Gelassenheit ist die innere Einstellung oder Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Sie ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit und Stress. Der Weg zu mehr Gelassenheit führt über ein planendes Verhalten und ein aktives Stressmanagement. Beides lässt sich in jedem Alter erlernen.
Gelassener wäre fast jeder gerne, um sein Leben besser meistern zu können. Denn die Komplexität des täglichen Lebens hat auf dramatische Weise zugenommen. Wir versuchen der steigenden Komplexität oftmals mit modernen Technologien zu begegnen. Wir erhöhen noch den Schwierigkeitsgrad des alltäglichen Lebens, indem wir immer mehr und kompliziertere Technik bedienen. Die Folge: Im Alltag des modernen, auf Leistung getrimmten Menschen ist Zeit für Entspannung immer weniger vorgesehen. Doch wer sich permanent überfordert, ist sicherer Kandidat für Unzufriedenheit und Erkrankungen.

Mit Gelassenheit beschäftigt sich die Fachgruppe für Entspannungsverfahren beim Berufsverband Deutscher Psychologen und Psychologinnen schon seit über 20 Jahren. Ihr Vorsitzender, der Diplom-Psychologe Dietmar Ohm, sieht Gelassenheit als ein Konzept zur Lebensgestaltung: Gelassenheit hat etwas mit der Fähigkeit zu tun, auch mit schwierigen Alltagssituationen so umzugehen, dass man die Übersicht bewahrt. Man sollte sich angemessen verhalten, so dass sich die Körperreaktionen in einem Bereich bewegen, der einem gut tut.
Zu einem Profi für Gelassenheit kann demnach werden, wer Schwierigkeiten schon vorher einplant. Planendes Verhalten ist laut Ohm für die Stressbewältigung sehr sinnvoll. Wichtig sei es, Prioritäten zu setzen und herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist. Ist man mit sich im Reinen, lasse sich auch Unvorhersehbares gelassener bewältigen.

Gelassenheit sehen die Experten als einen Ausgleich zwischen Aktiv- und Passivsein. Um gelassener zu werden, müsse jeder für sich eine Kompetenz zur Bewältigung von Problemen entwickeln. Gelassen und angestrengt sein, beides gehöre aber zusammen. Der Lübecker Psychologe Ohm hält Gelassenheit für keine gottgegebene Eigenschaft. Es ist eine Technik, die in jedem Alter erlernbar ist. Gelassenheit hat etwas mit einem aktiven Stressmanagement zu tun, das man zum Beispiel durch Trainings erwerben kann.
Man kann lernen, Alltagsbelastungen in einer möglichst günstigen Form zu bewältigen. Ein Beispiel: Die Straßenbahn kommt zu spät, der wichtige Termin wird verpasst. Sich jetzt als Opfer zu sehen und herumzujammern, ist laut Ohm pure Energieverschwendung. Besser wäre es, die Lage erst einmal zu akzeptieren und dann das Problem zu lösen. Unbedingte Voraussetzung dabei ist, so Ohm, daß man an die eigene Fähigkeit zur Problemlösung glaubt. Genau so wichtig ist der Wille, für sich selber gut zu sorgen. Vielleicht, indem man bei Verspätungen von Bus und Bahn einfach in das Taxi steigt, sich bequem fahren lässt, pünktlich den Termin erreicht und so die innere Spannung abbaut - auch wenn es zusätzliches Geld kostet.

Einen anderen Weg schlägt die Autorin und Philosophin Ute Lauterbach vor. Sie zeigt für Ärger und Stress im zwischenmenschlichen Bereich Wege zu einem gelasseneren Umgang miteinander auf. Auf Angriffe von Partnern, Meckereien, Beleidigungen solle man nicht eingehen, sondern bei sich bleiben. Grundsätzlich bedeutete Gelassenheit, sich aus seiner eigenen Mitte nicht vertreiben zu lassen, sich nicht zu verstricken in die Befindlichkeiten des anderen. In solchen Situationen sei es am besten, nicht auf den Ton des anderen einzusteigen, seine eigenen Gefühle auszudrücken und sich nicht zu wehren. "Ja, Sie haben Recht" - diese Aussage führe zu einem unerwarteten Ausstieg aus einem sonst bevorstenden Schlagabtausch.
Am besten seien manchmal auch scheinbar unsinnige oder groteske Reaktionen, meint Ute Lauterbach, die sich selbst als Glücks- und Schicksalsforscherin bezeichnet. Humor und Unsinn seien grundsätzlich gute Mittel dafür. Durch zahlreiche Bücher, Vorträge und Seminare ist Ute Lauterbach zu einer geschätzten Lebensbegleiterin geworden. Ziel sei es, dass die Menschen "Altmist" loswerden und sich neue Räume erschließen, in denen sie sich wohlfühlen. Letztlich gehe das nur durch Selbstreflexion und die Erfahrung von Sinn, auch im Falle der Gelassenheit.
von Ute Lauterbach
Gebunden - 104 Seiten
Kösel-Verlag (Juli 2007)
EUR 12,95
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