
Genau 149 Jahre brannte das Feuer in den Gießereien des oberpfälzischen Stahlwerks und nun ist es für immer erloschen. Zurück bleiben ein Industrie-Riese und eine strukturschwache Region, in der niemand so recht weiß, wie es weitergehen soll.

"Ich bekomme mein Geld bis zum letzten Arbeitstag, also gehe ich auch auf Arbeit - das ist Einstellungssache", sagt Norbert Dotzler. Für den Walzwerkmeister war die Maxhütte immer mehr als nur ein Arbeitsplatz. Seit zwanzig Jahren arbeitet der 36jährige Familienvater bereits im Stahlwerk und hat sich vom einfachen Arbeiter zum Meister hochgearbeitet.
Nun muss er wieder von vorne anfangen. Die Maxhütte wird abgerissen. Seit 1853 brannte das Feuer in der Gießerei, hier wurde aus Erzen flüssiger Stahl gewonnen, der weltweit begehrt war. Die New Yorker Subway rollt noch heute auf Schienen, die aus dem beschaulichen Sulzbach-Rosenberg stammen. In ihren besten Jahren gab die Maxhütte über 10.000 Menschen Arbeit, war der Wirtschaftsmotor in der strukturschwachen Region. Von Zulieferbetrieben über die Gastronomie bis zum Einzelhandel - ging es der Maxhütte gut, hatte niemand zu klagen.
Doch diese Zeit ist lange vorbei. Zwei Konkurse wurden innerhalb der letzten 20 Jahre abgewendet, doch wirklich erholt hat sich die Maxhütte davon nicht mehr. Zu schlecht war die wirtschaftliche Lage in der Stahlbranche, zu alt waren die Produktionsmittel und zu hoch die Personalkosten im internationalen Vergleich.

Während der letzten Schicht, die in der Maxhütte gefahren wird, hat so mancher Stahlkumpel Tränen in den Augen und ringt im Gespräch mit ZDF.reporterin Ariane Vuckovic nach Worten. Immer wieder erfährt sie, dass es nicht nur der Verlust des Arbeitsplatzes ist, den die Stahlkumpels fürchten. Die Maxhütte war für sie mehr als bloßer Brötchengeber, sie war Teil des gesellschaftlichen Lebens in Sulzbach-Rosenberg.
Wenn man den überalterten Maschinenpark sieht, die gewaltige Feuer-Glut und die riesigen Stahlanlagen, dann kommt auch bei Nicht-Werksmitgliedern Wehmut auf, erzählt Ariane Vuckovic. Man verstehe die Ohnmacht und Wut der Arbeiter. Sie hätten ihr Bestes gegeben, und es war umsonst.

Thomas Popp beispielsweise hat jahrelang als Schmelzer direkt am Hochofen gearbeitet. Der Sozialplan sieht für ihn 84 Prozent des bisherigen Gehalts vor. Maximal zwei Jahre hat er wie die anderen Beschäftigen Anspruch auf diese Unterstützung. Doch er hat eine Wohnung gekauft und ist dadurch sowieso schon finanziell stark belastet. Er hat schon viele Bewerbungen geschrieben, doch eine Aussicht auf eine Anstellung gibt es nicht: "Ich bin 32 Jahre alt und keiner braucht mich", erzählt er enttäuscht und denkt sofort an seine älteren Kollegen: "Wenn sie dich mit 32 Jahren schon nicht nehmen, was machen dann die mit 40 oder 50 Jahren?", fragt er.
Wie es weitergehen soll, weiß niemand in der Oberpfalz. Man hofft auf ein Modell "Wackersdorf". Nach dem Scheitern der Wiederaufbereitungs-Anlage wurden dort erfolgreich andere Unternehmen angesiedelt und viele Arbeitsplätze geschaffen. Doch ein vergleichbares Programm braucht Zeit und die fehlt Thomas Popp und seinen ehemaligen Kollegen. Die privaten Raten müssen gezahlt werden. Monat für Monat.