Er kennt alle, und alle kennen ihn: Claus Jokisch ist ein ganz alter Hase. Sein Reich: Zwei Hochhäuser am Helene-Weigel-Platz in Berlin Marzahn, 22 Stockwerke hoch. Claus Jokisch ist Concierge im Plattenbau. Er betreut hier rund 900 Bewohner, ist die gute Seele der seelenlosen Hochhäuser.
Zu DDR-Zeiten ließ es sich gut leben in den Quartieren von Berlin-Marzahn. Als die Wende kam, war hier nahezu jede Wohnung belegt. Das sollte sich schnell ändern - wer konnte, verließ die Plattenbausiedlung. Gegen den schlechten Ruf und die echten Probleme kämpft Hausmeister Claus Jokisch.
Dutzende Überwachungskameras, eine Zufahrtsschranke und vier Telefone helfen ihm im Kampf gegen Schlendrian und den allgegenwärtigen Müll. Seine wichtigsten Waffen im täglichen Kleinkrieg aber sind Charme und Herzlichkeit. Jokisch biedert sich nicht an. Alle in den Häusern wissen: Er ist schnell, schlagfertig und kompetent. Ob einer der vier Fahrstühle ausfällt, ein Wohnungsschlüssel aus Versehen im Müllschlucker gelandet ist oder ein vergessener Vierbeiner laut heult, Jokisch ist zur Stelle. Sein Lieblingssatz: "Das kriegen wir in den Griff."
Das Quartier bietet wenig Abwechslung, viele Bewohner haben einen schmalen Geld-beutel. Zu Hause feiern ist üblich, dabei aber feiern oft die Nachbarn ungewollt mit. Dann klingelt bei Claus Jokisch das Telefon Sturm. Wenn mit Herz und Schnauze nicht weiter zu kommen ist, wenn allzu wild gefeiert wird, wenn angetrunkene Jugendliche in den Grünflächen randalieren, dann kommt gelegentlich auch eine private Sicherheitsfirma zum Einsatz. Die wurde von der Wohnungsbaugesellschaft engagiert, die Telefonnummer ihrer Zentrale hängt in jedem Treppenhaus.
Die "ZDF.reportage" von Sven Ihden und Roland May zeigt: Concierge im Plattenbau - das ist kein normaler Hausmeisterjob. Wer hier Erfolg haben will, der ist halb Haustechniker und halb Sozialarbeiter. Für den Job braucht man Härte und Mitgefühl, Claus Jokisch hat beides.