Unter "Minne" versteht man die höfische Liebe des Mittelalters. Der Minnedienst am Hofe war wichtiger Bestandteil der feudalen Kultur und ein bedeutendes Motiv in der Dichtung dieser Zeit.
Einer Dame den Hof zu machen, um ihre Gnade zu werben, sie selbstlos zu lieben und ihr stets Treue zu schwören, galt als ritterliche Tugend. Zwar beschäftigte sich sowohl die hohe als auch die niedere Minne mit der körperlichen Liebe als "letztem Vergnügen", als Ziel aller Sehnsüchte - allerdings mit erheblichen Unterschieden im Weg und in der Erfüllung.
Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich am Hofe die hohe Minne als Kunst und Form der Tugend. Dabei galt für den Minnediener nicht die Eroberung, sondern allein der Dienst an der Verehrung und die Hingabe an die reine, adlige Frau, der Herrin - nicht selten der Ehefrau des Burgherren. An ihr war es, den Verehrer zurückzuweisen. Durch die Zurückweisung konnte er seine Kunst stets weiter vervollkommnen und immer reiner und besser in seinem Streben werden. Auch im Werben zählten Tugenden wie Ehrbarkeit, Verschwiegenheit und Treue.
Die Gunst der höher gestellten Frau musste sich der Mann durch Leistungen wie Preislieder oder Waffentaten verdienen. Die hohe Minne verzichtete auf die erotische Erfüllung, denn dies hätte das Ende des künstlerischen und sittlichen Strebens bedeutet. "Wer die hohe Minne wünscht, muss vorher, nachher um sie dienen", formulierte Wolfram von Eschenbach im "Parzival".
Natürlich wussten die Männer die Reize der körperlichen Liebe zu schätzen. Da Wert und Ehre der edlen Damen vornehmlich in deren Unerreichbarkeit bestand und eine platonische, sich verzehrende Liebe schwer durchzuhalten war, wandten sich die Herren der Schöpfung auch den Vertreterinnen des schönen Geschlechts zu, die zu mehr bereit waren. Es waren dies zumeist unverheiratete, in der sozialen Hierarchie niederer stehende Frauen, für die zum Teil auch keine Heirat vorgesehen war. Sich am Hofe auf eine Beziehung mit einer adligen, gar verheirateten Dame einzulassen, war heikel, denn man lief leicht Gefahr, sie bloßzustellen.
Ehebruch seitens der Frau war ein schweres Verbrechen, bei Männern dagegen wurde ein ausschweifendes Liebesleben toleriert. So war die Frau weder in der Fiktion noch in der Realität dem Manne gegenüber gleichberechtigt: einerseits überhöht, andererseits untergeordnet. Die Liebe zwischen Eheleuten galt als verwandtschaftliche Zugeneigtheit - leidenschaftliches Begehren war eher in außer- oder unehelichen Verhältnissen zu finden. Erst ab dem Hochmittelalter behandelten Männer Frauen zunehmend ebenbürtig, man entdeckte die Liebe, auch in der Ehe, neu.
Mit "Minnesang" wird die ritterlich-adlige Liebeslyrik bezeichnet, die von der "Spruchdichtung" und ihren politischen, religiösen und moralischen Themen abgegrenzt wird. Der liedhafte Vortrag des Minnesangs stellte eine feste, zentrale Größe im höfischen Festtagsablauf dar und wurde oft in Form eines Wettstreits dargeboten - wie eine sublime Art des ritterlichen Turniers. Aus allen Ständen kamen die Minnesänger, sogar Könige waren darunter - im Gegensatz zum starken Gefälle innerhalb des Ritterstandes standen die Ritter als Minnesänger gleichrangig nebeneinander.
Im Minnesang als Liebeslyrik wurde sämtlichen Facetten der Minne Rechnung getragen. Nachdem zunächst eine natürliche, gleichgeordnete Liebe zwischen Mann und Frau dargestellt wurde, wurde die hohe Minne zum zentralen Inhalt der Dichtung. Die unerreichbare edle Frau wurde kunstvoll besungen und überhöht, transzendentiert und nahezu göttlich verehrt. In dieser Art war die Kunst abstrakt und idealistisch entrückt und wurde schließlich auf die Spitze getrieben.
Da einerseits keine Steigerung mehr möglich und andererseits kaum mehr Realitätsnähe erkennbar war, kehrten sich Minnesänger wie Walther von der Vogelweide von der Darstellung der hohen Minne ab. So wurde der Minnesang im späteren Mittelalter durchaus handfester, burlesker - und die niedere Minne zum Thema.
(in chronologischer Reihenfolge)
Der Kürenberger
Dietmar von Aist
Heinrich von Veldeke
Friedrich von Hausen
Hartmann von Aue
Heinrich von Morungen
Reinmar von Hagenau
Walther von der Vogelweide
Wolfram von Eschenbach
Neidhart von Reuental
Der Tannhäuser
Ulrich von Liechtenstein
Heinrich von Meißen ("Frauenlob")
Oswald von Wolkenstein