Im April 1792 verbündet sich Österreich mit Preußen gegen das revolutionäre Frankreich. Zwei Wochen später folgt die Antwort. Frankreich erklärt Österreich den Krieg und erfährt bei Lille seine erste Niederlage.
Marie Antoinette wird in diesen Kriegswochen zur aktiven Landesverräterin. In einem verschlüsselten Brief gibt sie die Angriffspläne der Franzosen an die Österreicher weiter.
"...und hat den Plan, ihnen durch einen Angriff auf Savoyen und einem weiteren im Gebiet von Lüttich zuvorzukommen. Der letzte Angriff soll von La Fayettes Armee durchgeführt werden. Dies ist das Ergebnis der gestrigen Beratung; es ist gut, den Plan zu kennen, damit man auf der Hut sein und die angemessenen Vorbereitungen treffen kann..."
Der chiffrierte Brief als Beweis für ihren Verrat wurde damals nicht entdeckt. Heute befindet er sich im Staatsarchiv von Wien.
"Der Brief vom 26. März hat vor allem eine symbolische Bedeutung. Er macht ihren Verrat jetzt schriftlich, quellenmäßig greifbar. Konkret militärisch hat er keine Bedeutung, aber als Symbol für den Verrat Marie Antoinettes an Frankreich - sie sieht es nicht als Verrat, denn für sie ist es nicht das wahre Frankreich, das sie verrät - dafür hat dieser Brief eine große Symbolkraft."
In der verwendeten Verschlüsselung gibt es für jeden Buchstaben 26 Möglichkeiten der Chiffrierung. Um zu wissen, welche Klartextbuchstaben sich hinter den Chiffren verbergen, braucht man ein Codewort. Marie Antoinette wählte "beauté", "Schönheit".
"Entscheidend jedoch ist die Tatsache, dass die Königin eine Österreicherin ist, die ein österreichisches Komitee um sich schart. Dieses liefert Unmengen von Informationen zum einen an ihre Brüder und zum anderen an ihren Neffen. Diese Stimmung in Paris und in ganz Frankreich ist im Endeffekt viel bedeutender als der Verrat selbst. Verrat, der übrigens damals nicht bewiesen war."
Der militärische Sieg Österreichs schürt den Hass der Franzosen weiter. Marie Antoinette steht jetzt als Schreckgespenst einer aristokratischen Verschwörung am Pranger der Revolution. Von der Nationalversammlung ergeht der Ruf "Vaterland in Gefahr"! In dieser Zeit kommt zum ersten Mal die Guillotine als Tötungsmaschine zum Einsatz.
In Brüssel, dem Hauptquartier der alliierten Truppen, erreicht Graf Fersen eine letzte schriftliche Nachricht der Königin. Ein verzweifelter Hilferuf. Die geheimen Botschaften aus dem entfernten Paris sind nur noch blanke Aufschreie der Angst.
"...das Leben des Königs und der Königin sind in allergrößter Gefahr..., versuchen Sie die versprochene Hilfe für unsere Rettung zu beschleunigen ... das Manifest muss geschickt werden ... die Schar der Mörder wächst unaufhörlich"
In der Hoffnung, das Leben der Königin zu retten, begeht Fersen einen folgenschweren Fehler. Harte Drohungen als Einschüchterungstaktik sollen weitere Angriffe der Revolutionäre verhindern. Fersen forciert eine öffentliche Erklärung der Alliierten an das französische Volk, die als "Manifest des Herzogs von Braunschweig" dem Königspaar zum Verhängnis wird. Die Koalitionsmächte drohen den Franzosen mit der vollständigen Zerstörung von Paris für den Fall, dass der königlichen Familie etwas zustoßen sollte. Gezeichnet, General Ferdinand Herzog von Braunschweig.
"Das Manifest von Braunschweig hat eine enorme Bedeutung - für Marie-Antoinette und für die Revolution. Man ist überzeugt, die Königin ist eine Verräterin, jetzt hat man den Beweis. Braunschweig sagte: wenn ihr der königlichen Familie auch nur ein Haar krümmt, werdet ihr niedergemetzelt. Das bestätigt das heimliche Einverständnis zwischen den Verbündeten und dem König und der Königin von Frankreich."