Jahrhundertelang war der alte ägyptische Reichsgott Amun der oberste Gott. Dann kamen im Jahre 1364 vor Christus Echnaton und seine Frau Nofretete an die Macht. Der Pharao stürzte die alte Religion und führte einen Kult um den Sonnengott Aton ein. Um sich dem Einfluss der Amun-Priester zu entziehen, zog er in die neu gegründete Stadt Amarna.

Es war eine ganz neue Art der Anbetung. Der Pharao selbst, der das Priesteramt innehatte, hielt Zwisprache mit seinem Gott. Die Wächter des alten Glaubens müssen ihn gehasst haben. Aber nicht nur ihn allein, denn selbst hier war Nofretete stets an seiner Seite. Auch im Kult übernahm sie Funktionen wie keine andere Königin in der ägyptischen Geschichte. Gleichberechtigt stand sie neben Echnaton. Das Königspaar wurde zum Garanten der Weltordnung. Sie waren die einzigen Mittler zum Sonnengott Aton.
Auch wenn Nofretete Königin, mächtigste und einflussreichste Frau ihrer Zeit war, bis heute weiß man nur wenig über sie. Selbst ihre Herkunft ist unbekannt. Sie erscheint erst als Gemahlin des Pharao Echnaton auf der Bühne der Geschichte. Auch ihr Name, der "die Schöne ist gekommen" bedeutet, wurde vorher nie erwähnt. Möglicherweise bekam sie ihn erst anlässlich ihrer Vermählung. Vielleicht war sie zuvor eine ausländische Prinzessin, die aufgrund diplomatischer Beziehungen an den ägyptischen Königshof kam.

Um ihre Liebe ranken sich Legenden. Ihr Glück wurde hundertfach im Stein Ägyptens verewigt. Zusammen hatten sie sechs Töchter. Sie wurden immer gemeinsam mit dem Paar dargestellt. Echnaton erhob seine geliebte Frau auf eine unvergleichliche Machtposition. Keine Frau erreichte in der ägyptischen Geschichte je wieder eine vergleichbare Stellung wie Nofretete in der Regierungszeit Echnatons. Selbst die Macht Kleopatras, die über 1000 Jahre später den römischen Feldherren Gaius Julius Cäsar und Marcus Antonius Herz und Verstand raubte, kam nicht derjenigen gleich, die Nofretete ausübte.
"Echnaton wollte Nofretete als jemanden präsentieren, der die Macht mit ihm teilte. Es gibt einige wirklich sehr ungewöhnliche Reliefs, in denen sie dargestellt wird, wie sie die Feinde Ägyptens erschlägt - als stünde sie ihrem Mann militärisch ebenbürtig an der Seite."
Echnaton war ohne Nofretete nicht mehr vorstellbar. In zwei Jahrzehnten stellten sie Ägyptens Politik und Geschichte völlig auf den Kopf. Doch ihr gemeinsamer Traum zerbrach. Ihre Vision von einer neuen Welt, in der nur einziger Gott die Geschicke der Menschen bestimmen sollte, überlebte nur eine Generation. Schon vor dem Untergang des Reiches verschwand Nofretete spurlos. Angesichts ihrer außergewöhnlichen Position neben Echnaton rätselhaft. Wo fand sie ihre letzte Ruhestätte? Vielleicht liegt die Antwort im Tal der Könige. Der Ägyptologe Zahi Hawass nimmt die Spur von Nofretete und ihrer verschollenen Familie wieder auf. Das erste Ziel des Leiters der ägyptischen Antikenverwaltung ist das geheimnisvolle Grab KV 35 - ein Pharaonengrab des Neuen Reiches.

Nach über hundert Jahren Besatzung durch den westasiatischen Volksstamm der Hyksos, gelingt es König Ahmose I. von Theben endlich, die Eindringlinge zur vertreiben: das Neue Reich beginnt. Hauptgott wird Amun. Ägypten gewinnt außenpolitisch wieder an Bedeutung und erlangt eine Vormachtstellung im vorderasiatischen Raum. Der 18. Dynastie gehören mit Hatschepsut, Thutmosis II., Echnaton, Nofretete, Tutenchamun und Ramses der Große einige der bemerkenswertesten Gestalten der ägyptischen Geschichte an.