In der Nacht zum 25. Juli 1943 beginnt unter dem Codenamen "Operation Gomorrha" eine Reihe von Luftangriffen, die nach dem Wunsch der alliierten Generäle Hamburg völlig auslöschen sollte. Bei einem der schwersten Angriffe in der Nacht zum 28. Juli entfacht das Bombardement ein Flammenmeer, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.
Bereits 1935 sagt der britische General John Frederick Charles Fuller: "Die wesentliche Wirkung von Luftangriffen auf Städte ist die Terrorisierung der Bevölkerung". In diesem Punkt ist man sich auf deutscher, britischer und auch italienischer Seite einig. Bombenangriffe sollen die Bevölkerung moralisch brechen, sie terrorisieren und ihnen den Lebensraum nehmen. Im modernen Luftkrieg wird die Zivilbevölkerung dadurch zum Feind, obwohl sie durch die Bestimmungen des Kriegsvölkerrechts ausdrücklich geschützt ist und Angriffe auf Nicht-Kombattanten ein Kriegsverbrechen darstellen.
Was die Welt in den folgenden Jahren erlebt, entspricht exakt den Vorhersagen. 1937 erprobt die deutsche "Legion Condor" im spanischen Bürgerkrieg ihre neue Luftwaffe ausgiebig. Die Stadt "Guernica" wird durch deutsche Fliegerverbände fast völlig zerstört. Nach dem Angriff auf Polen 1939 ist Warschau die erste größere Stadt im Maßstab Hamburgs, die großflächig von der deutschen Luftwaffe angegriffen wird. Dabei kommt eine Kombination aus Spreng- und Brandbomben zum Einsatz, um so viele Brandherde wie möglich zu schaffen.

Während der "Luftschlacht um England" werden schließlich sowohl von Engländern als auch von Deutschen zivile Ziele angegriffen. Auf Terror wird mit Terror geantwortet. Im Mai 1940 hebt der britische Premierminister Winston Chruchill das Verbot auf, zivile Ziele anzugreifen.
Nach der Niederlage der deutschen Luftwaffe in der Luftschlacht um England und dem Eintritt der USA in den Krieg sind die kombinierten Luftstreitkräfte der Alliierten bald in der Lage, Deutschland "rund um die Uhr" zu bombardieren. Tagsüber greifen US-Air Force-Verbände, nachts die Royal Air Force deutsche Städte und Industrieanlagen an. Auf britischen Flugblättern, die 1943 über Deutschland abgeworfen werden, heißt es treffend: "Die Festung Europa hat kein Dach".

Im Mai 1943 entscheidet sich der Oberkommandierende des Royal Air Force Bomber Command, Sir Arthur Harris, für einen Großangriff gegen Hamburg, die zweitgrößte Stadt des deutschen Reiches. Ziel der Operation "Gomorrha" ist es, kriegswirtschaftlich wichtigen Betriebe einschließlich seiner Arbeiter und deren Wohnungen zu treffen. Zudem erhoffen sich die Alliierten, durch das "Auslöschen" der ganzen Stadt, den Kampfeswillen der deutschen Bevölkerung zu schwächen.
Der erste von insgesamt vier Nachtangriffen durch die Royal Air Force erfolgt in der Nacht zum 25. Juli 1943. Nach alliierten Angaben erreichen von 791 Bombern 740 Bomber ihr Ziel, aber nur 306 werfen aufgrund falscher Zielmarkierungen ihre Bombenlast im richtigen Zielgebiet, der Nicolaikirche, ab. Für die Allierten ist es ein schlechtes Ergebnis, in der Stadt richtet der erste Angriff allerdings bereits große Schäden an. Einige Stadtviertel stehen in Flammen, und viele Brände können auch nach 24 Stunden nicht gelöscht werden. Die Zahl der Todesopfer wird auf rund 1500 geschätzt.

Am 25. und 26. Juli führt die US Air Force zwei Angriffe mit B-17-Bombern bei Tag durch. Der Angriff gilt dem Hafengebiet, wo er beträchtlichen Schaden anrichtet. Es werden mehrere Schiffe versenkt und Mineralölbetriebe getroffen. Die Zahl der Todesopfer von etwa 150 Menschen ist bei diesen Angriffen relativ gering.

Das als "Hamburger Feuersturm" bekannte Drama spielt sich in der Nacht zum 28. Juli ab. Erneut entsendet die britische Luftwaffe über 700 Bomber Richtung Hamburg mit dem Ziel "Nicolaikirche". Fast die Hälfte der Bomber werfen ihre Spreng- und Brandbomben - rund 1100 Tonnen - über dem Zielgebiet ab und entfesseln damit einen Feuersturm ungekannten Ausmaßes.
Die Brandbomben entfachen ungeheuer große Brandherde, die zusätzlich durch eine besondere Wetterlage angefacht werden. Es kommt zu orkanähnlichen Feuersbrünsten, die durch die Straßen fegen. Viele der in Kellern oder Bunkern ausharrenden Menschen sterben durch die enorme Hitzeeinwirkung oder Gasvergiftungen. Die Zahl der Todeopfer liegt nach Schätzungen zwischen 34.000 und 35.000 Menschen, mehr als bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945. Viele Stadteile werden völlig zerstört einschließlich der Zentren mit ihren prachtvollen Altbauten.

Militärisch betrachtet war der Angriff für die Alliierten ein Fehlschlag. Er hat Unsummen an Geldern verschlungen, die Rüstungsindustrie Hamburgs nicht dauerhaft ausgeschaltet und auch den Widerstandswillen der Bevölkerung nicht entscheidend beeinflusst. Dafür hat er Tausende Zivilisten das Leben gekostet und bei den Überlebenden ein Trauma ausgelöst, das bis heute nachwirkt.