Es ist die Vorzeige-Karriere eines Ost-Deutschen. Rolf Elgeti schaffte es vom Sohn eines LPG-Vorsitzenden zum Vorstandsvorsitzenden eines MDAX-notierten Unternehmens. Der Aufstieg scheint makellos: Musterschüler, Elite-Student, Star-Analyst. Das alles wegen - oder trotz - seiner Ost-Vergangenheit.
Als Rolf Elgeti 1976 in Rostock geboren wurde, waren die Umstände nicht besonders günstig. Seine Mutter war zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre alt, der Vater war ebenfalls 19 Jahre alt und Landwirt. Seine Mutter entschied sich für das Kind, musste die Schule abbrechen, obwohl sie nur Bestnoten hatte. Abitur konnte sie nie machen.
Aufgewachsen ist Rolf Elgeti in Brodersdorf, einem Dorf in der Nähe von Rostock. Er wurde viel von seiner Oma betreut, einer Chemielehrerin. "Unser Schulsystem war gut, wir hatten Disziplin", sagt sie, "so undisziplinierte Schüler wie man es heute manchmal hört, das hatten wir nie." Ihrer Meinung nach wurde in der DDR-Schule der Grundstein für Rolfs steile Karriere gelegt.
Tatsächlich erkennen die Lehrer in der Schule, dass Rolf hochbegabt ist. Er kommt auf eine Spezialschule für Naturwissenschaften. In der Oberstufe belegt er freiwillig fünf Leistungskurse und sein Abitur besteht er mit 1,0 - Jahrgangsbester. Nach dem Abitur absolviert er seinen Militärdienst bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr. Die Mauer ist mittlerweile gefallen.
Für Rolf Elgeti ist schnell klar, dass er Karriere machen will - er begründet das mit seiner Herkunft. "Ich glaube, das ist einfach die Tatsache, dass wir zwar altersmäßig die Generation Golf sind, aber keinen Golf hatten", erklärt er, "wir hatten nichts, unsere Eltern auch nicht, und das ist so: Wenn man von Null anfängt, dann hat man ein Feuer, etwas aus seinem Leben zu machen."
In Mannheim schreibt sich Rolf Elgeti für ein Wirtschafts-Studium an der Universität ein - nach fünf Semestern erhält er sein Diplom. Nach zwei weiteren Semestern an der Elite-Uni ESSEC in Paris erwirbt er dort seinen MBA. Heute spricht er außer Deutsch und Englisch noch Russisch, Französisch und Dänisch.
Nach dem Studium geht er als Aktienstratege nach London, arbeitet zunächst für die Schweizer UBS, dann für die Commerzbank und ABN Amro, dort als Chefstratege für den europäischen Markt. Zu diesem Zeitpunkt ist er 27 Jahre alt und einer der erfolgreichsten Analysten Europas.
2007 - rechtzeitig vor Beginn der Finanzkrise - verabschiedet er sich aus dem Bankgeschäft und gründet seine Firma Elgeti Ashdown Advisers. Er will bei Engländern Geld einsammeln, um es in deutsche Immobilien zu investieren. Nach nur zwei Jahren wird er Vorstandsvorsitzender der TAG Immobilien AG, die bundesweit in Häuser und Grundstücke investiert.
Bis heute scheint alles reibungslos zu verlaufen im Leben des Rolf Elgeti. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, das dritte ist unterwegs. Der Manager wohnt in Potsdam, arbeitet in Hamburg und Berlin, oft 16 Stunden am Tag. Rolf Elgeti hat im Kapitalismus seine Erfüllung gefunden. Die Verbindung zur ostdeutschen Heimat hält er im Urlaub aufrecht, in einem alten Kapitänshaus an der Ostsee. Auch diese Immobilie hat er günstig gekauft - bei einer Zwangsversteigerung.