Die Werra zählt zu den am stärksten belasteten Flüssen Deutschlands. Denn seit Jahrzehnten pumpt die ansässige Kaliindustrie unablässig Salzlauge in das Gewässer. Nun will der Düngemittelhersteller Kali+Salz noch mehr Salzrückstände in die Werra einleiten.
Allen Kritikern zum Trotz plant das Unternehmen eine 63 Kilometer lange und 30 Millionen Euro teure Salzwasser-Pipeline von seinem Bergwerk in Neuhof-Ellers bei Fulda zur Werra bei Philippsthal. Seit vergangenem Freitag liegt der Antrag für den Bau der Salzabwasserleitung bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium Kassel. Für die Werra bedeutet das: Voraussichtlich ab 2009 müsste sie jedes Jahr 500.000 Kubikmeter mehr von der Salzlauge verkraften. Schon jetzt leitet Kali+Salz jährlich sieben Millionen Kubikmeter Salzabwasser in den Fluss ein.
Fast alle Fischarten sind deshalb bereits eingegangen. Und die Hoffnungen der Umweltschützer und Fischer, der Fluss könne sich einen Tages erholen, schwinden zusehends: "Wir hatten die Hoffnung, dass dieser Fluss zu dem wieder wird, was er mal war, nämlich einer der fischreichsten Flüsse Europas", so Angler Dieter Stellmacher.

Doch an der Werra regiert die Kaliindustrie, und die weiß nicht wohin mit den Rückständen, die beim Abbau von Kalisalzen anfallen. Jedes Jahr wächst die Salzhalde in Neuhof bei Fulda um zwei bis drei Millionen Tonnen. Entgegen aller Vorhersagen von Experten sind die unterirdischen Speicher, in denen die salzhaltigen Abwässer bisher verpresst wurden, voll. Als einzige Lösung bleibt die Einleitung in die Werra, behauptet Kali+Salz.
Dabei gelobten die Politiker nach der Wende Besserung für den Fluss. Sie führten einen Grenzwert ein, der aber schnell abgesenkt werden sollte. Doch dazu kam es nie. Noch heute gilt dieser Grenzwert. Er liegt 25 Mal höher als bei einem gesunden Fluss, bei 2500 Milligramm Salz pro Liter Wasser. Doch 2012 läuft dieser Grenzwert endgültig aus.

Spätestens dann muss ein alternatives Entsorgungskonzept für die gesamte Werraregion her, wie auch zunehmend von der Politik gefordert. Technische Alternativen gäbe es derzeit aber nicht, erklärt das Unternehmen: "Wir können nicht dafür, wenn nicht jeder nachvollziehen kann oder nachvollziehen möchte, dass bestimmte Dinge technisch einfach nicht machbar sind oder einfach davor die Augen verschließt, dass andere Alternativen möglicherweise mit sehr viel gravierenderen Nachteilen verbunden sind, auch was ökologische Aspekte betrifft", so Unternehmenssprecher Ulrich Göbel.
Und so wird die Umwelt weiter ruiniert. Die Geschäfte mit dem weißen Gold aber laufen gut: Kali+Salz hat vor kurzem die beste Bilanz aller Zeiten vorgelegt.