Vor 2000 Jahren war Pisa ein Seehafen am Mittelmeer. Heute liegt die Stadt zehn Kilometer landeinwärts. Entdeckt hatten den Hafen 1998 Bauarbeiter, als hier ein neuer Bahnhof entstehen sollte.
Die Archäologen müssen unterhalb des Grundwasserspiegels arbeiten, ein Pumpensystem verhindert das Eindringen von Wasser.

Im schlammigen Boden des ehemaligen Hafenbeckens haben sich - luftdicht versiegelt - ganze Schiffe aus der römischen Blütezeit mitsamt ihrer wertvollen Fracht erhalten. Ein römisches Transportschiff konnte Hunderte von Amphoren fassen. Manche hatten auch exotische Fracht an Bord. In einem wurden sogar die Überreste eines Löwen entdeckt, der für die Spiele im Circus bestimmt war.
"Durch diese Ausgrabung erfahren wir viel über das Leben der Menschen auf diesen Schiffen. Denn wir haben vor allem Alltagsgegenstände der Seeleute gefunden: Holzschuhe, Bastkörbe, Kleidung aus Leder - und sogar die Bürsten, mit denen die Matrosen die Schiffe reinigten."
Zwischen den Amphoren stoßen die Archäologen immer wieder auf Überraschungen. Denn in dem von der Luft abgeschlossenen Schlamm des ehemaligen Hafenbeckens finden sich Dinge, die anderswo schon längst zerfallen wären. Ein Stück Leder - vielleicht von der Arbeitskleidung eines Matrosen. Die Archäologen fanden auch Stofffetzen, Holzteile und sogar ganze Sandalen in dem feuchten Boden.
Diese Einblicke in das Leben der Römer vor 2000 Jahren verdanken die Wissenschaftler einer Tragödie. Schwere Stürme versenkten die Schiffe - nicht etwa auf hoher See, sondern im scheinbar sicheren Hafen. Trotz des hohen Risikos kam der größte Teil der Güter auf dem Seeweg nach Rom. Hier wurden sie auf Dutzenden von Märkten verkauft. Für die verschiedenen Waren gab es Spezialmärkte auf denen Fisch, Fleisch oder Gemüse angeboten wurde.

Wie die Märkte funktionierten und welche Rolle sie im Leben der Römer spielten, untersucht der Archäologe Richard Neudecker. Eines der modernsten und beeindruckendsten Einkaufszentren Roms waren die Trajansmärkte. 110 nach Christus hatte Kaiser Trajan das städteplanerische Mammutprojekt in Auftrag gegeben. In 150 Geschäften konnte ein Römer hier alles kaufen: Weizen aus Nordafrika, feinstes Geschirr aus Griechenland, Kosmetikfarben aus Germanien, Gewürze und Edelsteine aus Indien, Seide aus dem fernen China.
"Das Publikum hier war sicher gemischt. Doch zum größten Teil waren es die feineren Leute, die hier einkauften. Sie bewegten sich aber nicht allein auf der Straße. Sie hatten immer eine Menge an Gefolgschaft um sich. Sie wurden entweder auf der Sänfte getragen oder sie hatten Sklaven um sich, die ihnen den Weg frei machten."
In den oberen Stockwerken der Geschäfte befanden sich Amtsstuben der Stadtverwaltung. Hier konnte man sich zum Beispiel in Listen für kostenlose Lebensmittelzuteilungen einschreiben, oder einen Wasseranschluss beantragen.
"Es war niemals nur ein Platz an dem man Dinge erledigte und dann wieder ging. Sondern es war ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Man ging vormittags zum Markt und fand sich dann mit anderen - Bekannten, Freunden - zusammen. Und wickelte ganz bestimmt auch Geschäfte ganz anderer Art dort ab. Geschäfte wurden immer auf der Straße, im Freien, unter Zeugen abgewickelt. Man hat nicht den Vertrag aufgesetzt und unterschrieben, sondern man hat Zeugen gebraucht. Die Öffentlichkeit war ganz entscheidend für das soziale, das politische, und das Geschäftsleben Roms."
Die Geschäfte wurden jedoch nicht immer korrekt abgewickelt. In den Verkaufsbuden wurde mit falschen Gewichten gewogen und die Geldwechsler verlangten Wucherzinsen. Eine eigene Marktpolizei - die Ädilen - schritt gegen solche Betrügereien ein.