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21. November 2009
 

Zeitgeschichte

 
Attentat auf Siegfried Buback - 1977. Quelle: dpa
Attentat auf Siegfried Buback 1977

Das Wunder von Mogadischu

"Offensive 77"

Die blutige Anschlagserie der RAF

Die RAF selbst nannte ihre blutige Anschlagserie vor 30 Jahren "Offensive 77". Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner Bank-Vorstandschef Jürgen Ponto waren die ersten prominenten Todesopfer. Die Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer Anfang September aber versetzte die Bundesrepublik 43 Tage lang in einen regelrechten Ausnahmezustand.

 
 
 
 

Die Bundesregierung war - anders als bei der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz 1975 - nicht zu einem Austausch gegen RAF-Gefangene bereit.

 Quelle: ap
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Opfer der RAF: Hanns-Martin Schleyer

"Der Staat hat nicht irgend einer Raison wegen seine harte Haltung eingenommen", sagt der damalige Regierungssprecher Bölling im ZDF-Interview, "es gab gar keine andere Wahl. Alles andere wäre eine Kapitulation gewesen, ein Triumph für die Terroristen, und sie hätten wieder Anschläge verüben können".

Jeder konnte Opfer werden

Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" sollte die Freilassung der RAF-Führungsriege in Stammheim, der so genannten ersten Generation (unter anderem Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe), endgültig erzwungen werden. In der Erklärung der Schleyer-Entführer hieß es: "Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die Passagiere und Besatzung der Lufthansa-Maschine 737, Flugnummer LH 181, unter unserer vollständigen Kontrolle und Verantwortung stehen".

 

Nun schien jeder Opfer werden zu können. Nicht nur "Vertreter" der zum Feindbild erklärten Bundesrepublik. Das wich eigentlich von den Prinzipien der "ersten Generation" der RAF ab, deren Aktionen sich nicht gegen das "Volk" richten sollten. Doch für den Zweck der "Gefangenenbefreiung" schien ihren Nachfolgern jedes Mittel recht.

 

Wer veranlasste die Entführung?

Die RAF hatte schon seit Jahren Kontakt zu radikalen Palästinensern - nun kam es zum Bündnis mit einer besonders militanten Gruppe, dem "Sonderkommando" der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) um Wadi Haddad. Noch heute steht die Frage im Raum, wer die Entführung der "Landshut" veranlasste. Haddad selbst habe auf eine Aktion gedrungen, so der Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock: "Er sagte, er hätte uns zwei Sachen zu offerieren, entweder eine Geiselnahme in der deutschen Botschaft in Kuwait oder die Entführung eines Flugzeuges. Die Entscheidung war dann eben: 'Gut, bei der Flugzeugentführung stimmen wir zu'".

 
Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader. Quelle: ap
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Terroristen Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader

Im ZDF-Interview schildert der ehemalige Sprecher der PFLP und Haddad-Vertraute Bassam Abu Sharif erstmals eine andere Sicht: "Die Deutschen haben darauf gedrungen, irgendwas zu unternehmen, die Initiative ging nicht von unserer Seite aus, es ging ja um die Befreiung deutscher Gefangener, warum hätten wir auf sie zugehen sollen. Haddad war nicht gerade begeistert, aber sie haben gedrängt."

Überfall auf das Olympische Dorf. Quelle: ap
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München 1972: Überfall auf das Olympische Dorf

Entführer waren keine Fundamentalisten

Im Unterschied zu heute waren die Entführer keine islamischen Fundamentalisten. Sie kamen aus christlich-libanesischen oder palästinensischen Familien, geprägt durch die Nahostkriege, israelische Besatzung und Flüchtlingslager. Auch waren es keine erklärten Selbstmordattentäter. "Mit denen konnte man wenigstens noch verhandeln", sagt Michael Libal, damals Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Somalia, "die wollten noch leben". Bassam Abu Sharif sagt: "Sie hatten ein Ziel: Den Erfolg der Geiselnahme, also die Erfüllung der Bedingungen".

Palästinensischer Terror als äußerstes Druckmittel - das Debakel der gescheiterten Geiselbefreiung beim Olympia-Attentat von München 1972 gehörte zu den traumatischen Erfahrungen der Nachkriegsgeschichte. Nun wurde die Bonner Republik - fünf Jahre danach - wieder auf die Probe gestellt.