

 
Alwin Ziel.
Alwin Ziel verlässt Ende der 80er Jahre die DDR.
 

Edith Hortig wird 1986 drei Monate in Röntgental festgehalten und versucht schließlich, sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern aufzuschneiden. Sie wird rechtzeitig gefunden. Erst nachdem sie den Behörden schriftlich bestätigt hat, dass ihr Selbstmordversuch ausschließlich "persönliche Gründe" gehabt habe, darf sie das Heim verlassen.

Auch nach der Entlassung aus dem Heim wurden die Rückkehrer weiter von der Staatssicherheit überwacht. Und die DDR-Bürger begegneten denen, die hinter den Eisernen Vorhang zurückkehren, oft mit Unverständnis und Misstrauen. "Rückkehrer wie ich", sagt Alwin Ziel, "sind eigentlich nie mehr in der DDR angekommen. Wir sind Fremde geblieben."

 
 

Sendungsinformationen

Sonntag, 18.10.2009 23:45 - 00:30 Uhr

VPS 18.10.2009 23:30

Länge: 45 min

Dokumentationsreihe, Deutschland, 2009

  • 16 zu 9
 

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Spielszene aus

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Die komplette Doku in der zdf.mediathek