Die Wüsten breiten sich weltweit aus, gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung. Aus diesem Dilemma kommen wir nur heraus, wenn wir Wege finden, Landwirtschaft auch in trockenen Regionen betreiben zu können. Deutsche Erfinder nahmen diese Herausforderung an und kamen auf eine außergewöhnliche Idee.

An der Universität Gießen arbeitet Professor Hans-Georg Frede daran, dass es zukünftig auch in wasserarmen Gegenden üppig gedeiht. Seine Hypothese überprüft er im Gewächshaus. Alle Blumentöpfe, in denen Gras ausgesät ist, werden mit der gleichen Menge Wasser gegossen. Trotzdem ist das Gras in den Blumentöpfen verschieden hoch gewachsen. In der Auffangschale wird deutlich: In manchen Töpfen hat das Gras das Wasser komplett absorbiert, bei den anderen Töpfen tropft ein Teil ungenutzt unten heraus.
Die eine Hälfte der Töpfe enthält einen Stoff, der die Welt verändern könnte: der Superabsorber "Geohumus". Wie ein Schwamm saugt er Wasser auf und gibt es an die Wurzeln der Pflanzen ab. Vor allem im Sandboden, der sonst wenig Wasser hält, wachsen sie so viel schneller und kräftiger. Wo große Trockenheit herrscht, sind die Böden meist sandig. Das Oberflächenwasser versickert zu schnell oder verdunstet in der brennenden Sonne.

Auf einer Mangoplantage in Ägypten fand Hans-Georg Frede die richtige Umgebung für einen groß angelegten Feldversuch. An gut vergleichbaren Mangobäumen wird der Geohumus getestet. Ein Teil der Plantage wird nach dem herkömmlichen Verfahren gedüngt. Traditionell vergraben die Arbeiter Kompost in vier Löchern rund um die Bäume.

Zum Vergleich wird bei den übrigen Bäumen das neuartige Absorber-Material in unterschiedlichen Mengen unters Erdreich gemischt.
Geohumus ist eine Art Kunststoff-Granulat, das extrem viel Wasser aufnimmt. Ein Esslöffel Superabsorber bindet mehrere Liter Wasser und steckt heute in jeder Einwegwindel. Dort gibt er das gespeichterte Wasser nicht mehr her. Durch die Zugabe winziger Lavasteinchen ist die Substanz als Wasserspeicher in Wurzelnähe praxistauglich geworden: Beim Gießen halten die dehnbaren Maschen des Polymers das Wasser fest - doch Pflanzenwurzeln können es dort mühelos wieder herausholen.

Nach drei Jahren Feldversuch zeichnet sich ab: Rund dreieinhalb Kilo Geohumus pro Mangobaum haben zu einer Ertragssteigerung von bis zu einem Drittel geführt. Die Bäume mit Geohumus mussten in den Sommermonaten sogar mit drei Vierteln der sonst üblichen Wassermenge auskommen. Aber dank des grauen Granulates im Boden war das kein Problem. Neben dem deutlich höheren Ertrag sind die Früchte auch noch einen ganzen Monat früher reif. Offenbar hält Geohumus im Winter die Wärme im Boden.
Zurzeit bewässern die ägyptischen Bauern ihre Felder mit Nilwasser: Über schier endlose Kanäle gelangt das Wasser vom Fluss bis zu den Plantagen. Jeder Bauer entnimmt so viel wie er benötigt und überschwemmt seine Plantagen - eine fatale Verschwendung. Denn das meiste Wasser versickert ungenutzt im Sand. Geohumus könnte hier helfen, Wasser zu sparen.