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21. November 2009
 

aspekte

 
Screenshot aus dem Spiel "GTA San Andreas". Quelle: Rockstar Games
Szene aus dem Spiel "GTA San Andreas"

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Wie Kinder Spaß am Morden finden

Bei sadistischen Computerspielen versagt der Jugendschutz

Bewaffnet mit Motorsägen, Baseballschlägern, Schaufeln und Pistolen gegen Passanten, Rentner und Polizisten kämpfen - und das alles bei cooler Musik und mit schönen Frauen zusätzlich. Das ist das Erfolgsrezept des Computerspiels "GTA San Andreas", das weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft wurde.

 
 
 
 

In Deutschland ist das exzessive Gewaltspiel ab 16 Jahren frei erhältlich, das heißt die "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle" hält es geeignet für Jugendliche.

 
 

"Killerspiele freigegeben"

Für Politiker wie Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sind derlei Altersfreigaben "skandalös". Im ZDF-Magazin aspekte kritisiert er: "Wenn Killerspiele freigegeben werden, wo es brutalste Szenen gibt, sogar noch ein Gütesiegel kriegen, 'freigegeben ab 16', dann ist völlig klar, dass da etwas schief läuft." Derlei Praktiken hätten "nichts mit Jugendschutz zu tun", so Schünemann.

In anderen Spielen, die im Handel frei erhältlich sind, heißt es: "Bereite Dich auf unsagbare Schmerzen vor", "verwende stachelumwickelte Baseballschläger", "Was weißt Du über Dich, wenn Du Dich noch nie geprügelt hast". Ein anderer Spielhersteller wirbt auf der Verpackung mit "Schockierende Röntgen-Aufnahmen bei Knochenbrüchen" und "extrem realistische Kampfverletzungen". Trotz derlei virtuellen Gewaltexzessen können auch solche Spiele in deutschen Kaufhäusern vermarktet werden.

Flut von Gewaltspielen

Uwe Schünemann: "Da sind die Innenminister gefordert, nach vorne zu gehen. Wir haben uns geeinigt, wir wollen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen Nachweise führen, dass die USK hier falsch gehandelt hat, und dann aber gleich den Auftrag erteilen, 'was sind Killerspiele?' - dann wollen wir Formulierungen haben für ein Herstellungsverbot und ein Verbreitungsverbot."

 

Sachsen Innenminister Dr. Albrecht Buttolo (CDU) hält die derzeit praktizierte Vermarktung für "völlig unakzeptabel, egal ob ab 16 oder ab 18". Buttolo sieht den Widerstand gegen die Flut von Gewaltspielen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: "Ich kann nur meine Ablehnung zum Ausdruck bringen, dass wir uns wehren müssen, dagegen, dass wir einen Wertezerfall bei Jugendlichen hinnehmen, der eigentlich irreversible Folgen haben kann."

 
Screenshot aus dem Spiel "GTA San Andreas". Quelle: Rockstar Games
Rockstar Games
Sind solche Spielszenen geeignet für Jugendliche?


Qualität der Tester

Sein Amtskollege Holger Hövelmann (SPD) aus Sachsen Anhalt kritisiert: "Es ist schon erschreckend, dass die Selbstkontrollmechanismen in diesem Umfang, wie wir uns das alle wünschen, nicht funktionieren."

 

Die Leiterin der "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle", Christiane Schulz, kann die Kritik der Innenministerien erwartungsgemäß nicht nachvollziehen. Auf Anfragen von aspekte hält sie die derzeitige Praxis der USK für "optimal" und lobt die Qualität ihrer Tester und Prüfvorbereitungen. Zwar gäben die derzeitigen Alterskennzeichnungen "viele Anhaltspunkte für die Diskussion - aber nicht für pauschale Verurteilung oder Abschaffung oder Änderung."

 

90 Gutachten

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann spricht sich für eine Umstrukturierung des Jugendschutzes aus. Schünemann: "Das gehört auf jeden Fall in staatliche Hände, das muss von den Jugendministern in Zukunft anders organisiert werden, die USK kann das in Zukunft sicherlich nicht machen."

 

Unterdessen untersucht das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) in Hannover 90 Gutachten der Unabhängigen Selbstkontrolle auf ihre Tauglichkeit. Projektleiter Prof. Dr. Christian Pfeiffer sieht in zahlreichen Spielen "das Prinzip der Menschenwürde nach Artikel 1 Grundgesetz verletzt."

 
 

"Das Blut breitet sich aus"

Bereits die ersten Untersuchungsbefunde dokumentieren eine problematische Beurteilungspraxis der USK. Pfeiffer: "Bereits das Spielen der ersten zwanzig Spiele, die wir überprüft haben, weckt bei uns massive Zweifel, ob das System funktioniert. Bei einigen Spielen würden wir sagen 'für den Markt überhaupt nicht geeignet', bei anderen würden wir höhere Alterseinstufungen empfehlen."

 

Prof. Dr. Christian Pfeiffer weiter: "Wir sehen zum Beispiel in einem Spiel, dass der Spieler in die Rolle kommt, einer Frau von hinten das Messer durch den Hals zu ziehen, dann bricht sie zusammen, und eine Blutlache breitet sich aus oder eine Frau mit einer Schaufel zu erschlagen, wüstes Geschrei, und dann liegt sie in ihrem Blut ... und dann sieht man Tote, und das Blut breitet sich aus.

 

"Eine Grenze überschritten"

Das sind Szenen, wo ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, dass das überhaupt auf dem Markt gehört, weil verbrecherisches Handeln belohnt wird durch immer mehr Punkte, die man dafür bekommt. Weil damit aus meiner Sicht eine Grenze überschritten ist, die ethisch nicht akzeptabel ist, da sehe ich auch das Prinzip der Menschenwürde von Artikel 1, Grundgesetz verletzt. ( ... ) Aus unserer Sicht ist völlig klar, dass eines der populärsten Spiele unter zehnjährigen, 'GTA San Andreas', überhaupt nicht auf den Markt dürfte."