
Konservative und Rechte jubeln: die Buchautorin und ehemalige Fernsehmoderatorin Eva Herman fordert eine Aufwertung der Mutterrolle und bemüht dazu einen Vergleich mit dem Dritten Reich. Bei Kerner hat sie ihre Aussagen verteidigt und damit für eine erregte Diskussion gesorgt, was schließlich zu ihrem vorzeitigen Abgang aus der Sendung führte.
Alles fing mit einer Pressekonferenz am 6. September 2007 an, auf der Eva Herman ihr neues Buch "Das Prinzip Arche Noah" vorstellte. Kurz darauf berichteten Medien, sie habe die Familienpolitik der Nazis gelobt, weil es dort noch eine Wertschätzung der Mutter gegeben habe, die die 68er dann abgeschafft hätten. Das Originalzitat aus der Pressekonferenz liegt inzwischen vor: grammatisch teils unvollständige Sätze, die Fragen offen lassen.

Und so lautet Hermans Aussage laut dem vorliegenden Tondokument: "Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch eine Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauffolgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde.
Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft." (Zitat Ende)
Eva Herman fühlt sich missverstanden: Gesagtes sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, Berichte in der Presse stimmten nicht. Sie habe sich nicht missverständlich über die Familienpolitik des Dritten Reiches geäußert, so Herman bei Johannes B. Kerner: "Ich habe in diesem Fall keinen Fehler gemacht, und es tut mir leid für die Presse, und es tut mir leid für die Menschen, die falsch informiert wurden."
Für den Historiker Prof. Wolfgang Wippermann ist die Sache klar: Herman verwechselt Faschismus und Konservatismus. "Sie möchte das konservative Frauen- und Mütterideal verteidigen, das ist ihr gutes Recht, nämlich die drei Ks - Kirche, Küche, Kinder. Aber das war im Dritten Reich Rassenzucht, Rassenvernichtung im Rassenstaat." Diesen Unterschied habe Herman verwischt und das sei problematisch, so der Historiker.
Frauen, die besonders viele Kinder hatten, wurden im Dritten Reich mit Mutterkreuzen ausgezeichnet, "wie Kühe geradezu" (Wippermann). Wer wechselnde Partner hatte oder die Wohnung nicht ordentlich genug hielt, dem drohten Abtreibung oder Zwangssterilisierung. Darüber hinaus wurden Frauen anfangs aus dem Berufsleben gedrängt, führt der Historiker aus. Eva Herman dazu: "Das sind keine Neuigkeiten, die sie hier gerade von sich gegeben haben." In ihrem Buch "Das Eva-Prinzip" habe sie über genau diese verheerenden Zustände zu dieser Zeit berichtet und wolle Frauen keinesfalls an den Herd fesseln, sagt die Autorin.
Die Schauspielerin Senta Berger stößt sich an Hermans Aussagen über die 68er. Herman war damals zehn Jahre alt, Berger hat dagegen als 27-Jährige die Zeit aktiv miterlebt. Sie sagt: "Gerade 68 ist zum ersten Mal ein Tor aufgestoßen worden in die Richtung, dass Frauen die gleichen Möglichkeiten haben sollen wie die Männer. Und daraus ist eigentlich eine Emanzipation des Mannes und der Frau entstanden." Außerdem seien gerade zu dieser Zeit besonders viele Kinder geboren worden, so die Schauspielerin.
Die ehemalige TV-Moderatorin Margarethe Schreinemakers rät Herman, das Zitat "zu versenken". Sie solle zugeben, dass ihr beim großen Thema Familienpolitik im Kopf etwas durcheinander geraten sei. "Dieser Satz ist es nicht wert, weil wir jede Sekunde, wo wir länger drüber debattieren, der rechten Szene auch weiterhin einen Gefallen tun." Eva Herman fühlt sich dagegen seit einem Jahr, seit Erscheinen des "Eva-Prinzips", persönlich angegriffen und glaubt, deshalb auch aktuell von den Vorwürfen gegen sie nicht freigesprochen zu werden.
Die Reaktionen der Menschen seien völlig anders als die der Medien und auch in dieser Sendung, erklärte Eva Herman. Die Presse sei "gleichgeschaltet", hatte Herman dazu vor einigen Tagen gesagt und damit erneut einen Nazi-Vergleich bemüht. Als sie bei Kerner dann äußert "Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf." und wenig später nachlegt "Ich muss einfach lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht sprechen kann, ohne in Gefahr zu geraten", kippt die ohnehin kritische Stimmung unter den Gästen, so dass sich Johannes B. Kerner nach einigen Minuten entschließt, Herman vorzeitig zu verabschieden.
Moderator Kerner begründete seine Reaktion nach der Aufzeichnung: "Ich hatte die Hoffnung, dass Frau Herman ihre problematischen Äußerungen im Gespräch relativieren würde. Als klar war, dass wir dabei nicht weiterkommen, habe ich das Gespräch mit ihr beendet und mit meinen anderen Gästen fortgesetzt."
Rückendeckung bekam der Moderator auch vom ZDF-Programmdirektor: "Johannes B. Kerner hat sich vollkommen richtig verhalten", sagte Thomas Bellut am Abend.
In der Sendung hatte Senta Berger mit ihrem Abgang gedroht, und Komiker Mario Barth hatte Herman vorgehalten, sie habe bisher nicht gesagt, dass ihre Äußerung "wirklich Kacke" gewesen sei. Margarethe Schreinemakers kritisierte, dass Eva Herman sich der Diskussion mit dem Historiker Wippermann verschlossen habe. Herman klagt inzwischen gegen ihren früheren Arbeitgeber, den NDR, wegen ihrer Kündigung, die sie für "unzulässig" hält.