Das Statistische Bundesamt Deutschland hat errechnet, dass im Jahr 2008 über 171 Millionen Tonnen Gefahrgut auf unseren Straßen transportiert wurden - giftige, entzündbare, radioaktive oder ätzende Stoffe. Sie müssen gekennzeichnet werden. Die Einteilung erfolgt in neun Gefahrgutklassen mit weiteren Unterteilungen in Klassifizierungscodes. Bei Unfällen können Feuerwehr und Rettungsmannschaften die richtigen Maßnahmen treffen. Besonders heikel ist der Transport von leicht entzündbaren Stoffen.

1987 raste ein Tanklaster, beladen mit 30.000 Litern Benzin in eine Eisdiele in Herborn und explodierte. Die Bremsen des LKW's hatten auf der abschüssigen Straße versagt. In dem Flammeninferno starben sechs Menschen, 40 wurden zum Teil schwer verletzt. Seither sind die Sicherheitsvorschriften vehement verschärft worden. Trotzdem kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Im Februar 2008 brennt auf der A7 ein Tanklastzug nach einem Kurzschluss im Armaturenbrett. Eine Katastrophe kann verhindert werden. Im Januar 2010 geht auf der A2 ein Transporter mit Desinfektionsmittel in Flammen auf. Die Ursache war vermutlich ein technischer Defekt im Motorraum.
LKW-Fahrer, die mit Gefahrgut unterwegs sind, müssen eine Prüfung absolvieren zu Gefahrgutvorschriften wie Verpackung, Ladungssicherung und Kennzeichnung. Trotz regelmäßiger Gefahrgutschulungen und Sicherheitstraining kann es durch Fahrfehler oder Sekundenschlaf zu Zwischenfällen kommen.

Abenteuer Wissen hat Enrico Kohn mit seinem Tanklastzug begleitet. Sein Auftrag lautet: Er soll eine Tankstelle mit hochentzündlichem Kraftstoff beliefern. Vor Fahrtantritt beginnt die routinemäßige Überprüfung des noch leeren Tankwagens. Moderne Tanktechnik gehört heute zur Standardausrüstung. Gefahrguttanks haben Doppelwände und abgetrennte Kammern für unterschiedliche Brennstoffe. So wird verhindert, dass sich Reste verschiedener Gefahrgüter mischen, die zu Explosionen führen können.

Viele Speditionen überwachen ihre Fahrer und Fahrzeuge. Per Telemetrie sind die Einsatzzentralen permanent informiert, wo sich die Gefahrgut-LKWs gerade befinden. Der Kontakt zu den Fahrern reißt während der gesamten Fahrt nicht ab. Das mobile Telemetriegerät sendet vom LkW aus Daten über Mobilfunknetze an die Einsatzzentrale. Sensoren übertragen während der Fahrt relevante Messwerte. Die Transportunternehmer können aus den Telemetriedaten Indikatoren ablesen wie Drehzahl des Motors oder das Brems- und Fahrerverhalten.

Muss ein Fahrer seine Tour ändern, weil ein Kunde überraschend Nachschub benötigt, wird er über email aufgefordert anzuhalten, um sich in der Zentrale zu melden. Telefonate während der Fahrt sind nicht erlaubt. Der Telemetrie-Apparat im Führerhaus sendet ein akustisches Signal. Der Fahrer muss anhalten und in den Disponenten in der Einsatzzentrale anrufen. Die neue Routen und Aufträge würden dann fernmündlich abgesprochen.
Enrico Kohn soll 35.000 Liter Benzin aus dem Öllager in Hamburg nach Horst in Schleswig Holstein transportieren. Die Einsatzzentrale des Transportunternehmen hat schon per Computer den sichersten Weg der Tour erfasst . Sie führt durch Innenstädte, über Landstraßen und die Autobahn.

Alles läuft nach Plan. Enrico Kohn erreicht das Areal des Öllagers in Hamburg. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn in den 88 unterirdischen Tanks lagern etwa 860.000 Millionen Liter Kraftstoff. Die Gefahren während des Abpumpens sind enorm. Kleine Lecks könnten zu gewaltigen Explosionen führen. Der Kraftstoff wird von der Messwarte aus in die umliegenden Tanks gepumpt. Ein so genannter Gaspendelschlauch fängt die hoch entzündlichen Gase ein, die beim Beladen entstehen und führt sie zurück ins Tanklager. Erst wenn alle Schläuche sicher angeschlossen sind, fließt Benzin. Sensoren erkennen automatisch Produkt und Menge.
Zwei mal pro Woche wird die Tankstelle in Horst mit Benzin beliefert. Auch hier kontrolliert Enrico Kohn zuerst die Füllstände der Tanks. Es herrscht striktes Rauch- und Handyverbot, denn kleinste Unachtsamkeiten können zur Explosion führen. Kaum jemand ist sich der Gefahren bewusst, wenn eine Tankstelle mit neuem Kraftstoff beliefert wird. Schließlich läuft der Sprit computergesteuert in den Tankcontainer. Das Benzin wird später über ein unterirdisches Rohrsystem an die Zapfsäulen geleitet.