Jetzt ist sie vollständig: Die Melodramen-Trilogie von Dominik Graf. Menschen- und insbesondere Frauenschicksale stehen im Vordergrund, bekannte Geschichten aus einer neuen Perspektive, Dominik Graf-Filme eben ...
Eine junge Frau aus gutem, sehr gutem Hause, lebendig, unkonventionell, glücklich wohl. Doch plötzlich wendet sich das Blatt. Der Wohlstand ist gefährdet, aber was schlimmer ist, viel schlimmer: Die Elternliebe scheint brüchig, nicht so unverbrüchlich, unendlich wie geglaubt. Die junge Frau, ein Mädchen fast noch, stürzt sich in den Abgrund, in die Arme eines zwielichtigen Mannes, fast so als wollte sie sich ihre plötzliche Wertlosigkeit noch einmal selbst beweisen.
Und da, wo die Liebe vielleicht sein könnte, auch wenn sie schmerzhaft ist, gepflegt werden müsste, da missachtet sie sie, kann sie nicht halten. So weit scheint alles ganz den Regeln und Gesetzen eines saftigen Melodrams zu entsprechen. Die Heldin fällt, fällt tief. Männer kreuzen ihren Weg, und am Ende findet sie, nach einem dornenreichen Weg, vielleicht ihr Glück. Doch tatsächlich unterscheidet sich jenseits dieser reißbretthaften Handlungsmuster alles in diesem Film von den üblichen Groschenromanen.
Heldin, Star, Dreh- und Angelpunkt dieses Films ist die großartige Jessica Schwarz, die hier nach ihrer Rolle in "Die Freunde der Freunde" ihre bislang größte schauspielerische Herausforderung zu bewältigen hat. Und sie bewältigt sie spielend, kraftvoll, mitreißend mutig und erotisch. Noch nie durfte und konnte Jessica Schwarz so viel zeigen von sich, ihrer Person und ihrem Können.
Doch neben ihr sind außer den so unterschiedlichen wie wunderbaren Männern - Misel Maticevic als Rico und Matthias Schweighöfer als Ben - die Eltern, Friedrich von Thun und Angela Roy, die heimlichen Stars des Films. Wie sie ihre Lebenslügen mit sich tragen, ihre kleinen und großen Fehler erhobenen Hauptes begehen, sich später eine Maske der Souveränität zulegen, hinter der die schiere Angst zu ahnen ist. Und wie sich der nicht mehr junge Vater schließlich, gebrochen fast, auf den Weg in die Welt der Tochter macht, das ist großes Familiendrama.
Die Familie ist das Standardpersonal im Fernsehen, doch Elternszenen wie diese (auch die in Grafs "Bittere Unschuld" natürlich) sind so noch nicht erzählt worden. Dabei berichten sie von nichts Geringerem als dem Leben und von der Schwierigkeit zu lieben. Graf und sein Autor Markus Busch verzeihen diesen Eltern nicht, aber in Szenen von unglaublicher Präzision und Gnadenlosigkeit versuchen sie, sie zu verstehen. Der Film zeigt die Spirale der Missverständnisse, der Versäumnisse und die Eskalation, die dadurch entsteht. Wann hat man in einem Fernsehfilm solche Eltern gesehen?
Wie hat Sybille Simon-Zülch in epd so schön getitelt: "Ein Dominik Graf-Film eben". Ein bis in die kleinsten Nebenrollen großartig besetztes und geführtes (!) Schauspieler-Ensemble, meisterliche Handhabung der filmischen Mittel, und das Erzählte wird plötzlich zum Unerhörten. Wir sind stolz darauf, nach "Bittere Unschuld" und "Deine besten Jahre" auch noch den dritten Film der Melodramen-Trilogie als Fernsehfilm der Woche am Montag im ZDF zeigen zu können.